Gustav Görner

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Visionär mit Schaffenskraft

Gustav Görner baute Reinhardshausen zum bedeutenden Kurort aus

Quellengründer aus Reinhardshausen. Gustav Görner

Er war ein Mann mit Tatkraft und Visionen, 1894 legte er als 45-Jähriger mit dem Kauf des alten Schefferschen Gutes und seiner ersten Quellbohrung den Grundstein für den Aufstieg des verträumten Dörfchens Reinhardshausen zu einem der bedeutendsten hessischen Heilbäder: Gustav Görner (1849 bis 1939), Gründer der Reinhardsquelle. Mit einer Jalousienfabrik im sächsischen Zittau hatte es der ursprünglich aus Böhmen stammende Schreinermeister Görner bereits zu Wohlstand gebracht, als ihn ein Nierenleiden 1894 nach Bad Wildungen führte. Bei seinen Spaziergängen sah er im Reinhardshäuser Wiesengrund nahe der von den Bürgern des Dörfchens genutzten Gemeindequelle Kohlensäurebläschen aufsteigen. Sein Unternehmergeist war geweckt. Kurz entschlossen erwarb Görner das Scheffersche Gut und begann unmittelbar darauf mit ersten Bohrungen in der Nähe der Gemeindequelle. Am Standort der heutigen Kurverwaltung stieß er in 15 Meter Tiefe auf die Reinhardsquelle, die schon vor 1619 genutzt worden, schließlich aber in Vergessenheit geraten war.

Von diesem Tag an begann eine rasante Entwicklung. Görner eröffnete offiziell den Betrieb der Reinhardsquelle, baute einen Wasserversand auf und vermarktete das Reinhardshäuser Heilwasser erfolgreich bis in die USA. Auf dem Gelände des Gutes entstand der Reinhardshäuser Kurpark. Auf dem Schwanenteich ließ Görner eine Insel mit Schwanenhäuschen anlegen und bot seinen Gästen sogar an, mit Booten auf dem Teich zu fahren.

Görner blieb Visionär mit ungebrochener Schaffenskraft und bohrte weiter mit dem Ziel, die Trinkkur um Badekuren zu ergänzen. "Er verbuddelt sein Geld", unkten die Leute im Dorf. In 150 Meter Tiefe stieß Görner auf eine Schwefelquelle - die heutige Tempelquelle - und baute ab 1897 das erste Badehaus mit sieben Kabinen für Mineral- und Sprudelbäder sowie Gemeinschaftsräume.

Die Familie Görner - Ehefrau Hedwig war mit den acht Kindern 1895 nachgekommen - zog in das instand gesetzte ehemalige Gutshaus ein. Hedwig Görner eröffnete dort ein Restaurant, heute Hotel/Restaurant Schwanenteich. Die ersten Pensionen entstanden. Das erste Sanatorium baute der aus Kassel stammende Carl Zeiss 1925 am Homberg das Sanatorium Reinhardsquelle.

Gustav Görner selbst fühlte sich wohl unter seinen Gästen, trank seine Reinhardsquelle mit Wein vermischt, rauchte gern Zigarren und war ein leidenschaftlicher Skatspieler. In einer Skatrunde unter anderem mit Kommerzienrat Kirchner, Direktor der Fürstlich-Wildunger Mineralquellen AG, ließ sich Görner überreden, sein Unternehmen zu verkaufen und in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umwandeln zu lassen.

Am 2. Juli 1912 wurde die Bad Reinhardsquelle GmbH gegründet. Und Reinhardshausen entwickelte sich. 1928 wurden erstmals mehr als 1000 Kurgäste gezählt. Fast 40000 waren es bei 1,2 Millionen Übernachtungen zur Blütezeit Mitte der 90er Jahre. Die Kurkrisen 1983 und schließlich 1996 verschonten Reinhardshausen mit seinen 4500 Gästebetten nicht. Mit knapp 32000 Gästen lag das Bad 2003 noch immer 25 Prozent unter den vorhandenen Kapazitäten. Vom 6. bis 13. Juni feiert die Bad Reinhardsquelle mit einem bunten Programm den 110. Jahrestag der Gründung durch Gustav Görner. Bis dahin wird sich eventuell ein weiterer Besitzwechsel vollzogen haben. Bad Wildungen will die Anteile des Landes und der 15 privaten Gesellschafter übernehmen. Die Gesellschafterversammlung hat bereits grünes Licht gegeben.


Artikel aus der HNA Waldeckische Allgemeine vom 27. März 2004, Serie "Die besten Waldecker"