Graf Christian Ludwig von Waldeck

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Christian Ludwig von Waldeck, * 29. Juli 1635 in Waldeck, + 12. Dezember 1706 in Landau, war Graf von Waldeck-Wildungen und ab 1692 Graf von Waldeck und Pyrmont.

Er war der älteste Sohn des Grafen Philipp VII. von Waldeck-Wildungen (1613-1645) und dessen Frau Anna Katharina von Sayn-Wittgenstein (1610-1690) und ist Stammvater der heutigen Fürsten und Grafen von Waldeck.

Christian Ludwig war verheiratet mit Anna Elisabeth Gräfin von Rappoltstein (7.3.1644 - 6.12.1676), nach deren Tod heiratete er am 6. Juni 1680 Johannette von Nassau-Idstein (1657 - 1733).

Nach dem Tod seines Vetters, Graf Georg Friedrich von Waldeck-Eisenberg im Jahre 1692 erbte Christian Ludwig aufgrund eines Erbvertrags dessen Teilgrafschaft und konnte dadurch die Grafschaft Waldeck wieder in einer Hand vereinen.

Beerdigt wurde Graf Christian Ludwig in der Korbacher Kilianskirche. Er ruht hier mit seiner zweiten Gemahlin, der Gräfin Johannette, geborene Gräfin zu Nassau-Saarbrücken, seinem Sohn Carl Christian Ludwig, der als Generalfeldwachtmeister in der Schlacht bei Quistello im Herzogtum Mantua 1734 gefallen war, und dessen Neffen Carl Wilhelm, der 1735 als Siebenjähriger in Korbach verstorben war.

Geschichte

Schon früh verloren Christan Ludwig und sein Bruder Josias den Vater und die Mutter Gräfin Anna Catharina übernahm die Erziehung der Brüder.

Nachdem im Jahre 1660 Josias Burg und Amt Wildungen als Herrschaftsbereich zugesprochen bekam (später kamen die Ämter Wetterburg und Landau hinzu), verlegte Christian Ludwig die Residenz nach Kleinern (Schloss Christiansburg).

Sein Bruder Graf Josias II. (1636 - 1669) war neben seinem berühmten Vetter Graf Georg Friedrich einer der herausragenden Persönlichkeiten aus dem Waldecker Adelsgeschlecht. In den Jahren 1660 bis 1663 und 1664 bis 1668 hat Graf Josias die Planungen und den Bau von Schloss Friedrichstein in Alt-Wildungen betrieben, die er durch seinen frühen Tod aber nicht vollenden konnte; erst unter seinem Nachfolger Friedrich Anton Ulrich wurde das Schloss in bescheidenerem Umfang fertigestellt.

Die Schwester von Christian Ludwig und Josias, Juliane Elisabeth von Waldeck -Wildungen (1. August 1637 - 20. Mai 1707), heiratete am 27. Januar 1660 Heinrich Wolrad von Waldeck-Eisenberg in Arolsen.

In einem am 12. Juni 1685 mit Graf Georg Friedrich aus der Linie Waldeck-Eisenberg geschlossenen Vertrag führte er die Primogenitur im Hause Waldeck ein, die Kaiser Leopold I. im Jahre 1697 bestätigte.

Nach dem Tod Georg Friedrichs im Jahre 1692 konnte dann Christian Ludwig aufgrund dieses Vertrags die Grafschaft Waldeck wieder in einer Hand vereinen.

Burg Christiansburg

Christiansburg

Unter der Regie von Christian Ludwig entstand von 1660 bis 1662 - nach den Plänen des Mengeringhäuser Baumeisters Emanuel Brand - Schloss Christiansburg. Das Schloss stand einst südlich der Wesetalstraße, gegenüber dem 1972/73 entstandenen Dorfgemeinschaftshaus in Kleinern, noch vor dem heutigen Sportplatz (Hof Ludwig Brüne).

Nach Fertigstellung der Anlage verlegte Christian Ludwig auch seine Residenz im Jahre 1662 nach Kleinern, später dann im Jahre 1695 nach Bad Arolsen.

Sein Sohn Friedrich Anton Ulrich ließ anstelle des ehemaligen Arolser Renaissanceschlosses ab dem Jahre 1710 das heutige barocke Schloss errichten. Unter seiner Herrschaft wurde um das Jahr 1710 die Christiansburg abgerissen.

Geschichte der Burg

Kleinern ist wahrscheinlich in der Zeit von 800 - 900 entstanden. 1225 wird der Ort erstmals urkundlich als "Creinre" erwähnt. 1250 bis ca. 1400 hatten die Herren von Kleinern, Lehensleute der Grafen von Waldeck, hier einen Burgsitz. Unter ihrer Regie entstand im 13. Jahrhundert eine kleine Dorfkirche. 1509 ging das Dorf vorübergehend in den Besitz der Herren von Löwenstein über.

1513 erwarb Asmus I. von Geismar einen größeren Hof in Kleinern und baute ihn zum Rittersitz derer von Geismar aus. 1613 errichtete Asmus II. von Geismar südlich vom Ort einen neuen Burgsitz.

Der Dreißigjährige Krieg führte zu einer Verarmung der Familie von Geismar, so dass sie ihr Burggut mit Herrensitz an den Grafen Christian Ludwig von Waldeck (1635 bis 1706), den Stammvater aller späteren Grafen und Fürsten von Waldeck, verkauften.

Errichtung und Niedergang des Schlosses

Unter seiner Regie entstand dann unter Einbeziehung des Geismarschen Herrensitzes um 1662 das Schloss Christiansburg. Baumeister war der aus Mengeringhausen stammende Emanuel Brand. Nach Fertigstellung der Gebäude verlegte Christian Ludwig seinen Wohnsitz mit Hofstaat, Kanzlei und Regierung nach Kleinern. Die Anlage war vierflügelig - mit quadratischem Innenhof - und umgeben von einem Wassergraben. Der zur Straße gelegene Flügel war zweigeschossig und hatte eine Toreinfahrt. Links schloss sich ein ebenfalls zweigeschossiger Flügel an - allerdings mit anderen Geschosshöhen - der zum Hof hin einen offenen Arkadengang im Renaissancestil besaß und in dessen Obergeschoss sich ein großer Festsaal mit offenem Kamin befand.

1681 bis 1694 entstand unter der Federführung von Graf Christian Ludwig von Waldeck an Stelle der alten, bereits baufälligen Kirche aus dem 13. Jahrhundert eine neue barocke Anlage.

1695 verlegte Christian Ludwig seine Residenz nach Arolsen.

Sein Sohn Friedrich Anton Ulrich vermählte sich 1700 mit Louise, Pfalzgräfin von Birkenfeld, und sie bewohnten bis 1706 das Schloss Christiansburg. Nach dem Tode seines Vaters übernahm Friedrich Anton Ulrich die Regierungsgeschäfte und verlegte ebenfalls seinen Wohnsitz nach Arolsen.

Später (1707 bis 1710), als Regierender des Fürstentums Waldeck und Pyrmont, ließ Fürst Friedrich Anton Ulrich die Christiansburg abreißen, so dass von der über vier Jahrzehnte entstandenen Pracht leider nichts erhalten geblieben ist.

siehe auch

Wussten Sie schon ...

  • ...dass Graf Christian Ludwig, der in Kleinern residierte, in zwei Ehen 25 Kinder hatte? Sein Sohn Fürst Friedrich Anton Ulrich verlebte noch seine ersten Ehejahre in Kleinern. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1706 übernahm er in Arolsen die Regierungsgeschäfte. 1709/ 10 ließ er Schloss Christiansburg in Kleinern abreißen, von dem heute keine Spuren mehr zu finden sind.
    Wolfgang Lübcke, Giflitz

Weblinks