Giovanni Francesco Guerniero

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Den Vertrag über den Bau der beiden unteren Geschosse des Oktogons und der davor gelagerten Grotten schloss Landgraf Karl am 25. Oktober 1701 mit Giovanni Francesco Guerniero (1665 - 1745) ab. Guerniero erhielt 29000 Taler zur Bezahlung der Bauarbeiten. Obwohl er für jeden Bauabschnitt neu beauftragt wurde, hatte er von Anfang an die Gesamtanlage im Blick. Sie sollte vom Oktogon bis hin zu einem Schlossneubau eineinhalb Kilometer lang und bis zu 100 Meter breit werden. Doch der gigantische Plan blieb ein Traum. Die Oktogon-Kaskaden-Anlage musste sich mit einer Länge von 400 Metern begnügen.

Guerniero hatte, als er den Entwurf für das Oktogon zeichnete, im Sinn, dass die Balustrade von Statuen gekrönt würde. Als 1713 Landgraf Karl den Wunsch äußerte, der ganzen Anlage eine repräsentative Ausrichtung zu geben, entwickelte Guerniero mehrere Vorschläge. Eine seiner Zeichnungen zeigt zwei Pyramiden, die das Oktogon krönen. Die eine, so ist zu vermuten, hätte eine Herkules-Statue getragen, die andere vielleicht in Anlehnung an frühere Überlegungen eine Statue der Minerva. Zum Symmetriedenken des Barock hätte diese Doppelpyramide gepasst. Wahrscheinlich verwarf der Landgraf solche Überlegungen, weil er nun entschieden hatte, mithilfe der Herkules-Figur sich selbst als Kriegs- und Tugendhelden darzustellen.

Von der Kühnheit seines Entwurfs für das Oktogon und die Kaskaden muss Giovanni Francesco Guerniero überzeugt gewesen sein, denn schon 1705 ließ er seine Zeichnungen in Rom vervielfältigen. Damals gab es noch keine Idee von einer Pyramide und einem Herkules auf dem Oktogon. Das Titelblatt der Druckmappe zeigte das landgräfliche Wappen, das zwei antike Gestalten flankierten; Minerva, die Göttin der Weisheit und des Krieges, und Herkules, der unüberwindliche Tugendheld. Beide Figuren müssen der Landgraf und der Baumeister im Sinn gehabt haben, als sie ihr Bauwerk angingen. Pikant an der Darstellung ist, dass Herkules sein Löwenfell mit dem Kopf dem Wappen übergestülpt hat und so die hessischen Löwen im Wappen beschützt.

Mit 50 Jahren konnte sich der Erbauer des Oktogons und der Kaskaden in einem Haus in Rom zur Ruhe setzen, nachdem er 1715 Kassel fluchtartig verlassen hatte. Seinen Wohlstand verdankte Guerniero vor allem seinem Kasseler Bauwerk. Landgraf Karl hatte ihm ein fürstliches Honorar zugestanden: 3000 Taler jährlich, dazu 40 Taler für seine Wohnung, sieben Dukaten für das Essen sowie zwei Pferde, für die der Hof sorgte, und freie Jagd und Fischfang. Außerdem war es Guerniero gestattet, von Oktober bis Anfang April in seine italienische Heimat zu reisen.

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