Gerhard Richter

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Das documenta-Lexikon
Buchstaben: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Index


Gerhard Richter

Gerhard Richter ist ein deutscher Maler, Fotograf und Bildhauer (Jahrgang 1932). Er nahm an der documenta 5, documenta 6 und documenta 7, documenta 8, documenta IX, documenta X und der documenta 12 teil.

Werk

Gerhard Richter ist einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart.[1] Im Jahr 2007 ist er zum siebten Mal seit 1972 zur documenta eingeladen. Allerdings hatte Richter 1977 aus Protest gegen die schlechte Platzierung seiner Gemälde diese aus der Ausstellung zurückgezogen. Nur Joseph Beuys war genauso oft an der documenta beteiligt. Doch wurden seine Werke 1987 und 1992 posthum gezeigt.

Richter, der seine Ausbildung noch in Dresden erhielt, war nach seiner Flucht nach Westdeutschland zuerst fasziniert von der abstrakten Kunst, begründete dann aber mit Konrad Lueg den "Kapitalistischen Realismus", eine deutsche Version der Pop-Art. Richter entwickelte seine Malerei in der Auseinandersetzung mit der Fotografie, schuf jedoch durch das Prinzip der Unschärfe eine Distanz zum Thema und zur Darstellung. Ihm geht es hauptsächlich um die Beschäftigung mit der Malerei und ihren Möglichkeiten. So entstanden ebenso expressive abstrakte Gemälde wie fotorealistische Bilder oder monochrome (einfarbige) Kompositionen.

Richter und die documenta 12

In der documenta 12 ist Richter (im schönsten Kabinett - mit zwei Gemälden von Lee Lozano) nur mit dem Porträt seiner Tochter Betty aus dem Jahre 1977 vertreten. Das Porträt des liegenden Mädchens orientiert sich an Fotos der toten Ulrike Meinhof. Es war die erste malerische Auseinandersetzung Richters mit dem Deutschen Herbst 1977, in dem die prominenten RAF-Terroristen in Stammheim starben.

Artikel zum 75. Geburtstag

Ein Maler, der mit der Malerei spielt

Gerhard Richter 75 Jahre alt - Bilder zwischen Abstraktion und Fotorealismus

Gerhard Richter ist eine Ausnahmefigur. Er hat alles gemalt, was zu malen ist: Propaganda-Spruchbänder in der DDR, in der der gebürtige Dresdner aufgewachsen ist. Dann folgten in Westdeutschland als Reaktion auf die Vorherrschaft abstrakter Kunst realistische Bilder, die zuweilen voller Ironie waren und der Pop-Art nahekamen. Daraufhin begann er, sich mit der Wirkung der Fotografie zu beschäftigen, und schuf Porträts, die wie Bilder einer verschwommenen Erinnerung wirken. Und schließlich nahm er die gestische Malerei der abstrakten Expressionisten auf und fertigte Serien farbkräftiger Gemälde, die als einziges Thema den breitflächigen Farbauftrag hatten. Kurz, Gerhard Richter verweigerte sich jeder Festlegung und entwickelte gleichwohl einen unverkennbaren Stil. Seit 1972 war Richter sechs- mal zur documenta nach Kassel eingeladen. In jeder Ausstellung überraschte er mit seinen Beiträgen. 1972 zeigte er inmitten der Fotorealisten Farbtafeln, die wie die Umsetzung von Musterbögen wirkten. Und 1997 erregte er Aufsehen und Widerspruch, weil er keine Malerei, sondern sein Archiv aus Fotografien und Bildstudien („Atlas“) vorstellte.

Gerhard Richter, der Kölner Ehrenbürger ist und seiner Heimatstadt Dresden wichtige Bilder schenkte, zählt heute zu den ganz Großen der internationalen Kunst. Seine Gemälde erzielen Höchstpreise, gerade gestern wurde von ihm ein abstraktes Bild zum Rekordpreis von vier Millionen Euro in London versteigert. Der in Köln lebende Maler, der viele Jahre Akademie-Professor war, wird heute 75. Er geht jedem Rummel aus dem Wege und verweigert sich Erklärungen, weil er, wie er selbst sagt, keine Theorien habe.

Von Richter haben wir noch ein Aufsehen erregendes Werk zu erwarten: In diesem Frühjahr wird im Kölner Dom ein 100 Quadratmeter großes Fenster fertig gestellt, das wie die Bilanz seines Schaffens erscheint. Es besteht aus 11 500 Glasquadraten, in denen sich 80 verschiedene Farbtöne abwechseln. Eine neue Harmonienlehre.

Aus der HNA vom 9. Februar 2007

Rekordpreise für Richters Bilder

Sechs Gemälde von Gerhard Richter haben am 8. Mai 2012 in New York für zusammen rund 55 Millionen Dollar (42 Millionen Euro) den Besitzer gewechselt. Wie das Auktionshaus Christie’s auf seiner Website bekannt gab, erzielte allein Richters „Abstraktes Bild (798-3)“ aus dem Jahr 1993 fast 22 Millionen Dollar (17 Millionen Euro). Geschätzt war es auf 14 bis 18 Millionen Dollar.

Das „Seestück (leicht bewölkt)“ kam auf mehr als 19 Millionen Dollar. Die Werke „Abstraktes Bild (646-4)“ und „Abstraktes Bild (646-3)“ kamen für jeweils knapp 2,7 Millionen Dollar unter den Hammer. „Abstraktes Bild Violett (600-2)“ und „Farbschlieren“ wurden für mehr als vier Millionen Dollar versteigert.[2]

siehe auch

Weblinks und Quellen

  1. aus br-online.de vom 16. Februar 2009: Malen gegen den Strom
  2. [Aus der HNA vom 10. Mai 2012: Rekordpreise für Bilder von Gerhard Richter]