Glashütte Süßmuth

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Immenhausen-Glasmuseum.JPG

Firmengründer Richard Süßmuth, Jahrgang 1900, war bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Schlesien in der Glasfabrikation tätig. Nach dem Krieg kam er als Vertriebener nach Immenhausen im ehemaligen Kreis Hofgeismar und baute dort die gleichnamige Glashütte auf. Zu den Markenzeichen der Glashütte gehörten auch die ansprechenden, mundgeblasenen Süßmuth-Gläser.

Die Glashütte Süßmuth war allerdings keineswegs die erste Glashütte in Immenhausen. Schon im 19. Jahrhundert und nach dem Anschluss des Orts an das Eisenbahnnetz wurde hier der erste Betrieb errichtet. Rudolph von Buttlar erkannte damals den Standortvorteil und gründete seinerzeit die von Buttlarsche Glashütte. Mit der Eisenbahn kamen die Rohstoffe für die Glasherstellung an und die fertigen Waren wurden auf dem gleichen Weg zur Kundschaft in die ganze Welt gesandt.

Aus der Firmengeschichte

Zunächst wurde der bereits 1809 begründete Betrieb derer von Buttlar aus Ziegenhagen im Jahre 1898 nach Immenhausen verlegt, bevor Hermann Lamprecht die Glashütte im Jahre 1907 übernahm und diese bis zum Ende der 1920-er Jahre fortführte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm Richard Süßmuth die kriegszerstörte Produktionsstätte.

Noch vor seinem Tod im Jahre 1974 wandelte Süßmuth die Glashütte im Jahre 1970 in eine Mitarbeitergesellschaft um. Ab dem Jahre 1989 führten dann Hamburger Kaufleute die Glashütte Süßmuth KG bis zu deren Stilllegung im Jahre 1996.


Richard Süßmuth war als Glasschleifer und Hüttenherr nicht nur der Namensgeber der letzten Glashütte in Immenhausen. Bis auf wenige Ausnahmen hat er auch alle Produkte, die in Immenhausen hergestellt wurden, selbst entworfen. Nach der Übernahme der Hütte durch die Belegschaft im März 1970 wurden zunächst die erfolgreichen Süßmuth-Entwürfe weiter produziert. Um aber auf dem Markt dauerhaft bestehen zu können, war eine weitere Zusammenarbeit mit anderen Designern notwendig. Neben Hans Theo Baumann wurden die Dänen Jørgen Kastholm und Christel & Christer Holmgren als Entwerfer verpflichtet. Es entstand eine Reihe von Glasserien, die sich durch eine eher rustikale Form, verbunden mit nordischer Schlichtheit, von der Süßmuth-Kollektion absetzten, aber durchaus noch ins Programm passten. Auch Norbert Prangenberg entwarf in den 70er und 80er Jahren zahlreiche, zum Teil sehr erfolgreiche Glasserien. Seine Formen waren, angepasst an den Zeitgeschmack, etwas weniger streng. [1]

Arbeiten der Glashütte

Neben den mundgeblasenen Süßmuth-Gläsern oder verschiedensten Kunstwerken aus Glas erinnern in der Kirche St. Clemens Maria Immenhausen die Fenster an der Westseite (sog. Engelfenster) an die ehemalige Immenhäuser Glashütte.

Auch ein Glasfenster in einem Seitenschiff der evangelischen Stadtkirche wurde 1956 von Richard Süßmuth neu gestaltet.

Bereits Anfang der 1950-er Jahre stellte die Glashütte die während des Zweiten Weltkriegs bei Bombenangriffen auf Kassel zerstörten Fenster der Löwenburg wieder her. Die Darstellungen in unterschiedlichen Stilformen stammen aus dem 13., dem 15. und dem 16. Jahrhundert. Insgesamt sieben Maßwerkfenster und ein Rundfenster aus den Kirchen in Hersfeld, Immenhausen und Obernkirchen (Schaumburg) fanden beim Bau der Burgkapelle der Löwenburg Ende des 18./ Anfang des 19. Jahrhunderts unter Wilhelm IX. einen neuen Bestimmungsort.

Die Fenster zeigen Darstellungen der „Legende der heiligen Radegunde“ und anderer Heiligen, Szenen aus der Leidensgeschichte und den Stammbaum Christis sowie Wappenfenster mit dem Mainzer Rad und dem Waldecker Stern in früh- und spätgotischen Stilformen. Auch Stilelemente der Renaissance tauchen auf.


Artikel in HNA-online vom 13.11.2009

Die Produktion folgte der Bahn

Mängel in Anlagen und Technik sorgten nicht gerade für einen Traumstart - Konkurs nach neun Jahren

von Antje Thon

Alles begann mit der Bahn. Die Friedrich-Wilhelm-Nordbahn war Ende des 19. Jahrhunderts für Immenhausen so wichtig, wie Flughafen und Autobahnen für Industriestandorte heute. Schnell, günstig und bequem erreichten die Rohstoffe für die Glasherstellung Immenhausen. Und genauso komfortabel gingen die Waren zu Kunden in die ganze Welt. Ein Standortvorteil, der Rudolph von Buttlar überzeugte. Und so baute er im Jahr 1898 in Immenhausen eine Fabrik.

Das Datum markiert den Beginn der industriellen Produktion. Glashütten haben in der Region eine deutlich längere Tradition. In Kaufunger Wald, Bramwald und Reinhardswald hat es eine Fülle von Wanderhütten gegeben, sagt Dagmar Ruhlig, die heute das Glasmuseum in Immenhausen leitet.

Anfang des 19. Jahrhunderts hatten zwei Geschäftsleute die Vorteile der Sesshaftigkeit entdeckt und in Ziegenhagen, im Kaufunger Wald, eine erste feste Fabrik errichtet. Medizinisches Glas und Gebrauchsglas wurden dort mundgeblasen. Im Laufe des Jahrhunderts schlug die industrielle Entwicklung ein immer höheres Tempo an. Die Schmelzöfen mussten mit Kohle befeuert werden, Soda als ein Rohstoff wurde in großen Mengen benötigt und löste die Pottasche ab. Am Anschluss der Fabrik an das Eisenbahnnetz führte kein Weg mehr vorbei. Und so wurde der Betrieb in Immenhausen errichtet.

Ein Knochenjob
22 Facharbeiter nahmen zur Eröffnung die Arbeit auf. Die Arbeitsbedingungen waren hart, das Risiko von Arbeitsunfällen hoch. Die Glasmacher arbeiteten zwölf Stunden pro Tag. Während der kurzen Mittagspausen wurden die Männer von ihren Familien versorgt. In Immenhausen zählten die Arbeiter zu einer gut bezahlten Schicht. Ein Schleifermeister ging mit etwa 70 Goldmark nach Hause, Einträger (sie brachten das Rohmaterial vom Ofen in den Kühlofen) erhielten um die 55 Goldmark.

Der Start der Produktion in Immenhausen stand allerdings unter keinem guten Stern. Die Anlagen liefen nicht fehlerfrei. Immer wieder musste nachgebessert und die Arbeit eingestellt werden. Auch der Bau einer zweiten Hütte vermochte die wirtschaftlichen Probleme nicht zu lösen. Im Jahr 1907 musste für die Glashütte Konkurs angemeldet werden. Die Rettung und damit der Aufschwung in der Hütte kam in Gestalt von Hermann Lamprecht. Er kaufte die Fabrik für 53 000 Goldmark.

Kurzer Aufschwung mit den Tropfenzählern
Seine Erfindung war so genial wie einfach: Hermann Lamprecht hatte das Patent auf einen Tropfenzähler, der eine genaue Dosierung von Medikamenten ermöglichte. Das Produkt entwickelte sich zum Renner, wurde in Immenhausen hergestellt und weltweit vermarktet. Überhaupt waren medizinische Utensilien wie Augenspülgläser, Salbengläser und Arzneigläser ein wichtiges Standbein.

Ebenfalls gefragt waren Einkochgläser, die ab 1910 in der Hütte gefertigt wurden, sagt Dagmar Ruhlig. Die Gebrauchsgläser sorgten für schwarze Zahlen in den Büchern. Doch der Erfolg war von beschränkter Dauer.

Der Erste Weltkrieg bescherte dem Unternehmen, das nach dem Tod Lamprechts von Christian Zoerb geführt wurde, starke Umsatz-Einbußen. Ein Großteil des Geschäfts war auf Export ausgelegt und der Weltmarkt zusammengebrochen. Die Inflation 1923 und die Weltwirtschaftskrise 1929/30 forcierten den Niedergang und führten zur Schließung des Werkes.

Während des Zweiten Weltkrieges nutzte das Rüstungsunternehmen Fieseler in Kassel die Hallen als Material- und Ersatzteillager – mit schmerzlicher Konsequenz: Amerikaner bombardierten und zerstörten die Hütte 1944. (ant)

Ein Schliff für die Welt

Richard Süßmuth machte die Hütte zum florierenden Betrieb
Mit vornehmem Schick brachte Richard Süßmuth den Betrieb an den Markt zurück und in den 50er Jahren bis zu 500 Menschen in Lohn und Brot. Der aus Schlesien stammende Glasschleifer baute die Fabrik wieder auf und war in Deutschland der Erste, der wieder Glas herstellte.

Glasreste und Panzerprismen waren das Rohmaterial für Süßmuths erste Produkte – einfache Gebrauchsgläser für Menschen mit wenig Geld. Doch schon Ende der 40er Jahre verließen elegante Haushaltsgläser die Hütte, die den Geschmack einer ganze Generation trafen und ihren Preis hatten. Seinen größten Erfolg hatte der Unternehmer mit der hochgelobten AE-Serie. Die mit filigranem Strahlenschliff versehenen Gläser verkauften sich millionenfach. Bis in die 70er Jahre hinein füllte die weltweit gefragte Ware die Auftragsbücher.

Kreativität verblasste
Doch schon ein paar Jahre früher begann die Kreativität Süßmuths, der fast jeden der 5000 Artikel selbst entworfen hatte, zu verblassen. Den Produkten mangelte es an Ausstrahlung. Der Zeitgeist hatte sich von dünn- zu dickwandigem Glas verlagert. Für Krisenstimmung sorgte zudem die Konkurrenz, die zunehmend maschinell produzierte. Sie platzierte ihre Ware viel günstiger auf dem Markt, als das einer Manufaktur möglich war, in der jeder Artikel mundgeblasen und somit ein Unikat war.

1970 geriet die Hütte deutschlandweit in die Schlagzeilen: Um den drohenden Konkurs abzuwenden, hatten erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik die Mitarbeiter ihren Betrieb übernommen und verwalteten ihn selbst. Doch nicht jeder wollte die Erzeugnisse aus der "roten Hütte" ins Sortiment nehmen. Banken taten sich schwer bei der Vergabe von Krediten. Später wurde die Süßmuth-Mitarbeiter-Stiftung gegründet. Verschiedene Firmen kauften sich nach und nach in die Stiftung ein.

Letzte Eigentümer waren zwei Unternehmer aus Hamburg. 1990 übernahmen sie die Hütte, die damals Süßmuth-Glasmanufaktur hieß. Doch schon sechs Jahre später sollte das Feuer in den Öfen für immer erlöschen. Die Preise der Automatenproduktion in Tschechien und China waren unschlagbar. Für Handarbeit aus Immenhausen gab es keine Käufer mehr. (ant)


Wer Glas herstellen will, braucht viel Holz
Seit etwa 6000 Jahren stellen Menschen Glas her. Das zerbrechliche Material besteht aus Quarzsand (Kieselsäure) und Pflanzenasche (Pottasche) etwa von Eichen, Buchen und Fichten. Die Pottasche setzt den Schmelzpunkt herab. Kalk wird dem Gemisch als Stabilisator zugesetzt. In der Region wurde das so genannte Waldglas hergestellt und zwar vom Mittelalter bis hin zur Neuzeit.

Das Besondere an der traditionellen Glasproduktion war, dass die Waldhütten nie lange an einem Standort blieben. Waren die Bäume gerodet, die für die Befeuerung der Öfen und die Gewinnung der Asche benötigt wurden, zogen die Familien weiter. Zwischen vier Wochen und bis zu zwei Jahren verweilten sie an einem Standort.

Reinheit und Farbe des Glases waren von der Qualität des Sandes abhängig. Metallverbindungen im Sand, etwa Eisen, sorgten für eine grün-blaue Färbung. (ant)


Das Glasmuseum
Umfassend über die Geschichte der Glashütte Immenhausen informiert das Glasmuseum auf dem einstigen Hüttengelände, Bahnhofstraße 3.

Geöffnet hat es Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 17 Uhr und Freitag bis Sonntag von 13 bis 17 Uhr.

Kontakt: Leiterin Dagmar Ruhlig, 05673 - 2060, glasmuseum@immenhausen.de

Glasmuseum Immenhausen

Im umgebauten Generatorhaus wurde im Jahre 1987 durch die Stadt Immenhausen ein attraktives Glasmuseum geschaffen (Am Bahnhof 3, 34376 Immenhausen).

Neben einer Abteilung mit moderner Glaskunst wird hier auch die etwa 6000 Jahre alte Geschichte der Glasherstellung geschildert und an die Arbeits- und Lebensbedingungen der Glasmacher in den Waldglashütten der Region erinnert.

Besonderes Augenmerk gilt der Zeit der Immenhäuser Glasherstellung, die bereits im Jahre 1898 begann. In diesem Jahr entstand unmittelbar an der Eisenbahnstrecke eine Glashütte, deren Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg von Richard Süßmuth wieder aufgenommen wurde.

Immenhäuser Glaspreis

Unter dem Thema "GLAS 2009" steht der Wettbewerb zum "4. Immenhäuser Glaspreis" im Jahre 2009.

Dieser Wettbewerb zur zeitgenössischen Glaskunst in Deutschland ist verbunden mit einer Sonderausstellung im Glasmuseum Immenhausen vom 9. Mai bis 12. September 2009.

Teilweiser Abriss

Ein Artikel in HNA-online vom 22.11.2012 informierte über den Abriss von Teilen der 1996 stillgelegten Glashütte Süßmuth. Zunächst wurden von einem Abriss-Bagger das beschädigte Dach zwischen der ehemaligen Schmelzerei und Bläserei sowie der Schleiferei eingerissen. Daran schließt sich der Abriss des nicht mehr benötigten Kamins an. Weil eine Sprengung nicht möglich ist, wird der 27 Meter hohe Turm, der viele Jahrzehnte die westliche Ansicht der Immenhäuser Stadtkulisse prägte, von oben herab per Hand abgetragen. Was mit den denkmalgeschützten Produktionshallen geschieht, in denen sich die Schmelzöfen, die Glasbläserei und die Schleiferei befanden, ist dagegen noch offen. Die Gebäude hatten und haben unterschiedliche Besitzer und Nutzer, darunter Handwerker, Künstler und Händler.

Siehe auch

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Text aus dem Veranstaltungsprogramm 2014 des ECOMUSEUMs REINHARDSWALD - EIN MUSEUM WEITGEHEND IM FREIEN

Weblinks