Geschichtliches und Geschichten aus Bründersen und Umgebung

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von Herbert Jakob

Diese „geschichtlichen Erzählungen" sollen nur Vorschläge sein, um dem geplanten Wolfsfährte-Wanderweg ein wenig Interessantes zu bieten. Vielleicht kann das Eine oder Andere in die Planung einfließen.

Viel Geschichte ist da, wo das Erzählte immer wieder weitergegeben wurde und vor allen Dingen es auch jemand aufgeschrieben hat. Hier in und um Wolfhagen kann mit Phantasie an Hand von Begebenheiten und auch Flurbezeichnungen Geschichte geschrieben werden.

Gotzenberg

Fangen wir am Gotzenberg an. Nach meinem Großvater müsste der Berg Götzenberg heißen, denn in heidnischer Zeit soll hier den Götzen gehuldigt worden sein. Erst nach der Christianisierung soll der nun als Gotzenberg bezeichnete Berg eine Richtstätte gewesen sein.

Der Weg von der Kreisstraße aus in Richtung Wolfhagen, rechts am Naturschutzgebiet unterhalb des Gotzenberges, heißt im Volksmund „An der Gotte“ (ich gehe an der Gotte lang). An der Kirche vorbei auf Gottes Wegen? Die linke Seite heißt Borngasse, Weg am Born.

Glockenborn

Das heutige Naturschutzgebiet Glockenborn wurde im Volksmund als Breitenwasser bezeichnet, bevor es über Jahrhunderte, durch Gräben trockengelegt, auch landwirtschaftlich genutzt werden konnte.

Kloster Hasungen, dem Bründersen zu Lehen war, hatte sich beschwert, zu wenig Fische bekommen zu haben, was auf Teiche und „breites Wasser“ hinweist. Auch Familie Fülling bezeichnete ihre westlich der jetzigen Wasserfläche liegende Wiese als Teichwiese, die jetzt als Erweiterung gekauft wurde.

Wie kam der Glockenborn zu seinen Namen? Laut Sage ist eine Glocke der Todenhäuser Kirche da hinein gefallen, was durch die Entfernung nicht möglich sein kann. Dazu eine Sage an anderer Stelle. Der Glockenborn hatte eine andere Funktion: Kleine Kinder aus Bründersen und Wolfhagen brachte kein Klapperstorch, die kamen aus dem Glockenborn. Hörte man Glockengeläut aus dem Innern, gingen Wünsche in Erfüllung.

Todenhausen

Nordöstlich vom Breitenwasser gab es den Ort Todenhausen, der 1074 wie auch Bründersen zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde, aber älter war.

Der Ort hatte ein wahrscheinlich um das Jahr elfhundert erbautes Gotteshaus, eine Tochterkirche der Schützebergkirche. War der Apostel der Deutschen auch hier? Die Kirche stand wahrscheinlich auf dem alten Friedhof. Hier wurde bis ins sechzehnte Jahrhundert wöchentlich eine Messe gelesen, obwohl Todenhausen schon im fünfzehnten Jahrhundert als wüst bezeichnet wurde.

Die Kirche wurde von den Bründersern genutzt, die 1742 eine Kirche, die auf einem Vorgängerbau von 1543 errichtet wurde, im Ort bauten. Ein Friedhof wurde nicht mit einer Mauer umgeben, aber ein Kirchhof. Die Verstorbenen fanden damals auf dem Kirchhof ihre letzte Ruhe. Die Kirchhofsmauer „Auf der Alten Kraft“ überstand durch weitere Nutzung als Friedhof die Beseitigung, nachdem Mauern der Todenhäuser Kirche anderen baulichen Zwecken gedient hatten. Die meisten Verstorbenen aus Bründersen wurden hier bis 1895 beerdigt. Der oder die Letzte wurde im Jahr 1927 als Ehefrau/Mann noch auf der „Alten Kraft“ beigesetzt, obwohl der neue Bründerser Friedhof ab 1895 bestand.

Eine Frau Hensel hatte das Grundstück den Bründersern gespendet, wollte aber nicht als erste da begraben sein. Ihr Wunsch wurde nicht erfüllt. sie war die Erste. Die Stelle beim alten Friedhof (Kirchhof) wird im Volksmund als „Alte Kraft“ (in Mundart „Aale Kraft“) bezeichnet. Alle Kraft geht von der Kirche aus, so wurde gesagt. Oder kommt die Bezeichnung von: alle Kraft müssen die Träger aufwenden, um den Verstorbenen den steilen Weg hochzutragen.

Bründersen

Der Name Bründersen soll nicht wie angenommen von Brunnen stammen. Laut Namensforscher wurden Orte nur nach einer Person benannt. Brungershusen (Brungerhardshausen?) wurde der Ort einmal genannt.

Die Kirche in Bründersen

War ein gewisser Brunger Grundherr im späteren Bründersen? Oder weist die Anfangssilbe Brun' doch zu einen Brunnen?

Der Ursprung war in der Glockenstraße (alte Bezeichnung: „in der Ecke“) am Scheeperbom (Schäferbrunnen). Vielleicht hat hier der Wanderschäfer seine Rast gemacht, denn das Wasser hier soll das beste im Ort gewesen sein. Meine Großmutter, die am Scheeperbom geboren ist, holte zum Eintopfkochen immer Wasser an ihrer Geburtsstätte, obwohl ein Brunnen bei uns am Haus war. Ob Linsen Erbsen oder Bohnen gekocht wurden, mit Wasser aus dem Scheeperbom war das „üngernangergekookete" für Oma am schmackhaftesten.

Im alten Ortskern gab es viele private Brunnen, jedoch an der jetzigen Bushütte Hohlerweg/Naumburger Straße noch einen öffentlichen, den Heerborn. Hier stand auch das Heerhaus. Mein Großvater erzählte dass jede Gemeinde eine Unterkunft haben musste, wo Durchreisende eine Nacht verbringen konnten, also im Heerhaus. Hier wohnte eine als Sannemutter bezeichnete Frau. Die sorgte da für Ordnung, half mit Kräutern und Salben Wehwehchen zu mildern und erzählte da nicht nur Kindern tolle Geschichten. Sie hatte den Spottnamen Jückesdeer (Jucksfrau, tolle Frau?). Riefen Jugendliche: „Jückesdeer", schaute sie schimpfend im Fenster. Hatte da nicht auch einmal ein Brüderpaar, denen sie Märchen erzählte, eine Nacht verbracht?

In viel früherer Zeit zogen Kriegesheere immer wieder durch das Land, die an Wasserstellen rasteten, wovon die Namen Heerhaus und Heerborn stammen können. Durch den „Busch“, ein Waldgürtel (Mainzer Scheide) der südlich vom Ort war, wurde Bründersen von den dahinter herziehenden Kriegsheeren weitgehend verschont, jedoch immer wieder von den kriegerischen Westfalen heimgesucht.

Lt. Dr. Heinrich Alheid gab es in Bründersen vor langer langer Zeit einen Königshof. Genug Futter musste hier immer vorhanden sein und Pferde zum Wechseln mussten bereit stehen. Zwischen Heerborn und Scheeperborn gibt es die Königstraße (jetzt Königsweg). Pendelten königliche Heere und Heerscharen zwischen beiden Brunnen? War der König und die Königstochter mit dabei? Hat die Prinzessin an den Brunnen im Brunnendorf gespielt? Königsland und Königseichen gab es in Bründersen. Die Ländereien an der Königseichenstraße werden als königseigen bezeichnet, wo am Weg die Königseichen standen.

Siebenjähriger Krieg

Im Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) kam es zwischen Bründersen und dem Granerberg zu Kampfhandlungen zwischen Franzosen und Engländern. Als der englische Kommandant der leichten Kavallerie fiel, waren die Kampfhandlungen beendet. Man begrub die Gefallenen an Ort und Stelle, wo man eine sehr nasse Bodenbeschaffenheit vorfand. Man bettete die Toten ins Nasse. Die Flurbezeichnung lautet heute noch „Nasse Betten“. Der Volksmund sagt: „Im nassen Bett“.

Dass der englische Kommandant auf dem Friedhof „Auf der Alten Kraft“ beigesetzt wurde, kann man annehmen. Die aus Sandstein gefertigte Grabplatte steht links am Eingangsportal der Kirchhofsmauer. Nicht viel kann man darauf erkennen, im Gegensatz zu einer anderen rechts stehenden Grabplatte.

Nördlich vom vorderen Monscheinwald befindet sich eine Stelle, die als das „Franzosenloch“ bezeichnet wird. War da ein tiefer, heute zugeschütteter Steinbruch? Ist da nicht auf der Flucht vor dem Feinde ein französischer Kavallerist hineingestürzt, ins Franzosenloch? Gab es hier am Wege dunkle Hecken (Ecken)? Nördlich vom Franzosenloch heißt die Flurbezeichnung „In den düsteren Ecken“. Östlich heißt es „In den Melmen Siegen. Stammt die Bezeichnung auch von kriegerischen Handlungen? Oder haben an dieser Stelle nur die französischen Heere gelagert? Waren die Rauensteine im Monscheinwald eine heidnische Opferstätte? Dazu mehr an anderer Stelle.

Fährt man von Bründersen aus in Richtung Istha und biegt vor dem letzten Haus rechts ab, kommt man in die „Benze“. Hier wurden bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts Sandsteine gebrochen und bearbeitet. An dieser Stelle war bis in das fünfzehnte Jahrhundert der Ort Benessen, der 1253 zuerst erwähnt wurde. 1402 wurde der Ort als Benzheim bezeichnet. In der Nähe ist die Flur „Am Rott“, was auf Waldrodungen zur Ackerlandgewinnung hinweist. Vielleicht musste Benessen, da Quellen als Folge der Abholzungen hier versiegt waren, aufgegeben werden.

Sagen

zusammengestellt von Herbert Jakob

Die Sage vom Glockenborn

Anfang des fünfzehnten Jahrhunderts musste der Todenhäuser Pfarrer für zwei Jahre den Wolfhagern eine Glocke überlassen. So hatte der Fritzlarer Kanonikus Konrad Schonbroit verfügt (Wolfhager Chronik). Ob diese zurückgegeben wurde, ist nicht bekannt. Der Wolfhager Kirchturm wurde von einen Blitz getroffen, wobei die Glocke wahrscheinlich zu Bruch ging.

Bis ins siebzehnte Jahrhundert wurde die Todenhäuser Kirche, die wahrscheinlich auf dem noch jetzt zu sehenden alten Friedhof gestanden hat, von Bründersern genutzt. Die noch verbliebene Glocke soll der Sage nach bei dem Einsturz der Kirche in den Glockenborn gefallen sein, was durch die Entfernung eigentlich nicht möglich ist.

Die Wolfhager hatten schon eine Glocke aus der Todenhäuser Kirche bekommen, die ihnen kein Glück brachte. Nun hing die verbliebene Glocke in dem zusammengebrochenen Glockenturm. Die Wolfhager beschlossen, die Glocke nicht den Bründersern zu überlassen, die auch endlich einen Kirchenbau planten, sondern diese bei Nacht und Nebel nach Wolfhagen zu holen und in ihren wieder aufgebauten Kirchturm zu hängen. Die Glocke wurde auf einen Wagen gewuchtet, was lange Zeit in Anspruch nahm. Der Morgen graute schon, man wollte so schnell wie möglich hier verschwinden. Die Glocke wurde in der Eile nicht richtig fest gebunden. Der Weg an der Gotte war holprig und als ein Rad in eine Mulde des Weges geriet, rutschte die Glocke vom Wagen und purzelte ins Gras, das aus einem tiefen Graben heraus wuchs. Da es hell wurde, entschloss man sich, die Glocke mit Buschwerk abzudecken und nach Einbruch der Dunkelheit am darauffolgenden Abend mit Hebeln aus dem Graben zu holen, aufzuladen und nach Wolfhagen zu transportieren. Als die Wolfhager an die Stelle kamen und das Buschwerk beseitigten, war keine Glocke zu finden. An der Stelle stand nun eine große Wasserpfütze. Man stieß mit spitzen Stangen hinein, es war aber kein harter Gegenstand zu spüren. Klares Wasser sprudelte nun aus dem Loch und suchte sich einen Weg nach Wolfhagen. Es gab nun den Glockenborn, der den Wolfhagern Jahrhunderte lang gutes Wasser spendete.

Rauensteine und Monschein

Rauensteine-Monschein-Bründersen

Im Monscheinwald sind die Rauensteine. Der Name Monschein kommt von der Mainzer Scheide.

Südlich des Höhenrückens, von der Balhorn - Isthaer Gemarkung (heutiger Standort der Windräder) aus bis zum Weidelsberg gehörte das Land früher zu dem Erzbistum Mainz.

Monschein ist eine Wasserscheide und eine Dialekt- Sprachgrenze. Südlich fließt das Wasser der Eder zu und man spricht Niederhessisch. Nach Norden fließt das Wasser der Diemel zu und der Dialekt ist Niederdeutsch. Der Wald wird manchmal irrtümlich, selbst von behördlicher Stelle (Katasterkarten), als Mondschein bezeichnet, hat aber mit dem Mond nichts zu tun.

Auf dem höchsten Buntsandsteinfelsen der Rauensteine ist eine Mulde. Man kann annehmen, dass hier eine heidnische Kultstätte war. Die Germanen, vielleicht schon die Kelten, können hier dem Gott Wotan Tieropfer gebracht haben. Die Stelle kann auch eine Gerichtsstätte gewesen sein, man deutet auch: Rau = Gericht.

Der Name Rauensteine kann auch von einer anderen Sache hergeleitet werden. In dem Buch „Geheimnisvolles Hessen", von Gerd Bauer, werden Raunächte beschrieben Diese begannen nach der Wintersonnenwende am 25. Dezember und endeten am 6. Januar. In den Raunächten wurden dem Gott Donar Feuerfeste und Tieropfer gebracht. Die lauteste war die Silvesternacht, in der durch lautes Geschrei und Geklapper die Seelen der Verstorbenen zu beruhigen waren, die an dieser Stelle in der Luft schweben sollten. An den Rauensteinen könnten die sogenannten Julfeste zur Wintersonnenwende, aber auch zur Sommersonnenwende gewesen sein. Man kannte zu der Zeit nur zwei Jahreszeiten. Es wurde gesagt: Träume in den Raunächten gehen in Erfüllung.

Laut Friedrich Wesche kommt man zu einer anderen Sichtweise, wenn man die Rauensteine mit dem Kompass betrachtet. Auch wären in westlicher Richtung Mulden, die auf Gräberfelder hinweisen. Viele Jahre später, und zwar im Jahre 1550, gab es an den Rauensteine einen großen Streit. Bis Anfang des sechzehnten Jahrhunderts musste der Zehnte von Bründersen an das Kloster Hasungen bzw. an den letzten Abt Johannes Amelung geliefert werden. Nach dem Tode des Abtes gab der Landgraf das Dorf Bründersen zu Lehen an die von der Malsburg in Elmarshausen. Nicht nur der zehnte Teil wurde eingezogen, es mussten auch Hand- und Spanndienst geleistet werden. In der Ernte hatte jeder Bründerser Bürger vier Tage Schneidedienst zu leisten.

Das Dorf Bründersen hatte zwar Wald, aber wahrscheinlich keine Eichen und Buchen mehr. Man forderte diese nun von Elmarshausen. Im Jahr 1550 sagte Marschall Hermann von der Malsburg den Bründersern die Mitbenutzung der Hute und des Holzes an den Rauensteinen zu. Als die Bründerser dort Bäume fällten, wurden sie von Wolfhager Bürgern daran gehindert und vor Gericht gebracht. Man konnte nachweisen, dass Bäume und die Hutung schon zweihundert Jahre zu Wolfhagen gehörten.

Trotz dieses Streites wirkte sich die Zugehörigkeit zu Elmarshausen segensreich für die Bründerser aus. Später im Dreißigjährigen Krieg besaßen die von der Malsburg Tilly'sche Schutzbriefe. Dadurch wurde Bründersen, im Gegensatz zu Wolfhagen und den anderen Orten, von den größten Kriegslasten verschont.

siehe auch