Grubenunglück von Stolzenbach

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Die Überlebenden des Grubenunglücks (von links): Heinz Röse, Wilfried Dönch, Helmut Gessner, Ahmet Batkan, Egon Dehn und Thomas Geppert
Die Explosion in der Grube Stolzenbach am 1. Juni 1988 forderte 51 Todesopfer. Sechs Bergleute wurden in einer dramatischen Rettungsaktion befreit.[1] Insgesamt waren 57 Männer durch die Kohlenstaubexplosion unter der Erde eingeschlossen.

Unglück

Seit den 1950er-Jahren wurde in der Schachtanlage Stolzenbach Braunkohle im Untertagebau gefördert. Überregional bekannt wurde der Ort im Borkener Braunkohlerevier, als am 1. Juni 1988 durch eine Explosion in der bis zu 170 Meter tiefen Grube Stolzenbach 51 eingefahrene Bergleute ums Leben kamen.

Sechs Bergleute wurden nach 65 Stunden aus dem Stollen gerettet. Sie steckten im Ostteil der Grubenanlage in einer Luftblase fest. Mit Hilfe eines Richtmikrofons und unzähligen Metern zusätzlichen Kabels gelang es seinerzeit, ein Rundfunk-Mikrofon 70 meter in die Tiefe zu lassen, durch welches dann Scharren, Klopfen und Gesprächsfetzten aus der Tiefe zu hören waren. Die Idee stammte ursprünglich von einem Reporter des Hessischen Rundfunks, der offenbar zur Berichterstattung mit einem ganzen Team vor Ort war.

Die sechs waren noch am Leben, weil sie sich in eine Strecke zurückgezoen hatten, in die das tödliche Gas nicht vordringen konnte. Als die Grubenwehr zu ihnen vorstoß, leuchten die Kumpel ihren Rettern mit Taschenlampen entgegen.

Zwei Kilometer legten sie dann unter Tage noch bis zum Rettungsschacht zurück, über den sie an die Oberfläche gelangten. Als erster wurde Heinz Röse mit dem Förderkorb ans Tageslicht gebracht.

Der Bergbau in der Grube Stolzenbach wurde nach dem Unglück eingestellt.

Panne bei Todesanzeige

Die Namen der Überlebenden erschienen am Tag vor ihrer Rettung bereits in der Todesanzeige für all die gestorbenen Bergleute in Stolzenbach. Experten werten dies als Beweis dafür, dass keiner der Krisenmanager je an die Möglichkeit geglaubt hatte, dass jemand lebend ans Tageslicht geholt werden könnte.

Gedenken

Wenige Tage nach dem Grubenunglück von Stolzenbach gab es einen Gedenkgottesdienst. Für jeden der 51 Toten wurde eine Kerze entzündet. Bis zum Herbst 1988 trafen sich Angehörige und Hinterbliebene alle zwei Wochen, später in größeren Abständen – insgesamt drei Jahre lang.[2]

An der Stelle, an der sich der Seilfahrtschacht befunden hat, wurde ein Gedenkstein gesetzt. Dort befindet sich heute die Gedenkstätte für die Schachtanlage, an der Hinterbliebene alljährlich am 1. Juni zum stillen Gedenken zusammenkommen. Der Borkener Braunkohle-Rundwanderweg vermittelt auf vier Teilstrecken die landschaftlichen Folgen des Bergbaus. Er führt zum Borkener See, der Gombether Grube und zur Gedenkstätte in Stolzenbach.

Betreut wird die Gedenkstätte durch das Hessische Braunkohle Bergbaumuseum.

Die Kirche in Stolzenbach verfügt im Altarraum über ein Kirchenfenster aus dem Jahr 1996, das von dem Künstler Hermann Pohl gestaltet wurde. Neben Christus, der dreifach dargestellt ist, wird mit der Abbildung der heiligen Barbara, der Patronin der Bergleute, an das Grubenunglück in Stolzenbach erinnert.[3]

Gerichtsverfahren und Ursachenforschung

22 Jahre nach dem Grubenunglück wurde das Ereignis aufgerollt und erstmals vor Gericht erörtert[4]. Am 7. Juli 2010 begann ein Prozess vor dem Landgericht Kassel, in dem die Witwe eines damals tödlich verunglückten Bergmannes klagte. Die Zivilklage auf Schadensersatz richtete sich gegen den damaligen Bergwerksdirektor und gegen die EON-Kraftwerke GmbH als Rechtsnachfolger. Hinter der Klage standen noch 15 weitere Hinterbliebene.

Grundlage für das Verfahren waren Recherchen der hr-Autoren Oliver Schmid und Nick Pietzonka. Bei ihren Recherchen für die Dokumentation "Der Tag, als die Grube explodierte" stießen die Journalisten im Archiv des Regierungspräsidiums Kassel auf ein brisantes Gutachten. Das brisante Papier war 2008 aufgetaucht, fast 20 Jahre nachdem die Staatsanwaltschaft Kassel strafrechtliche Ermittlungen mit dem Fazit „Tragisches Unglück“ eingestellt hatte.

Die Gefahr, dass der Braunkohlenstaub im Borkener Revier explosionsgefährlich war, soll der Grubenleitung und den Bergbehörden mehr als 20 Jahre vor dem Unglück bekannt gewesen sein.[5] Gegen das klageabweisende Urteil des LG Kassel (August 2014) [6] legte die Klägerin Rechtsmittel ein.

siehe auch

Hessisches Braunkohle- und Bergbaumuseum in Borken

Weblinks und Quellen

  1. HNA-online vom 1. Juni 2013: Das Wunder von Stolzenbach
  2. HNA-online vom 30.5.2013: Grubenunglück in Stolzenbach - Hilfsprogramm für Angehörige
  3. Informationen zur Kirche in Stolzenbach auf www.ekkw.de
  4. HNA-online vom 1.6.2013: Grubenunglück in Borken: Noch sind viele Fragen offen
  5. hr-online vom 28.5.2013 zum Grubenunglück und Gerichtsverfahren
  6. HNA-online vom 14.8.2014 - Grubenunglück in Borken: Richterin weist Klage ab