Gottsbürener Orgelbau

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Hinweisschild zum "EcoPfad Gottsbüren"

Ein Hinweisschild zum Eco-Pfad Gottsbüren an der Wallfahrtskirche verweist auf die Gottsbürener Orgelbauer-Familien Kohlen, Heeren, Kuhlmann und Euler und deren Wirken vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Umzug der Orgelbaufirma Euler nach Hofgeismar im Jahre 1910.

In der ehemaligen Wallfahrtskirche in Gottsbüren befindet sich mit der Heeren-Euler - Orgel aus dem 18. Jahrhundert, ein Zeugnis des Gottsbürener Orgelbaus. Auf der Mitte des 18. Jahrhunderts errichteten Orgelempore fand die von Stephan Heeren um 1755 geschaffene Orgel ihren Platz, die im Jahre 2004 aufwändig restauriert wurde. Streng genommen handelt es sich um das Gehäuse einer Heeren-Orgel aus 1755, während die heutige Orgel der Gottsbürener Wallfahrtskirche von dem Königlichen Hof-Orgelbauer Conrad Euler in 1897/ 98 gebaut wurde.

Orgelbau in Gottsbüren

Besonders der Name Euler steht für die lange Tradition einer Orgelbauerfamilie, die Hans Römhild bereits in einem Beitrag für die „Hessische Heimat“ von 1967 als „Deutschlands ältestes Orgelbau-Unternehmen“ bezeichnete. Möglicherweise trug die Holzqualität der Eichen aus dem Reinhardswald dazu bei, dass über Jahrhunderte hinweg in Gottsbüren Orgelbau betrieben wurde.

Heeren-Euler-Orgel in Gottsbüren

Begründet wurde die Orgelbautradition in Gottsbüren von Joachim Kohlen, der hier im Jahre 1598 geboren wurde.

Ihm folgte sein Sohn David Kohlen, dessen Tochter Anna den Orgelmacher Christoph Heeren heiratete, der nach Gottsbüren zuzogen war.

Ihr Enkel war Stephan Heeren (1729 - 1804), ein hervorragender Praktiker und Theoretiker des Orgelbaus im 18. Jahrhundert.

Im Jahr 1733 wurde in Gottsbüren unweit der Kirche und in der Nähe des "Schöneberger Hofs" das Haus dieses Orgelbauers erbaut, das bis heute erhalten ist (Deiseler Weg 8).

Etliche seiner Orgeln sind bis heute erhalten, neben der Orgel in Gottsbüren beispielsweise die aus 1042 Pfeifen bestehende Orgel der evangelischen Kirche in Obervellmar aus dem Jahre 1773, die noch heute für die musikalische Umrahmung der Gottesdienste sorgt, die Orgel in der evangelischen Kirche in Veckerhagen oder die Orgel der Christophoruskirche in Wahmbeck aus dem Jahre 1787.

Ein Bildnis von 1790 zeigt Stephan Heeren in hessischer Hoftracht. Als Hoforgelbauer erhielt er von Landgraf Friedrich II. den Auftrag, 1774 die Orgel für die katholische Elisabethkirche in Kassel zu bauen.

Orgelempore der Kirche in Obervellmar

Da sein Sohn Friedrich David Heeren nicht den Beruf des Orgelbauers ergriff, übernahm zunächst sein Sohn Johann Christoph Heeren (* 3. April 1775 in Gottsbüren) die Firma.

Später wechselte der Name des Familienunternehmen dann durch die Heirat von Tochter Anna Elisabeth Heeren und Johann Friedrich Euler im Jahre 1784 erneut. Nach dem Tod Johann Friedrich Eulers heiratete der aus Hannover stammende Orgelbauer Johann Dietrich Kuhlmann (1775 - 1846) dessen Witwe Anna Elisabeth Euler, geb. Heeren und zusammen mit Stephan Heeren wurde die Firma zunächst als Heeren et Kuhlmann weitergeführt, später dann - um 1815 unter Balthasar Conrad Euler (1791-1874) und Johann Dietrich Kuhlmann - unter dem Namen Euler & Kuhlmann. Im Jahre 1840 entstand unter Kuhlmann die Orgelbauwerkstatt in Gottsbüren, Am Berg 1.

Neben Stephan Heeren legte auch Johann Friedrich Euler den Grundstein für den Ruf der später weit über den Ort hinaus bekannten Orgelbaufirma Euler.

Sein Sohn Balthasar Conrad Euler (* 19. Juli 1791 in Gottsbüren; † 11. März 1874 in Gottsbüren) war auch Bürgermeister von Gottsbüren. Von Balthasar Conrad Euler stammt beispielweise die Orgel in der Deiseler Dorfkirche aus dem Jahre 1830.

Nach dem Tod Kuhlmanns war Balthasar Conrad Euler alleiniger Inhaber der Orgelbaufirma, der im September 1854 die Geschäftsführung auf seinen Sohn Friedrich Wilhelm Euler (1827-1893) übertrug. Von 1859 bis 1910 war ein Haus am ursprünglichen Hof der Edelherren von Schöneberg und am späteren Klosterhof des Klosters Lippoldsberg ("Am Schönerberger Hof") der Sitz der "Orgelbauwerkstatt Euler".

Im Jahre 1878 wurde den Gebrüdern Friedrich Wilhelm Euler und Heinrich Euler (1837-1906) der Titel „Königliche Hof-Orgelbauer“ in Berlin zuerkannt. Auch Nachfolger Conrad Euler, der das Unternehmen 1893 übernahm, trug diesen Titel.

Unter seiner Leitung vollzog sich dann der Umzug des Betriebs von Gottsbüren nach Hofgeismar. Nachfolgende Vertreter der Orgelbauerfamilie waren hier Friedrich Euler und Friedemann Euler.

Literatur

Wallfahrtskirche Gottsbüren – Orgelempore vor der Restaurierung der Kirche
  • Artikel auf www.bistum-fulda.de
  • Festschrift zur Wiedereinweihung der Conrad Euler Orgel in Elze, 2009
  • Gottsbürener Blätter, Heft 1, 3. verbesserte Auflage 2000 (darin u. a. Karl Wörner: Orgelbau in Gottsbüren, Herbert Brügge: Otto Ritter, ein Orgelbauer in Gottsbüren und Klaus Wellner: Kleine Orgelgeschichte)
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011
  • Dieter Großmann, Orgeln und Orgelbauer in Hessen, 2. Auflage, Marburg 1998 (Beiträge zur hessischen Geschichte 12)
  • Hans Römhild: Deutschlands ältestes Orgelbau-Unternehmen, in: Hessische Heimat 17, Nr. 4, 1967, S. 110 – 116

siehe auch

Spuren in Gottsbüren

Das Haus von Joh. Stephan Heeren, Deiseler Weg 8 in Gottsbüren (siehe Inschrift links über dem Tor).

Ein Hinweisschild zum Eco-Pfad Gottsbüren an der Wallfahrtskirche verweist auf die Gottsbürener Orgelbauer-Familien Kohlen, Heeren, Kuhlmann und Euler und deren Wirken vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Umzug der Orgelbaufirma Euler nach Hofgeismar im Jahre 1910.

Einige Häuser der Orgelbauer-Familien sind bis heute im Ortsbild vorhanden.

So steht unweit der Kirche und in der Nähe des "Schöneberger Hofs" das Haus des Orgelbauers Johann Stephan Heeren (siehe Inschrift links über dem Tor), das bis heute erhalten ist (Deiseler Weg 8).

Ebenso erhalten geblieben ist das Haus des Orgelbauers Joh. Heeren am Schusterweg 1, das 1741 erbaut wurde.

Gut hundert Jahre später - von 1859 bis 1910 - war dann ein Haus am ursprünglichen Hof der Edelherren von Schöneberg und am späteren Klosterhof des Klosters Lippoldsberg ("Am Schöneberger Hof") der Sitz der "Orgelbauwerkstatt Euler".

Weiterhin befand sich eine Orgelbauwerkstatt im Haus "Am Berg 1" (erbaut um 1840 durch den Orgelbauer Johann Dietrich Kuhlmann); später wurde das Haus als Schule (1892 - 1936) und als Bürgermeisteramt (1936 - 1972) genutzt.

Übersicht der Gottsbürener Orgelbauer

(eine Auswahl) [1]

Gottsbüren - am Schöneberger Hof
  • Joachim Kohlen (* 1598 in Gottsbüren; † 1676) begründete die Orgelbautradition in Gottsbüren.
  • Sein Sohn war der Orgelbauer David Kohlen (*1640; † 1737).
  • David Kohlen hatte drei Söhne, darunter Stephan Kohlen (1687–1758).
  • Die Tochter von David Kohlen, Anna Kohlen heiratete den Orgelbauer Christoph Heeren, der nach Gottsbüren zugezogen war. Ihr Sohn war Johann Stephan Heeren.
  • Johann Stephan Heeren, getauft am 26. Juni 1729 in Gottsbüren † 10. Juni 1804 in Höxter, war der bedeutendste Vertreter der Gottsbürener Orgelbauerdynastie und ein hervorragender Praktiker und Theoretiker des Orgelbaus im 18. Jahrhundert. Etliche seiner Orgeln sind bis heute erhalten, in der Region neben der Orgel in Gottsbüren beispielsweise die aus 1042 Pfeifen bestehende Orgel der evangelischen Kirche in Obervellmar aus dem Jahre 1773 oder die Orgel der Christophoruskirche in Wahmbeck aus dem Jahre 1787. Eine Werkliste von Joh. Stephan Heeren findet sich auf wikipedia.org.
  • Da der älteste Sohn von Johann Stephan Heeren, Friedrich David Heeren nicht den Beruf des Orgelbauers ergriff, übernahm zunächst sein Sohn Johann Christoph Heeren (* 3. April 1775 in Gottsbüren; † ?) die Firma. Die Tochter von Joh.Stephan Heeren, Anna Elisabeth Heeren heiratete dann im Jahre 1784 den Orgelbauer Johann Friedrich Euler.
  • Johann Friedrich Euler (* 16. April 1759 in Frischborn; † 18. Juni 1795 in Gottsbüren) legte neben Johann Stephan Heeren ebenfalls den Grundstein für den Ruf der später weit über den Ort hinaus bekannten Orgelbaufirma. Nach seinem frühen Tod heiratete seine Witwe Anna Elisabeth Euler, geb. Heeren dann den aus Hannover stammenden Orgelbauer Johann Dietrich Kuhlmann.
  • Johann Dietrich Kuhlmann (* um 1775; † 1846) wirkte zunächst als Mitarbeiter der Firma, später als Schwiegersohn und Nachfolger von Johann Stephan Heeren ebenfalls als Orgelbauer in Gottsbüren. Kuhlmann übernahm 1804 die Werkstatt, die dann unter dem Namen „Heeren et Kuhlmann“ firmierte. Im Jahre 1840 entstand unter Kuhlmann die Orgelbauwerkstatt in Gottsbüren, Am Berg 1. Sein Sohn war Georg Carl Kuhlmann (* 1805; † 1868), der ebenfalls als Orgelbauer in Gottsbüren tätig war und eine eigene Werkstatt unterhielt.
  • Balthasar Conrad Euler (* 19. Juli 1791 in Gottsbüren; † 11. März 1874) war ein Sohn von Johann Friedrich Euler und in späteren Jahren auch Bürgermeister von Gottsbüren. Nach seinem Eintritt in die Firma im Jahre 1815 wurde diese in „Euler und Kuhlmann“ umbenannt. Nach dem Tod von Johann Dietrich Kuhlmann war Balthasar Conrad Euler alleiniger Inhaber der Firma. Nach anderer Darstellung trennte er sich schon früher von Kuhlmann. Von Balthasar Conrad Euler stammt beispielweise die Orgel in der Deiseler Dorfkirche aus dem Jahre 1830. Eine umfangreiche Werkliste findet sich auf wikipedia.org.
  • Friedrich Wilhelm Euler (* 7. September 1827 in Gottsbüren; † 21. Januar 1893 in Gottsbüren) übernahm im September 1854 den Betrieb von seinem Vater zusammen mit seinem Bruder Heinrich Euler (* 5. Januar 1837 in Gottsbüren; † 16. September 1906). Unter dem Namen „Gebr. Euler“ führten sie die Werkstatt zu neuer Blüte. Von 1859 bis 1910 war ein Haus am ursprünglichen Hof der Edelherren von Schöneberg und am späteren Klosterhof des Klosters Lippoldsberg ("Am Schönerberger Hof" in Gottsbüren) der Sitz der "Orgelbauwerkstatt Euler". Im Jahre 1878 wurde den Gebrüdern Friedrich Wilhelm Euler und Heinrich Euler der Titel „Königliche Hof-Orgelbauer“ in Berlin zuerkannt.
  • Conrad Friedrich Carl Euler übernahm das Unternehmen im Jahre 1893 von seinem Vater Friedrich Wilhelm Euler und trug ebenfalls den Titel „Königlicher Hof-Orgelbauer“. Unter seiner Leitung wurde der Umzug des Betriebs von Gottsbüren nach Hofgeismar vollzogen. Nachfolgende Vertreter der Orgelbauerfamilie waren hier ab 1935 sein Sohn Friedrich Wilhelm Heinrich (* 1905; † ?) und darauf sein Enkel Friedemann Euler (* 1939). Die Werkstatt in Hofgeismar wurde im Jahr 1995 von der Meisterwerkstatt für Orgelbau Elmar Krawinkel & Sohn übernommen, deren Betriebsräume im Jahr 2000 nach Trendelburg - Deisel verlegt wurden.

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. siehe dazu: Westfälische und in Westfalen tätige Orgelbauer auf www.orgel-owl.de

Weblinks