George André Lenoir

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George André Lenoir

Der Hugenottennachfahre George André Lenoir, Physiker und Chemiker, hatte es unter dem Doppeladler der österreichisch-ungarischen Monarchie zu einem großen Vermögen gebracht. „Mitnehmen kann man nichts”, erkannte der lebenslange Junggeselle im Alter. Beeindruckt von den Ideen des Pädagogen Heinrich Pestalozzi reifte in ihm die Idee, sein Vermögen für die Waisenkinder der Stadt Kassel einzusetzen. Die erste Stiftungsurkunde wurde 1893 ausgefertigt. Als vorsichtiger Kaufmann übertrug der Stifter nur Stück für Stück sein Vermögen der nordhessischen Metropole. Dass die Einrichtung nach Fürstenhagen (heute ein Ortsteil von Hessisch Lichtenau) kam, lag an dem Erwerb des Gutes Teichhof. Mit den Erlösen aus dem 140 Hektar großen Agrarbetrieb, aus dem in der heutigen Slowakei liegenden Kurbad Sliač und aus dem Meraner Hotel Meraner Hof sollte der Betrieb des Guts und des nach den Erkenntnissen Pestalozzis geführten Hauses sichergestellt werden.

Hochbetagt konnte Lenoir erleben, wie in seiner Stiftung Kinder in familienähnlichen Gruppen heranwuchsen. Ein eigenes „Stifterzimmer” im zweiten Stock des Mittelhauses war ihm bei seinen zahlreichen Besuchen Wohnung. Fürstenhagen wurde für ihn auch zur letzten Ruhestätte. Nach seinem Tod am 2. November 1909 in Meran/Südtirol, wurde er am 9. November im Mausoleum der Stiftung in Fürstenhagen beigesetzt. Doch so sehr der gewiefte Geschäftsmann George André Lenoir sich auch bemüht hatte, sein Werk auf Dauer anzulegen, die geschichtlichen Veränderungen dieses Jahrhunderts führten schon bald nach dem 1. Weltkrieg dazu, dass das Vermögen zu einem großen Teil verlorenging. Die von ihm errichteten Gebäude, heute stehen sie unter Denkmalschutz, haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich: Es waren unter anderem drei Waisenhäuser, das benachbarte Gut Teichhof, ein Pestalozzi-Denkmal, ein Wasserwerk, zwei Mühlen und eine Bäckerei. Später wurden die Häuser der Lenoirstiftung als Aus- und Übersiedlerwohnheim genutzt, sie standen im Eigentum des Landes Hessen. Das eindrucksvolle Mausoleum, malerisch im nahegelegenen Wäldchen oberhalb eines Teiches gelegen, hingegen blieb der Stiftung, deren Verwaltung der Stadt Kassel obliegt.

Lenoir ist seit 1893 Ehrenbürger der Stadt Kassel.

Literatur: Erika Wegner. Die Kasseler Lenoir-Stiftung und das Bad Sliac. Zum 75. Todestag von G. A. Lenoir. Jahrbuch Landkreis Kassel 1986, S. 87 - 96

Sein Leben in Kürze

Fast genau vor 182 Jahren, am 5. Februar 1825, wurde George André Lenoir in Kassel geboren. Sein Vater Jérome Henri Lenoir war Kaufmann aus einer Hugenottenfamilie, seine Mutter Katharina Elisabeth war in Kassel geboren.

In Kassel besuchte Lenoir das Polytechnikum, an dem die Gelehrten Wöhler, Liebig und Bunsen unterrichteten. Im Lauf seiner Studienzeit kam er auch nach Paris und Wien. Dort wohnte er als österreichischer Staatsbürger bis zum Jahr 1888 und verdiente sein Geld als Unternehmer - er handelte mit physikalischen und chemischen Apparaten und Lehrmitteln.

Während dieser Zeit sammelte Lenoir ein Vermögen an. Seiner Geburtsstadt Kassel vermachte er einen beträchtlichen Teil davon. Am 25. Oktober 1893 erhielt die Stadt Kassel per Vertrag zwei Millionen Goldmark. Die Schenkung, als „Stiftung der Brüder George und Conrad Lenoir“ deklariert, sollte für die Erziehung von „Waisen - ohne Rücksicht auf Konfession, Orts- und Landeszugehörigkeit der Eltern“ eingesetzt werden. Neben der „Allgemeinen Waisenstiftung“ gründete George Lenoir auch eine „Friedhofs-Stiftung“ mit der Auflage zur Errichtung einer Begräbnisstätte für die Familie Lenoir.

1903 begann man mit dem Bau des Mausoleums, vier Jahre darauf begann der Bau der Lenoirhäuser unter Leitung des Kasseler Architekten Julius Eubell. Am 1. April 1909 wurde das Haupthaus, später sozialpädagogische Fachschule, mit Nebengebäude mit zunächst 20 Mädchen bezogen.

Am 8. Oktober 1909 feierte George André Lenoir dort mit den Waisenkindern den Geburtstag seines Vaters, keinen Monat später, am 2. November 1909, starb er in Meran an der Wassersucht.

Das Lenoirstift ist mittlerweile verkauft. Für 460 000 Euro erhielt ein unbekannter Bieter den Zuschlag für die Gebäude, die vorher Eigentum des Landes waren.

siehe auch

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