Gewissenruh

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Waldenserkirche in Gewissenruh

Gewissenruh ist ein Dorf in Nordhessen und ein Ortsteil der Gemeinde Oberweser mit etwa 130 Einwohnern.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich zum 1. Februar 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Arenborn, Gewissenruh, Gieselwerder, Gottstreu und Oedelsheim zur neuen Gesamtgemeinde Oberweser zusammen. Am 1. August 1972 kam Heisebeck hinzu.

Weserabwärts liegt die Stadt Bad Karlshafen und weseraufwärts die Stadt Hann. Münden.

Geografie

Das Dorf liegt oberhalb der Weser am Reinhardswald und an der Deutschen Märchenstraße.

Gewissenruh ist der kleinste Ortsteil der Gemeinde Oberweser und liegt zwischen Gieselwerder und Bad Karlshafen an der B 80.

Geschichte

Aus der Ortsgeschichte

1722 wurde das „Franzosendorf“ Gewissenruh durch Landgraf Carl im Wesertal gegründet. Zwölf Waldenserfamilien, die ihre in den Kottischen Alpen gelegenen Heimatorte bereits 1698 um des evangelischen Glaubens willen hatten verlassen mussten, fanden hier Zuflucht. Der Raum Gewissenruh war jedoch bereits lange Zeit vor Ankunft der Waldenser besiedelt und vielfältig genutzt worden: Steinzeitlicher Rastplatz, vorchristliche Besiedlung mit Urnenfriedhof, zwei wüst gefallene früh- und hochmittelalterliche Dorfstellen, zwei frühneuzeitliche Glashüttenplätze.

Glocke an der Waldenserkirche
Gedenkstein in Gewissenruh
Gewissenruh - Ortsansicht

Im Jahre 1722 wurde der Ort dann von waldenser Glaubensflüchtlingen aus dem Piemont als eine von Landgraf Carl von Hessen-Kassel neu gegründete "Kolonie" angelegt, ebenso wie das nahegelegene Dorf Gottstreu.

Die Weser trennt das hessische Dorf von der niedersächsischen Ortschaft Wahmbeck - früher im Königreich Hannover. Noch bis 1854 war Zoll beim Grenzübertritt nach Kurhessen zu entrichten.

Auch das hessische Forsthaus diesseits der Weser trägt den Namen Wahmbeck, in früheren Jahren oft Wambeck geschrieben. Ein Forstsitz ist hier seit der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts belegt, nachdem an dieser Stelle zunächst eine Glashütte betrieben worden war.

Die Kirche in Gewissenruh

Obwohl die Waldensersiedlung bereits 1722 gegründet wurde, konnte erst im Jahre 1779 die Dorfkirche gebaut werden.

Zunächst war für die Gottesdienste der Waldensergemeinden in Gewissenruh und Gottstreu die Kirche in Gieselwerder vorgesehen, später wurde vorübergehend ein gemeinsamer Kirchbau in Gottstreu geplant.

Der kleine Saalkirchenbau in Gewissenruh wurde aus unverputztem Wesersandstein errichtet. Auf dem Dach befindet sich ein viereckiger Dachreiter mit Wetterfahne. Über dem Eingang der Kirche lautet die französischen Inschrift: "Certes leternel est en ce lieu et je n´an savoie rien" (Gewiß ist der Ewige an diesem Ort, und ich wusste es nicht. 1. Mose 28, 16).

Im Innern der Kirche befindet sich hinter dem Altartisch die erhöhte Kanzel. Erst im Jahre 1885 kam eine Orgel hinzu, die auf der Orgelempore über dem Eingangsbereich ihren Platz fand.

Noch bis zum Jahr 1825 feierte die Waldensergemeinde ihre Gottesdienste in französischer Sprache, die aber zunehmend weniger verstanden wurde. Danach wurde die Kirchengemeinde in Gewissenruh der Kirchengemeinde in Lippoldsberg als Filialgemeinde angeschlossen.

Dolles Dorf

Am 25.11.2010 während der "Hessenschau" im HR-Fernsehen ist Gewissenruh als „Dolles Dorf“ aus der Lostrommel gezogen worden. Einen Tag später war ein Kamerateam in dem 122 Einwohner zählenden Waldenserort - davon 25 Kinder im Alter bis zu 15 Jahren - unterwegs, um Eindrücke über den Ort und die Einheimischen zu sammeln

Literatur

  • Jochen Desel, Hugenottenkichen in Hessen-Kassel, Hofgeismar 1992, S. 96 ff.
  • Thomas Ende u.a., Waldenserdörfer Gottstreu und Gewissenruh 1722-1997, Oberweser 1997, 503 S.
  • Roland Henne, 100 Jahre Wagenfähre Wahmbeck, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2005, S. 27 ff.

Fähre

Seit 1905 verbindet eine Fähre das heute niedersächsische Dorf Wahmbeck mit dem nordhessischen Ort Gewissenruh.

Persönlichkeiten

Radwandern

Auf beiden Seiten der Weser verlaufen heute gut ausgebaute Radwege.

Aus Richtung Hann. Münden (Start) verläuft der Weser-Radweg bis nach Oberweser (25,0 km) und weiter nach Lippoldsberg (30,0 km), Bodenfelde-Wahmbeck (35,0 km) und Bad Karlshafen (45,0 km). Von dort schliesst sich eine mehr als 400 km lange Strecke bis nach Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven an.

siehe dazu:

siehe auch

Die Kirche in Gewissenruh

Übernachtungsmöglichkeiten

Hotels/ Gasthäuser

Jugendherbergen

Vereine

  • Waldenserfreunde Gottstreu - Gewissenruh | Link

Weserdampfschifffahrt

Aus dem „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“: Im Frühjahr 1844 gab der Lehrer für Geschichte und Erdkunde am Rintelner Gymnasium, Dr. Ludwig Boclo, seinen „Begleiter auf dem Weser-Dampfschiffe von Münden bis Bremen“ heraus. Boclo war schon verschiedentlich als Reiseschriftsteller hervorgetreten. Das kleinformatige Büchlein sollte ein kundiger Mitreisender für alle fremden Passagiere sein.

Weserabwärts rühmte er neben vielem anderen den lieblichen Blick von Hilwartshausen auf Münden, der den dortigen Stiftsdamen ein Ausgleich für ihr entsagungsvolles Leben gewesen sein mochte. Auch die Eisengießerei in Veckerhagen sowie das Eisenhammerwerk in Lippoldsberg vergaß Boclo ebenso wenig wie den vom Fluss noch weithin sichtbaren Turm der Bramburg und die mit ihr verknüpften Sagen. Zudem warnte er vor den leicht reizbaren Bewohnern von Gewissenruh, die mit Prügel, Steinwürfen und Schimpfworten sehr freigiebig gewesen sein sollen.

Wandern

Fähre Wahmbeck-Gewissenruh

Hugenotten- und Waldenserpfad

Die Route des ca. 1800 Kilometer langen Kulturwanderwegs führt von Südfrankreich über Italien und die Schweiz nach Südwestdeutschland und weiter bis nach Bad Karlshafen in Nordhessen. Verbindendes Element ist die Geschichte der Hugenotten und Waldenser, die als französische Protestanten Ende des 17. Jahrhunderts ihr Heimatland Frankreich bzw. die piemontesischen Waldensertäler aus Glaubensgründen verlassen mussten.

In Nordhessen verläuft der Pfad durch den Burgwald, den Kellerwald und das nordhessische Bergland.

Er verläuft im Bereich der Eder über Wiesenfeld und Louisendorf, verläuft dann weiter über Leckringhausen nach Hofgeismar (mit den Dörfern Carlsdorf, Friedrichsdorf, Kelze und Schöneberg) und über Gottstreu und Gewissenruh nach Bad Karlshafen.

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. aus HNA-onlie vom 31.8.2013: Waldensersiedlung Gewissenruh - Platz nach Pierre Héritier benannt

Weblinks


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WappenLkKassel.jpg

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