Gustav Eberlein (1847 - 1926)

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Ein Star seiner Zeit

Vorspann: Gustav Eberlein gehört um 1900 zu den berühmtesten deutschen Bildhauern

Bildhauer, Maler und Schriftsteller:Gustav Eberlein (1847-1926)FOTO: ARCHIV/GUSTAV-EBERLEIN-FORSCHUNG/NH

Gustav Heinrich Eberlein erlebt beides: den Ruhm eines hoch geachteten Künstlers ebenso wie den Abstieg in die Vergessenheit. Um die Jahrhundertwende gehört der Bildhauer, Maler und Schriftsteller zu den bedeutendsten Künstlern in Deutschland. Auch Kaiser Wilhelm II. zählt zu seinen Auftraggebern. Er besucht ihn sogar in seinem Berliner Atelier. Eberlein erhält zahlreiche Ehrungen, 1887 wird er in die Akademie der Künste aufgenommen, 1893 zum Professor ernannt. Auch finanziell steht er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Sein kolossale neubarocke Kunst im Stil der Gründerzeit lässt sich gut verkaufen. Standbilder, Denkmäler, Grabmale entstehen. Er stellt in Berlin und München ebenso aus wie in Wien, Chicago und Paris. Neben seinem Atelier in Berlin unterhält er zeitweise Werkstätten in Rom, New York, Buenos Aires und Santiago de Chile. Zeitlebens bleibt Eberlein aber auch seiner Heimat verbunden. In Münden, wo der am 14. Juli 1847 in Spiekershausen geborene Künstler seine Jugend verbracht hat, unterhält er mit der Eberburg und dem Weserkastell zwei Sommersitze. Hier tankt er Kraft. Eberlein stammt aus kleinen Verhältnissen - sein Vater war Grenzaufseher, seine Mutter Bäuerin. Seine künstlerische Laufbahn beginnt er mit einer Goldschmiedlehre in Hildesheim. Es folgt 1866 eine dreijährige Ausbildung an der Kunstschule in Nürnberg, die ihm Gönner ermöglichen. Eberlein geht nach Berlin, angezogen von seinem Vorbild, dem Bildhauer Reinhold Begas. Mit Hilfe von Stipendien kann er die Königlich Preußische Akademie besuchen und zu einer Studienreise nach Italien fahren. Der Aufstieg des Künstlers beginnt. Er wird zu einem Star. Sein Stern beginnt zu sinken, als er einen Weg abseits von der staatlich anerkannten Kunst einschlägt. Aus der Großen Berliner Kunstausstellung werden 1900 16 seiner Werke entfernt. Seine naturalistische Darstellung des Menschen passt nicht zu der öffentlichen Kunst. Aber nicht nur durch seine künstlerische Arbeit eckt er an. Sein Einsatz für Abrüstung und Aussöhnung der Völker passt nicht in das imperialistische Deutschland. Die öffentlichen Aufträge bleiben aus. Erfolge hat er noch einmal in Nord- und Südamerika, das er zwischen 1908 und 1913 besucht. In Argentinien erhält er den Auftrag für das Nationaldenkmal in Buenos Aires. Mit dem Ende des Kaiserreiches verblasst auch die Kunst der Gründerjahre und des Neubarock. Es trifft nicht nur den Künstler aus Spiekershausen. Dieses Schicksal teilte Eberlein mit den meisten Bildhauern seiner Generation. Die gegenstandslose Bildhauerei hatte sich ihr Feld erobert, so Prof. Rolf Grimm, Vorsitzender der Gustav-Eberlein-Forschung in Hann. Münden. Der Stempel pompöser Kitsch sollte noch Jahrzehnte den Blick auf das Werk Eberleins verstellen. 600 Skulpturen, 300 Gemälde, 200 Gedichte und Prosa hat er hinterlassen, aber als Eberlein am 5. Februar 1926 in Berlin stirbt, kennen ihn nur noch wenige. Die Kunstwelt hat sich abgewandt. Erst in den siebziger Jahren beginnt ein Wandel. Prof. Peter Bloch, ehemalige Leiter der Skulpturengalerie in Berlin-Dahlem schreibt 1984: Gustav Eberlein ist nicht nur ein typischer, sondern auch ein herausragender Repräsentant seiner Zeit. Es gelingen ihm ... mehrfach Bildschöpfungen von hohem Rang. Viele Werke Eberleins überstehen den Zweiten Weltkrieg nicht, vieles wird aber auch erst danach zerstört oder eingeschmolzen - auch in Hann. Münden. Hier ist es die 1982 gegründete Gustav-Eberlein-Forschung, die entscheidenden Anteil daran hat, dass Eberleins Werk wieder beachtet wird.(EMS) Literatur: Rolf Grimm, Der Bildhauer, Maler und Dichter Gustav Heinrich Eberlein, in: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen 2/85. Weitere Infos auf den Internetseiten der Gustav-Eberlein-Forschung: www.g-r-i-m-m.de