Gesundheitswesen (Melsungen)

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Einen Doktor Eisenbart wie in Hann. Münden hat es in Melsungen offenbar nicht gegeben. Doch hatte die Heilung von Krankheiten und Gebrechen seit eh und je für die Menschen besondere Bedeutung.

Viele Krankheiten wurden im Altertum und Mittelalter mit Heilkräutern behandelt, und auch Operationen hat man in teils brutaler Weise und ohne hygienische Rücksichten vorgenommen. Es wurden auch in Melsungen Tinkturen, Salben und Pülverchen gemixt. Apotheken befanden sich bereits im Mittelalter innerhalb der Stadtmauern. Und es wird berichtet, dass zur Zeit Moritz des Gelehrten in der "Alten Apotheke" (Kasseler Straße 19) chemische Experimente gemacht wurden.

Vieles erledigte der Bader oder Barbier: Er war Frisör und Heilgehilfe, behandelte Wunden, zog Zähne und operierte notfalls auch. Vor den Toren der Stadt befand sich seit dem 15. Jahrhundert ein Siechenhaus, in dem die Kranken bei Seuchen wegen der Ansteckungsgefahr untergebracht wurden und auch die Ärmsten ein Domizil finden konnten. Aus einem Bericht im Turmknauf der Stadtkirche wissen wir, dass es bereits 1821 zwei Ärzte in Melsungen gegeben hat: einen "richtigen Doctor" und einen "Stadt-, Land- und Wundarzt" - was auch immer darunter zu verstehen ist.

Jedenfalls mussten die Menschen im 19. Jahrhundert schon große Schmerzen haben, bevor sie einen Arzt aufsuchten. Immerhin praktizierten in Melsungen schon einige "praktische Ärzte", und Fachärzte aus Kassel hielten bisweilen Sprechstunden hier ab. Besonders zu erwähnen sind Dr. Johannes Kahl, der sich in Melsungen um die Jahrhundertwende als Arzt für einige Jahrzehnte niederließ und 1903 Kreisarzt wurde, sowie der jahrelang praktizierende Arzt Dr. Lange, Vater der bekannten Melsunger Künstlerin Eugenie Berner-Lange.

Einen großen Fortschritt im Melsunger Gesundheitswesen bedeutete die Eröffnung des Krankenhauses 1914 mit zunächst 14 Betten. Nun brauchten Schwerkranke nicht mehr per Hand- oder Pferdewagen zum Bahnhof und im Gepäckwagen nach Kassel gebracht zu werden.

Am Gauärztetag in Melsungen im Mai 1937 tönte der "Reichsärzteführer" aus München: "Der Arzt ist es, der dem deutschen Menschen wieder den Glauben an seine Kraft und Stärke geben soll."

Im Krieg wurden viele Verwundete im Krankenhaus und einigen Lazaretten (im Gymnasium, der Landwirtschaftsschule und dem Casino in der Rotenburger Straße sowie im Lutherhaus) betreut. Und nach dem Krieg ließen sich verschiedene heimgekehrte Mediziner - auch als Fachärzte - hier nieder.

Heute, 2008, praktiziert ein halbes Dutzend Allgemeinmediziner am Ort, darunter Bernd Sostmann bereits in vierter Generation. Fast ein Dutzend Fachärzte steht in Spezialgebieten zur Verfügung, und ebenso viele Zahnärzte sorgen dafür, dass die Melsunger Biss behalten. Darunter Dr. Bernd Giesenhagen, der weltweit Schulungen in Implantologie veranstaltet.

Vier Apotheken halten die verschriebenen Medikamente und andere gesunde Mittel bereit. Und für das mehrfach an-, um- und ausgebaute Krankenhaus könnte demnächst ein Neubau kommen.