Gestüt Beberbeck

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Lageplan Beberbeck

In den Gebäuden der heutigen Staatsdomäne Beberbeck – Stadtteil von Hofgeismar - war bis zum Ende der 1920-er Jahre das Gestüt Beberbeck untergebracht, unter der Herrschaft Preußens - neben Trakehnen, Neustadt an der Dosse, Graditz und Altenfeld - eines der fünf preußischen Hauptgestüte.

Höhepunkte im Verlaufe eines Jahres waren um die Jahrhundertwende vom 19. auf das 20. Jahrhundert die "Besichtigung der Fohlen" oder die jährliche Verkaufsschau der Stuten.

Bei der sogenannten "Remontenschau" wurden die vierjährigen Pferde der Zucht vom Militär zur weiteren Ausbildung eingekauft. Ausweislich alter Fotografien aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg fand die Remontenschau auf dem Hof vor dem Domänengebäude statt. Oft restaurierten Bauhandwerker aus dem nahegelegenen Hombressen zuvor die Gebäude. Auch zahlreiche Pferdewärter in Beberbeck stammten aus Hombressen und anderen umliegenden Orten.

Bei einer jährlichen Auktion wurden auch diejenigen Pferde versteigert, die nicht unter die drei ersten Kategorien fielen. Sie fanden oftmals in Kavallerie-Offizieren benachbarter Regimenter, etwa in Hofgeismar, neue Besitzer.

Geschichte

Beberbeck Mittelhof 4.jpg

Eine frühe Pferdezucht gab Landgraf Wilhelm IV. offenbar Anlaß zur Gründung eines Tiergartens unterhalb der Sababurg, um eine wertvolle Stutenherde, die in der warmen Jahreszeit im Freien gehalten wurde, einigermaßen sicher unterzubringen. Im Jahre 1724 unter Landgraf Karl von Hessen-Kassel wurde die Pferdeherde aus dem Sababurger Mauerpark herausgenommen und fand im ehemaligen Klosterhof zu Beberbeck (ehemals im Eigentum des Klosters Lippoldsberg) eine neue Unterkunft.

Nach alten Aufzeichnungen wurden „die Wilden“ zunächst in großer Freiheit gehalten. Auch von Flurschäden an Feldern und Wiesen wird berichtet, so im Jahre 1512, als der Bauer Gödekind aus Hombressen „für den Schaden, welchen meines Gnädigen Herrn Wilde an den Wiesen verderbet haben“, eine Entschädigung erhielt.

Nach dem Beginn der Zähmung und Dienstbarmachung der Pferde ist dann von Verkäufen schon vor dem Dreißigjährigen Krieg zu lesen, als u. a. die Herzogin von Braunschweig oder der Kurfürst August von Sachsen „Zapfenburger“ Pferde des hessischen Landgrafen erwarben, die nach der benachbarten „Zapfenburg“, heute Sababurg, benannt waren.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg begann eine systematische Pferdezucht und mit der Unterbringung im ehemaligen Kloster Beberbeck ab dem Jahre 1724 - unter der Herrschaft des Landgrafen Karl - ein völlig neuer Abschnitt in der Geschichte des Reinhardwälder Gestüts unter der Leitung des Marstalls in Kassel.

Die heutige Staatsdomäne
Beberbeck im Winter

Seine Blütezeit erlebte Beberbeck unter Kurfürst Wilhelm II., unter dessen Regentschaft auch die von dem Baumeister Gottlob Engelhardt aus Veckerhagen errichteten Neubauten des Gestüts entstanden, für deren Planung Johann Conrad Bromeis verantwortlich zeichnete, Architekt und Hofbaumeister des Kurfürsten. Die Gestütsanlage besteht aus insgesamt sechs Gebäuden, dem Offiziantenhaus, zwei Fruchtböden, zwei Stallgebäuden und dem Fürstenhaus (Schloss Beberbeck). Das kurfürstliche Schloss entstand zuletzt nach den Plänen von Johann Conrad Bromeis in den Jahren 1837 bis 1840 im klassizistischen Baustil und diente in späteren Jahren dem jeweiligen Leiter des Gestüts Beberbeck als Wohnsitz.

Unter der Herrschaft des Kurfürsten Wilhelm II. trugen die Pferde des „Wilhelm-Gestüts“ als Brandzeichen seinen Namenszug mit Krone. Zu dieser Zeit waren zwischen 45 und 80 Stuten in Beberbeck untergebracht.

Nach der Annexion Hessens übernahm Preußen im Jahre 1866 das Gestüt, was zunächst mit einer erheblichen Reduzierung des Pferdebestands verbunden war. Einen deutlichen Aufschwung brachte erst die Entscheidung, das Gestüt Beberbeck ab dem Jahre 1876 als eines der fünf preußischen Hauptgestüte zu führen.

Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine Umstellung in Beberbeck von 110 Warmblutstuten auf 60 Warmblutstuten und 60 Kaltblutstuten. Eine zunehmende Verwendung der Pferde in der Landwirtschaft, die mehr Zugtiere benötigte, stellte das Gestüt vor neue züchterische Aufgaben, bevor die Pferdezucht in Beberbeck während der Wirtschaftskrise im Jahre 1929 gänzlich eingestellt wurde. Nach der Auflösung des Hauptgestüts im Jahre 1930 wurde die landwirtschaftliche Anlage als Hessische Staatsdomäne weitergeführt.

Literatur

  • Eduard Brauns, Beberbeck und sein Schlößchen, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1960, S. 57
  • Clemes Freiherr von Nagel-Doornick, Die Pferde von Beberbeck und Sababurg, in: Heimatjahrbuch für den Kreis Hofgeismar 1971, S. 48 ff.
  • Alt-Hofgeismar, Bilder aus einer vergangenen Zeit 1870 - 1925, herausgegeben und erläutert von Helmut Burmeister und Klaus-Peter Lange, Hofgeismar 1979, S. 50 ff.
  • Stefan Hartmann, Neue Quellen zur Geschichte des Landgestüts Beberbeck in kurhessischer Zeit, in: Jahrbuch des Landkreises Kassel 2001, S. 139 ff.
  • Silke Renner (Hrsg.), Beberbeck zwischen Sababurg und Gesundbrunnen - Eine Zeitreise durch die Region, euregioverlag Kassel 2008
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

Fotogalerie

siehe auch

Domäne Beberbeck - Oberhof

Weblinks