Gerätebau GmbH

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Das Montan Werk "Gerätebau GmbH" der Gebr. Thiel in Kassel


Geschichte

  • 1937: Im Rahmen der massiven Aufrüstung des „Dritten Reiches“ suchte die ‚Verwertungsgesellschaft für Montanindustrie GmbH, München’ kurz Montan genannt, nach dem geeigneten Standort für eine Fabrik, in der mechanische Zeitzünder hergestellt werden sollten. Unter Berücksichtigung der infrastrukturellen Vorausetzungen war ein Grundstück in Kassel, Lilienthalstraße 150 von Interesse.[1]
  • 1938: Die Montan erwarb am 21. Januar (Auflassung 3. März)[2] von der Stadt Kassel das Gelände Lilienthalstraße 150, bestehend aus einigen Parzellen "Hofraum" (Grünfläche) mit einer Gesamtfläche von ca. 200.000 m².

Die Firma Gebr. Thiel Seebach GmbH, Ruhla-Thüringen, kurz Thiel genannt, war neben der Firma Junghans der größte deutsche Hersteller von mechanischen Uhrwerken und hatte sich eigene Erfindungen für mechanische Zeitzünder patentieren lassen.

Sie erhielt am 16. Februar vom Oberkommando des Heeres (O.K.H.) den Auftrag zur Projektierung, Ausschreibung und Errichtung einer Fabrik auf diesem Gelände. In der Fabrik sollten mechanische Uhrwerkszeitzünder (System Thiel) S30 und S60 mit einer monatlichen Stückzahl von je 100.000 hergestellt werden. Zum Projektumfang gehörten acht Gebäude incl. Infrastruktur, Maschinen und Anlagen, eine Lehrwerkstatt für 100 Lehrlinge, der Bau von 100 Wohnungen für Werksangehörige sowie der Bau eines Bereitschaftslagers für 1000 Mitarbeiter. Auftragsvolumen ca. 20,7 Mio RM.[3]


Zum Betrieb der Fertigungsstätte gründete Thiel eine Tochtergesellschaft, die Gerätebau GmbH.

Am 21. Juli teilte Thiel dem O.K.H. mit, dass das Werk zum 1. Oktober 1939 anlaufbereit sei und, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden, zum 1.Oktober 1940 die volle Stückzahl mit 200.000 pro Monat erreicht sein wird.[4]

Lageplan Gerätebau.JPG
  • 1939: In diesem Jahr wurden die Bauarbeiten an der Fabrik durchgeführt.[5] Am 1. Oktober erfolgte der Baubeginn von 44 Werkswohnungen in der Lilienthalstraße und am Faulswiesenweg.[6] Außerdem begannen im Dezember die Arbeiten mit der Errichtung des 1000 Mann - Bereitschaftslagers am Forstbachweg 2. Auftraggeber und Eigentümer aller Objekte war die Montan.[7]
  • 1940: Mit dem Fortschritt der Bauarbeiten an den vier Fabrikationsgebäuden erfolgte die Beschaffung und Aufstellung von ca. 1400 Werkzeugmaschinen, einer Galvanik und einer Härterei und die Einrichtung eines Werkstoffprüflabors.[8] Außerdem wurden von Thiel die ersten Mitarbeiter eingestellt.[9]

Infolge einer Drosselung der Munitionserzeugung und damit der Verringerung der Kapazitäten für mech. Zeitzünder wurde am 12. Juli vom Reichsminister für Beschaffung und Munition entschieden, dass dieses "Montan Werk" an die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG Dessau, kurz genannt JFM, abzutreten ist.[10]

Das Werk befand sich zu dieser Zeit im stillgelegten Zustand, lediglich eine Belegschaft von ca. 100 Personen hielt die Infrastruktur funktionsfähig.[11]

Ob und in welchem Umfang mit der Produktion von Zeitzündern begonnen wurde, ist nicht bekannt.

Quellen

Dieser Artikel wurde uns per Mail von Rolf Nagel aus Baunatal zugeschickt.

Abkürzungen:

  • ThHStAW = Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar
  • LHASA, DE = Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Abteilung Dessau
  • StaMa = Hessisches Staatsarchiv Marburg
  1. ThHStAW480/111, Schreiben Verhandlungen Grundstücksverkauf
  2. Mail von Peter Mueller, IVG als Nachfolgegesellschaft der Montan, am 3.01.2007, LHASA, DE 391/159 und StaMaG.A.Kassel3818 Grundbuch
  3. ThHStAW 480/252-261 Schreiben
  4. ThHStAW 480/203-210 Schreiben
  5. ThHStAW 480/206 Terminplan Thiel
  6. LHASA, DE 720/224 Niederschrift
  7. LHASA, DE 720/113 Niederschrift
  8. LHASA, DE 309/36-37 Bericht Deutsche Treuhand AG, Berlin
  9. LHASA, DE 720/31 Schreiben
  10. LHASA, DE 720/100 Aktennotiz
  11. LHASA, DE 391/150 Schreiben