Glas der Vernunft

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Das Glas der Vernunft

Das Glas der Vernunft ist ein Kasseler Bürgerpreis, der jährlich vergeben wird.

Geschichte

Unmittelbar nach der Wende und Grenzöffnung entschieden sich Kasseler Bürger, einen mit 20.000 Mark dotierten Preis zu stiften, der den besonderen Einsatz für die Ideale der Aufklärung und für die Toleranz gegenüber Andersdenkenden sowie für die Überwindung ideologischer Grenzen würdigen soll. Sie nannten den Preis "Das Glas der Vernunft".

Optik des Preises

Der Kasseler Künstler Prof. Karl Oskar Blase setzte diese Idee gestalterisch um. Er schuf ein Glasprisma, das in einem rechtwinklig gefalteten Oktogon aus Edelstahl steht. Das Glas symbolisiert die Zerbrechlichkeit (der Vernunft), das Prisma, das das Licht bricht, erinnert aber auch an die analytische Kraft der Aufklärung. 2004 wurde der Kasseler Bürgerpreis zum zehnten Mal im Umfeld des Tages der Deutschen Einheit vergeben.

Bisherige Preisträger

  • Mit Hans-Dietrich Genscher wurde 1991 einer der Architekten der deutschen Wiedervereinigung geehrt.
  • 1992 erhielt der Physiker Carl-Friedrich v. Weizsäcker als Vordenker der Wissenschaftsethik und der Friedenspolitik den Preis.
  • 1993 wurde der Musiker Lord Yehudi Menuhin für seine Verdienste um die Völkerverständigung ausgezeichnet.
  • 1994 erhielten die Norweger Terje Roed Larsen und Joergen Holst gemeinsam die Auszeichnung für ihren Einsatz im Nahost-Friedensprozess (zwischen Israel und der PLO).
  • 1995 wurde mit der Ehrung des ungarischen Außenministers Gyula Horn noch einmal an die Wende erinnert. Er hatte die massenhafte Ausreise von DDR-Flüchtlingen über Ungarn ermöglicht.
  • 1996 ging die Auszeichnung an Hans Koschnick für sein friedensstiftendes Wirken in Mostar (Ex-Jugoslawien).
  • 1997 wurde der Preis dem tschechischen Autor Pavel Kohout zuerkannt, der sich als Menschenrechtler profiliert hat und sich für die deutsch-tschechische Versöhnung einsetzt.
  • 1998 wurde mit Christiaan Barnard der Pionier der Herzverpflanzung gewürdigt.
  • 1999 ging der Preis an Lea Rabin, die in Israel das auf Versöhnung ausgerichtete Werk ihres ermordeten Mannes fortsetzt.
  • 2000 wurde das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude mit dem Preis ausgezeichnet.
  • 2001 erhielten Beate Langmaack, Heike Richter-Karst, Kai Wessel und das ZDF-Redaktionsteam gemeinsam die Auszeichnung für den Film "Mein Bruder, der Idiot".
  • 2002 ging der Preis an Kulturfunktionär Hilmar Hoffmann, der mit seinem Impuls "Kultur für alle" den Austausch von Kultur und Politik erweiterte.
  • 2003 waren Hans-Georg Raschbichler und Dieter Spethmann die Preisträger.
  • 2004 nahm Klaus von Dohnanyi, der sich für Zivilcourage, Toleranz, Meinungsfreiheit und Kritikfähigkeit in Deutschland einsetze, das Glas der Venunft entgegen.
  • 2005 ging der Preis an Harald Szeemann.
  • 2006 ging der Preis an Ayaan Hirsi Ali, weil sie sich "mutig und unerschrocken", so heißt es in der Begründung, für Menschenrechte und Selbstverantwortung einsetzt.
  • 2007 wurde die Union der Komitees der Soldatenmütter Russlands mit ihrer Generalsekretärin Valentina Melnikowa zur Preisträgerin gewählt.
  • 2008 ging der Preis an den Historiker und Politiker Wladyslaw Bartoszewski.
  • 2009 erhielt Politiker Joachim Gauck das Glas der Vernunft.
  • 2010 war der chinesische Künstler Ai Weiwei der Preisträger
  • 2011 ging der Preis an den britischen Choreografen Royston Maldoom. Der 68-Jährige wurde bekannt durch seine tanzpädagogische Arbeit mit Jugendlichen. Sein bekanntestes Projekt entstand in Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern und dem Dirigenten Sir Simon Rattle. Mit 250 Berliner Kindern erarbeitete er Strawinskys Ballett „Le sacre du printemps“. Der darüber gedrehte Kinofilm „Rhythm Is It!“ wurde ein großer Erfolg.
  • 2012: Die Inderin Vandana Shiva, eine Kämpferin gegen Agro-Industrie und für Menschenrechte, wird geehrt.[1]
  • 2013 erhielt Soziologe und Philosoph, Prof. Dr. mult. Jürgen Habermas, den Preis.
  • 2014 ging der Preis an den ungarischen Bürgerrechtler Ferenc Köszeg.

Weblinks und Quellen

  1. Aus HNA.de vom 21. März 2012: Indische Wissenschaftlerin erhält Kasseler Bürgerpreis