Graf Josias II von Waldeck

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Graf Josias II. von Waldeck (2.7.1636 - 8.8.1669) war neben seinem berühmten Vetter Graf Georg Friedrich einer der herausragenden Persönlichkeiten aus dem Waldecker Adelsgeschlecht.

Schon als neunjähriger Junge verlor Josias seinen Vater Graf Philipp VII. von Waldeck und die Mutter Gräfin Anna Catharina übernahm die Erziehung der Brüder Christian Ludwig und Josias.

Im Jahre 1660 erhielt Josias Burg und Amt Wildungen als Herrschaftsbereich zugesprochen, später kamen die Ämter Wetterburg und Landau hinzu.

Leben und Wirken

Graf Josias war seit 1659 mit der Gräfin Wilhelmine von Nassau-Siegen verheiratet. Mit ihr hatte er 6 Kinder, von denen nur Tochter Charlotte Johanna (1664 - 1699) das Kindesalter überlebte, so dass die von ihm 1660 durch die Übernahme der Regierung des Amtes Wildungen und später des Amtes Wetterburg gestiftete Linie Waldeck-Landau erlosch. Auch sein Onkel Johann II. - er residierte in Landau - war 1668 ohne männliche Nachkommen verstorben.

Das künstlerisch wertvolle Grabmal von Graf Josias II. wurde von dem Bildhauer Heinrich Pape in der Stadtkirche in Bad Wildungen im Auftrag der Witwe des Grafen im Jahre 1674 im Stil des Hochbarock geschaffen.

Während seines bewegten Lebens führten Josias und seinen Bruder Studien in die Niederlande, nach Frankreich und Italien. Seine militärische Karriere begann Graf Josias noch vor seinem Regierungsantritt. Er war 1656 schon mit 20 Jahren Brandenburgischer Rittmeister.

Zu Beginn seiner Regentschaft kam er als Oberst in schwedischen Diensten nach Wildungen zurück. Drei Jahre später kämpfte er als kaiserlicher Generalfeldwachtmeister gegen die Türken und wurde vor Schloss Fünfkirchen durch einen Pfeil am linken Arm verwundet. Diese Türkenkämpfe in Ungarn wurden die Basis seines späteren Einsatzes in venezianischen Diensten auf Kreta.

Der Waldecker Graf auf Kreta

In der Schlussphase des Krieges (1669), einem der längsten, blutigsten und wechselvollsten in der europäischen Kriegsgeschichte, ließen 30 000 Christen und 108 000 Türken ihr Leben. In der letzten Kriegsphase war Graf Josias II. als Generalmajor Befehlshaber von drei Regimentern, in denen auch 25 Niederwildunger zu Fuß und 15 zu Pferd kämpften.

Konrad Deichmann, der Sekretär des Grafen Josias, hat ein Tagebuch geführt, das nach dessen Rückkehr aus Kreta 1670 in Frankfurt gedruckt wurde und von dem ein kostbares, seltenes in Pergament gebundenes Exemplar im Bestand der Wildunger Rudolf-Lorenz-Stiftung erhalten ist.

In der Nacht zum 16. Juli 1669 traf den Waldecker Grafen und venezianischen General ein Türkengeschoss am Knie. Zunehmendes Wundfieber verursachten große Schmerzen, trotzdem erteilte der Verwundete weiter Befehle an seine Truppen, bis er am 29. Juli 1669 „sanft und selig in dem Herrn entschlafen“, zitierte der Referent aus den Aufzeichnungen. Zusammen mit 637 seiner ursprünglich 2400 Soldaten seiner Regimenter trat Graf Josias im Sarg die Heimreise an, die im April 1670 beendet war.

Schloss Friedrichstein

In den Jahren 1660 bis 1663 und 1664 bis 1668 hat Graf Josias II. von Waldeck die Planungen und den Bau des Schlosses Friedrichstein in Bad Wildungen betrieben, die er durch seinen frühen Tod aber nicht vollenden konnte.

Dr. Wolfgang Fischer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Bad Wildungen des Waldeckischen Geschichtsvereins, hat alte Zeichnungen „ausgegraben“ und diese mit den realisierten Plänen verglichen. Er kam zu der Erkenntnis, dass „die Pläne von Josias so genial waren, dass sie - wären sie vollständig verwirklicht worden - den Bau, den Fürst Friedrich Anton Ulrich in den Jahren 1707 bis 1714 in seiner heutigen Gestalt fertiggestellt hat, „deutlich übertroffen hätten“.

Quelle

Artikel von Wolfgang Senzel in der HNA - Waldeckische Allgemeine über einen Vortrag von Dr. Wolfgang Fischer bei der Jahrestagung des Waldeckischen Geschichtsvereins

siehe auch

Grabmal des Grafen in der Stadtkirche Bad Wildungen