Gottsbüren
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Gottsbüren mit etwa 900 Einwohnern ist ein Stadtteil der Kleinstadt Trendelburg im Landkreis Kassel in Nordhessen.
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Geografie
Das Dorf Gottsbüren liegt nahe von Langenberg und Hahneberg im Reinhardswald.
Die Landstraße von Hofgeismar nach Gieselwerder führt durch den Ort, in der Ortsmitte zweigt die Straße zur nahen Sababurg ab.
Der mittelalterliche Klosterhof lag vermutlich im Bereich der Kirche und dem angrenzenden Areal oberhalb des Fuldebachs. Der durch den Ort verlaufende Fuldebach mündet in die Holzape.
Geschichte
Der Ort lag im Mittelalter an der "Königsstraße", einer alten Handelsstrasse, die von der Fulda im Süden, über Grebenstein, Hombressen und Gottsbüren zur Weser führte und wurde schon im 9. Jahrhundert als Buria urkundlich erwähnt.
"Tradidit Folcmer in pago Hessi in Villa nuncupante Buria mansum I et hominem latum cum uxore et filiis. Testes: Hoger comes, Anulo, Ragenhardus, Alwardus et alii IX", heißt es in der Schenkungsnotiz des Klosters Corvey, die in die frühe Amtszeit des Abtes Warinus (826 - 856) fällt. Die Schenkung bestand also in einem Hof nebst Leibeigenen mit ihren Familien.
Im 9. Jahrhundert taucht der Name "Buria" auf, 1020 "Gunnesburin", 1089 "Gundesburen", 1272 "Hundesburen" und nach 1330, in der Wallfahrtszeit, dann "Godesburen".
Der urspünglich zur Grafschaft des Grafen Ludwig von Dassel gehörende Ort kam im Jahre 1272 zum Erzbistum Mainz und wurde weitere 60 Jahre später dem Kloster Lippoldsberg übertragen. Der ursprüngliche Hof der "Schönerberger Dynastie" - woran heute die Straßenbezeichnung "Am Schöneberger Hof" erinnert - war ab 1328 der Klosterhof (Filialkloster) des Lippoldsberger Klosters.
Nach dem Lippoldsberger Güteverzeichnis aus dem 14. Jahrhundert umfasste Gottsbüren nur 18 Hufe (ca. 180 ha), die mit dem "Zehnten" tributpflichtig waren. Erst als in Gottsbüren die Wallfahrt einsetzte, blühte der Ort auf.
Geschichtliche Quellen belegen auch, dass im Reinhardswald bereits im Mittelalter das Töpferhandwerk verbreitet war. Neben den Kannegießern und den Schüsslern, die ihre Gefäße aus Zinn bzw. Holz fertigten, stellten die Töpfer ihre Tongefäße her.
In der Gemarkung von Gottsbüren erinnert die Flurbezeichnung "Große Beckerseite" auf einem Höhenzug zwischen dem Donnebach und dem Fuldebach an die Töpfereien aus dem 12. und 13. Jahrhundert und die Wirkungsstätte der "Tonbecker".
Bekannt wurde der Ort im Reinhardswald im 14. Jahrundert aber durch das "Wunder von Gottsbüren". Angeblich wurde der Leichnam Christi in den Wäldern um Gottsbüren gefunden und in der Kirche aufgebahrt, nach anderer Darstellung wurde eine geweihte Blut-Hostie aufgefunden.
Jedenfalls wurden bis zum Jahre 1399 Wallfahrten nach Gottsbüren durchgeführt, nachdem Erzbischof Balduin von Trier schon 1331 die kirchliche Erlaubnis erteilt hatte. Die wirtschaftliche Situation des Ortes hat sich durch die Wallfahrten und die Spenden der gläubigen Pilger deutlich verbessert.
Nachdem die vom Kloster Lippoldsberg organisierten Wallfahrten einsetzen, wurde auch mit dem Bau der bis heute erhaltenen Wallfahrtskirche begonnen.
Die in den Jahren 1330/ 31 erbaute Wallfahrtskirche, die im 14. Jahrhundert zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert wurde, prägt bis heute das Ortsbild von Gottsbüren.
Die zunächst vorhandene kleine Dorfkirche konnte die Wallfahrer schon bald nicht mehr fassen, so dass auch mit deren Spenden eine grosse Wallfahrtskirche gebaut wurde.
Dem Schutz der Wallfahrer diente die schon 1334 ganz in der Nähe errichtete Zapfenburg (Sababurg).
Nach dem Ende der Herrschaft des Erzbistums Mainz im nördlichen Hessen kam das Dorf im Reinhardswald im Jahre 1462 zur Landgrafschaft Hessen und wurde dem Amt Sababurg zugeordnet.
Besonders die Land- und Forstwirtschaft prägte das wirtschaftliche Leben des Dorfs im Reinhardswald, aber auch die Holzverarbeitung, die Töpferei und der Orgelbau.
Die ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser stammen aus dem Anfang und der Mitte des 17. Jahrhunderts.
Bis heute prägen beispielsweise das Ortsbild nahe der Wallfahrtskirche ("Am Kirchhof") drei sehenswerte, dreigeschossige Fachwerkhäuser, im Osten das älteste erhaltene Fachwerkhaus aus dem frühen 17. Jahrhundert, im Süden das ehemalige Haus eines Oberförsters aus der Mitte des 17. Jahrhunderts und im Westen das Haus eines Schweizers am Vorwerk des Gestüts Sababurg aus dem frühen 18. Jahrhundert.
In der ehemaligen Wallfahrtskirche befindet sich seit dem Jahre 1775 mit der "Heeren–Euler Orgel" ein Zeugnis des Gottsbürener Orgelbaus.
Die Gottsbürener Orgelbautradition wurde von Joachim Kohlen begründet, der im Jahre 1598 am Ort geboren wurde. Ihm folgte sein Sohn David Kohlen, dessen Tochter Anna den Orgelmacher Christoph Heeren heiratete, der nach Gottsbüren zuzogen war.
Besonders ihr Enkel Stephan Heeren (1729 - 1804) war ein hervorragender Praktiker und Theoretiker des Orgelbaus im 18. Jahrhundert. Im Jahr 1733 entstand unweit der Kirche und in der Nähe des "Schöneberger Hofs" das Haus dieses Orgelbauers, das bis heute erhalten ist (Deiseler Weg 8).
Gut hundert Jahre später - von 1859 bis 1910 - war dann ein Haus am ursprünglichen Hof der Edelherren von Schöneberg und am späteren Klosterhof des Klosters Lippoldsberg ("Am Schöneberger Hof") der Sitz der "Orgelbauwerkstatt Euler".
Ein Hinweisschild zum Eco-Pfad Gottsbüren an der Wallfahrtskirche verweist auf die Gottsbürener Orgelbauer-Familien Kohlen, Heeren, Kuhlmann und Euler und deren Wirken vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Umzug der Orgelbaufirma Euler nach Hofgeismar im Jahre 1910.
Bis zum Jahr 1970 war Gottsbüren eine selbständige Landgemeinde im ehemaligen Kreis Hofgeismar.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich zu Beginn der 1970-er Jahre sieben bis dahin selbständige Gemeinden der Stadt Trendelburg an, darunter Gottsbüren.
siehe auch:
Gottsbürener Sehenswürdigkeiten
Die historische Wallfahrtskirche
Im Ort steht die 1330/ 31 erbaute Wallfahrtskirche, die im 14. Jahrhundert zu der heutigen dreischiffigen Hallenkirche erweitert wurde.
Die zunächst vorhandene kleine Dorfkirche konnte die Wallfahrer bald nicht mehr fassen, so dass auch mit deren Spenden eine grosse Wallfahrtskirche gebaut wurde. Dem Schutz der Wallfahrer diente die schon 1334 ganz in der Nähe errichtete Zapfenburg (Sababurg).
Durch das nur kurze Langhaus der Kirche entfaltet diese auf den Besucher eine besondere Raumwirkung. Im Jahre 1961 wurden in den Seitenschiffen Wandmalereien freigelegt.
Im März 2010 entging die Wallfahrtskirche in Gottsbüren nur knapp einer Katastrophe. Ein stundenlang unbemerkter Schwelbrand in der Elektroinstallation verursachte einen hohen Sachschaden. Es dauerte bis zum Mai 2011 bis sich die ehemalige Wallfahrtskirche wieder frei von Ruß und frisch gestrichen präsentierte.
Gottsbürener Orgelbau
Ein Hinweisschild zum Eco-Pfad Gottsbüren an der Wallfahrtskirche verweist auf die Gottsbürener Orgelbauer-Familien Kohlen, Heeren, Kuhlmann und Euler und deren Wirken vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Umzug der Orgelbaufirma Euler nach Hofgeismar im Jahre 1910.
Einige Häuser der Orgelbauer-Familien sind bis heute im Ortsbild vorhanden. So entstand im Jahr 1733 unweit der Kirche und in der Nähe des "Schöneberger Hofs" das Haus des Orgelbauers Johann Stephan Heeren, das bis heute erhalten ist (Deiseler Weg 8). Ebenso erhalten ist das Haus des Orgelbauers Joh. Heeren (Schusterweg 1), das 1741 erbaut wurde.
Gut hundert Jahre später - von 1859 bis 1910 - war dann ein Haus am ursprünglichen Hof der Edelherren von Schöneberg und am späteren Klosterhof des Klosters Lippoldsberg ("Am Schöneberger Hof") der Sitz der "Orgelbauwerkstatt Euler". Zuvor befand sich eine Orgelbauwerkstatt im Haus "Am Berg 1" (erbaut um 1840 durch den Orgelbauer Johann Dietrich Kuhlmann); später wurde das Haus als Schule (1892 - 1936) und als Bürgermeisteramt (1936 - 1972) genutzt.
Heimatstube Gottsbüren
Die Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren präsentiert historische Gegenstände aus Alltag und Handwerk im ersten Stock des Dorfgemeinschaftshauses.
Historische Pilgerwege
Von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren wurden historische Pilgerwege in der Umgebung des Orts als Rundwanderwege angelegt und diese "Eco-Pfade" mit Hinweistafeln zu geschichtlichen Ereignissen ausgestattet.
Ein Hinweisschild zum Eco-Pfad Gottsbüren an der Wallfahrtskirche verweist auch auf die Gottsbürener Orgelbauer-Familien Kohlen, Heeren, Kuhlmann und Euler und deren Wirken vom frühen 17. Jahrhundert bis zum Umzug der Orgelbaufirma Euler nach Hofgeismar im Jahre 1910.
Literatur
Literatur zur Geschichte von Gottsbüren
- A. Schreiber, Die Sage von der Auffindung des heiligen Leichnams Christi bei Gottbüren und die Entstehung des Wallfahrtsortes, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1959, S. 76 ff.
- J. Lips u.a., EcoPfad - Pilgerwege zum Wallfahrtsort Gottsbüren, herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Heimatgeschichte Gottsbüren e. V., 2006
- Heinrich Keim, "Das Wunder vom Reinhardswald" - ein wirkliches Wunder ?, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2002, S. 60 ff.
Unterhaltungsliteratur mit Bezug zu Gottsbüren
- Hermann Multhaupt, Das Wunder vom Reinhardswald, Ein Roman aus dem Mittelalter, MuNe Verlag Paderborn, ISBN 978-3-933425-52-2
- Dr. Joachim Reitz: Der Leichnam in der Mordkammer, Verlag Pro Business, ISBN 978-3-86805-209-1
Wanderführer
- Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011
siehe auch
- Eco-Pfad Gottsbüren
- Gottsbürener Brauchtumsfest
- Gottsbürener Orgelbau
- Holzape
- Hahneberg
- Kloster und Stift Gottsbüren
- Langenberg
- Reinhardswald
- Töpferhandwerk im Reinhardswald
- Wallfahrtskirche Gottsbüren
Vereine
- AG Heimatgeschichte Gottsbüren e.V. | Link
- Angelsportverein Gottsbüren
- HSG Reinhardswald | Link
- Musik-und Kulturverein Gottsbüren
- Schützengesellschaft Gottsbüren von 1618 | Link
- TSV Hassia 1904 Gottsbüren e.V. | Link
- VdK Gottsbüren: die Feier zum 60-jährigen Bestehen des Sozialverbandes, dem rund 100 Mitglieder angehören, fand im Jahre 2008 in der alten Schule statt.
Wandern
Alte Pilgerwege
Alte Pilgerwege wurden rund um Gottsbüren als Rundwanderwege gekennzeichnet und mit Hinweistafeln ausgestattet:
- Helmarshäuser Weg: in Richtung Helmarshausen und über den St. Annen - Pfad oder das Holzapetal zurück nach Gottsbüren;
- Nonnenweg (Königstrasse): Weg der Nonnen aus dem Kloster Lippoldsberg zu ihrem Filialkloster in Gottsbüren;
- Werderscher Weg: in Richtung Gieselwerder und Oedelsheim und zurück;
- Sababurger Weg: über die Sababurg und das Donnebachtal;
- Hofgeismarer Weg: entlang des alten Fußwegs nach Hofgeismar;
- Jakobsweg: entlang eines alten Pilgerwegs aus Richtung Westen (Trendelburg, Holzapetal und Wülmersen).
Weserberglandweg
Wasser bergauf
An der Strasse nach Gieselwerder beschreibt ein Gedicht den vermeintlich wundersamen Anblick eines Wasserlaufs im Reinhardswald:
Beim Wandern durch den Reinhardswald
macht man an einem Bächlein halt.
Ein Wunder nimmt hier seinen Lauf,
es fließt tatsächlich das "Wasser bergauf ...".
Tatsächlich fließt der kleine Bach hier nur scheinbar bergauf und das Phänomen beruht auf einer sehenswerten optischen Täuschung.
Weblinks
- Gottsbüren (www.gottsbueren.de)
- Trendelburg
- Website der Ev. Kirchengemeinde mit Fotos von Kirche und Ort
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