Goethe in Kassel

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Johann Wolfgang von Goethe in einer Ölgemälde-Darstellung von Joseph Stieler und Friedrich Dürck aus dem Besitz der Stiftung Weimarer Klassik (Archivfoto).

Über seine Ankunft 1792 in Kassel, auf der Rückreise nach seiner Teilnahme an der Campagne in Frankreich, schrieb Goethe:

„... Wie düster aber auch in der letzten und schwärzesten aller Nächte meine Gedanken mochten gewesen sein, so wurden sie auf einmal wieder aufgehellt, als ich in das mit hundert und aberhundert Lampen erleuchtete Cassel hineinfuhr. Bei diesem Anblick entwickelten sich vor meiner Seele alle Vortheile eines bürgerlich städtischen Zusammenseins, die Wohlhäbigkeit eines jeden Einzelnen in seiner von innen erleuchteten Wohnung, und die behaglichen Anstalten zur Aufnahme der Fremden. Diese Heiterkeit jedoch ward mir für einige Zeit gestört, als ich auf dem prächtigen tageshellen Königsplatze an dem wohlbekannten Gasthofe anfuhr; der anmeldende Diener kehrte zurück mit der Erklärung: es sei kein Platz zu finden. Als ich nicht weichen wollte, trat ein Kellner sehr höflich an den Schlag [der Postkutsche] und bat in schönen französischen Phrasen um Entschuldigung, da es nicht möglich sei, mich aufzunehmen. Ich erwiderte darauf in gutem Deutsch: wie ich mich wundern müsse, daß in einem so großen Gebäude, dessen Raum ich gar wohl kenne, einem Fremden in der Nacht die Aufnahme verweigert werden wolle. Sie sind ein Deutscher, rief er aus, das ist ein anderes! und sogleich ließ er den Postillon in das Hoftor hineinfahren. ...“

Tatsächlich erschütterte zu jener Zeit die Französische Revolution Europa. Und die helle Beleuchtung der Kasseler Straßen und Plätze war ein Verdienst Landgraf Friedrichs II., der Straßenlaternen an allen neu angelegten Verkehrsflächen und schrittweise auch an den älteren Straßen und Gassen aufstellen ließ.


"15.9.: Auf Weißenstein, den Winterkasten erstiegen, die übrigen Anlagen besehen, Abends zurück", vermerkte Goethe bereits über seinen ersten Aufenthalt in Kassel im Jahre 1779.

Anmerkung: Das Jagdschloss Weißenstein stand von 1606 bis 1798 an der Stelle des heutigen Schlosses Wilhelmshöhe.

siehe auch

Wussten Sie schon ...

... dass Johann Wolfgang von Goethe auf seinen Reisen am 16. September 1779 zu Pferd von Wabern nach Jesberg geritten ist und auch dort übernachtete?

Lothar Klitsch, Geschichtsverein Jesberg