Gottschalk & Co.

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Ehemalige Fabrik Gottschalk & Co.
Gottschalk & Co. war eine Tuchweberei in der Kasseler Nordstadt, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegründet wurde und nach einer wechselvollen Unternehmensgeschichte 1999 die Produktion einstellte.


Geschichte

Im Krieg, im fernen Afrika, im Zirkus oder im Urlaub, die Zelte der Firma Gottschalk waren fast 120 Jahre lang weltweit für die unterschiedlichsten Zwecke im Einsatz. Die Erfolgsgeschichte begann 1881, als Moritz Gottschalk (1851-1943) und Johannes Coenning die Firma gründeten. Die Konkurrenz, allein in Kassel, war groß, somit hatten die Gründer schwere Anfangsjahre in der Textilbranche.

Deutschlandweite Aufmerksamkeit erzeugte die Firma, als sie 1895 das Festzelt für die Einweihung des Nord-Ostsee-Kanals fertigte. Auch Schiffssegeltuche, Markisenstoffe und Wagendecken wurden produziert. Das Unternehmen entwickelte sich bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. 1905 erfolgte die Übernahme der Firma Dieterici & Lebon in Eschenstruth und die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde das Unternehmen durch die Kasseler Industrie- und Handelskammer arisiert und als kriegswichtige Produktion dem Unternehmen Henschel angegliedert.

Mit der Weltwirtschaftskrise kam die Firma ins Straucheln. Viele der damals 660 Mitarbeiter wurden entlassen.

Im Jahr 1933 vergab der jüdische Firmengründer zwei Führungspositionen an Nationalsozialisten. Es kam dazu, dass jüdische Webereien boykottiert wurden. Nach Informationen des Kasseler Stadtmuseums bekam das Unternehmen daraufhin keine Aufträge mehr. So musste auch Gottschalk 1938 die Firma verlassen, die den Henschel-Werken angegliedert wurde.

Gotschalks Enkelin Leni Fenzel kehrte nach Kriegsende aus dem Exil zurück und baute die Fabrik, die im Krig beschädigt wurde, wieder auf. Es ging wieder aufwärts, inzwischen wurde sogar Sportbekleidung hergestellt.

Im Jahr 1990 übernahm die Mehler AG den Betrieb. Da jedoch die Textilproduktion in Deutschland zu teuer wurde, stellte man 1999 den Betrieb ein.

Heute steht auf dem damaligen Firmengelände ein Teil der Universität Kassel.

siehe auch

Weblinks und Quellen