Grüne Villa

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Die Grüne Villa an der Kasseler Querallee
Die Grüne Villa ist ein Gebäude im neoklassischen Stil in der Kasseler Querallee 21 im Vorderen Westen. Es handelt sich um ein unter Schutz stehendes Einzelkulturdenkmal.

Geschichte

Die Villa, die ihren Namen aufgrund der grünen Fassade erhielt, wurde 1896 erbaut. Ihr Eigentümer war zunächst Moritz Scheyer. Ende der 1930er-Jahre ging das Gebäude in den Besitz von Scheyers Erben, Janette Anna, Otto und Hugo über. Janette Anna Scheyer, die in Kassel als Aenne bekannt war, eröffnete bereits in den 1920er-Jahren ein Fotoatelier in der Villa. Die Fotografie war zur damaligen Zeit noch in ihrer Entwicklung und mit ihr ließ sich gutes Geld verdienen. Da Aenne Scheyer, die am 11. Februar 1888 in Kassel geboren wurde, zudem ein glückliches Händchen hatte, wurde sie schon bald über die Grenzen von Kassel hinaus bekannt. Am 4. Oktober 1910 heiratete sie Fritz Mosbacher und gehörte somit zur Mosbacher-Amnestie, die in Kassel eine lange Geschichte hatte. Am 9. Juli 1911 bekam das Paar einen Sohn: Franz Mosbacher.

Die Erfolgsgeschichte des kleinen Fotogeschäfts endete mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die Scheyer-Familie konnte ihre Villa nicht behalten. Mit einem Trick gelang es ihr aber, sie vor einer Enteignung durch das Deutsche Reich zu schützen. Sie übertrug das Eigentum zu großen Teilen auf ein nicht "volljüdisches" Familienmitglied. Dabei wurde die Villa 1942 auf das Deutsche Reich umgeschrieben, aber nicht durch das Deutsche Reich enteignet. In einem Rückerstattungsverfahren wurde 1950 die Villa den erbberechtigten Familienmitgliedern Scheyer und Mosbacher zugesprochen.

Allerdings profitierte die Familie davon nicht mehr. Hugo Scheyer war vor 1930 in die Uhlandstraße gezogen, wo er als Kaufmann tätig war. 1933 kehrte er in das Gebäude an der Querallee 21 zurück. Die Nationalsozialisten erhöhten den Druck auf die jüdische Familie, die die Villa verließ. Das Schicksal von Otto und Hugo Scheyer ist in den vorliegenden Quellen nicht überliefert. Die Fotografin Aenne Mosbach wanderten nach Süd-Amerika aus.

1955 wurde das Gebäude offiziell verkauft. Es ging in den Besitz des Kasseler Textilkaufmanns Erich Schwarzmann über. Ende der 1960er-Jahre oder Anfang der 1970er-Jahre (hier sind sich die Historiker uneinig) ging die Villa in staatlichen Besitz über. Die Erich Schwarzmann GmbH zog um, blieb aber bis heute erhalten (derzeitiger Sitz: Fuldabrück). Das Land Hessen brachte das Staatsbauamt in dem Gebäude unter, das 2004 in Hessisches Baumanagement umbenannt wurde. Die neoklassizistische Villa stand bis 2012 Zeit leer.

Hausbesetzung

Im Juni 2012 kam es zu einer Hausbesetzung der Grünen Villa. In einem Internetblog hatten sich "Aktivisten" verabredet, um in das Gebäude einzudringen. Die Hausbesetzer hatten dabei zu einer Party eingeladen. Als die Polizei anrückte, flüchteten die rund 50 Feiernden, die mehrfach in das Gebäude eingedrungen waren. Beim Eintreffen der Polizei waren noch rund 15 Eindringlinge in der Villa. Mit einem ausgehängten Transparent hatten die Aktivisten zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass es "Mehr selbstverwalteter Raum zur freien Entfaltung junger Menschen." geben müsse. Um ein weiteres Eindringen zu vermeiden, überwachte die Polizei darauf rund um die Uhr das Gebäude mit einem Streifenwagen. Die Polizei ermittelte wegen Hausfriedensbruch. Das Hessische Immobilienmanagement erstattete Anzeige.

Geplanter Verkauf

Das Hessische Immobilien Management wollte das Gebäude 2012 verkaufen, da es für "Landeszwecke nicht mehr geeignet sei". Am 24. August 2012 war die Villa verkauft: Ein Kasseler Privatmann wurde der neue Eigentümer des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes.

Bei der Grünen Villa handelt es sich um ein Gebäude, dass innen und außen als unter Schutz stehendes Einzelkulturdenkmal gilt. Daher bedarf jede Änderung einer Genehmigung des Landesamtes für Denkmalpflege.

Quellen und Weblinks

  • HNA-Artikel vom 11. Juni 2012: "Kinderfoto aus der grünen Villa"