Georg Friedrich Grotefend

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Berühmte Mündener

Georg Friedrich Grotefend

Georg Friedrich Grotefend

Wenn er nicht gewettet hätte, wäre er vielleicht nie so berühmt geworden. Und dann würde vielleicht auch das Gymnasium in seiner Heimatstadt Hann. Münden nicht seinen Namen tragen. Georg Friedrich Grotefend hatte nämlich im Sommer 1802 als 27-Jähriger mit dem Göttinger Bibliothekssekretär Rafaello Fiorillo die Wette abgeschlossen, dass es ihm gelingen werde, eine Inschrift zu entziffern, von der er weder wisse, in welcher Sprache sie abgefasst ist, noch wovon sie berichtet. Sein Freund setzte ihm die bis dahin völlig unerforschte Keilschrift vor. Das ist eine Schrift, die Sumerer, Babylonier, Assyrern und anderen Völkern seit etwa 3000 vor Christus im Bereich des heutigen Irak und des westlichen Iran verwendeten. Zunächst hatte Grotefend beim Enträtseln der Schrift durch die relative Häufigkeit einzelner Zeichen darauf gedeutet, dass die Sprache Vokale enthalten müsse. Da die Schriftzeichen von Denkmälern stammte, schloss er darauf, dass die Namen der König auch auf den Inschriften der Denkmäler stehen müsste und erhielt so Hinweis auf die Bedeutung einzelner Zeichenkombinationen. Durch solch kluge Kombination gelang es Grotefend innerhalb weniger Wochen, die von ihm untersuchte Keilschrift von Persepolis weitgehend zu entschlüsseln - das war vor ihm noch niemandem gelungen. Der Ruhm war dem in Münden geborenen Sohn eines Schuhmachers sicher. Der studierte Theologe und Sprachwissenschaftler, der zur Zeit der Wette Lateinlehrer an der Göttinger Stadtschule war, wurde zunächst als Prorektor an ein Gymnasium in Frankfurt berufen, wird später Professor und Mitglied vieler wissenschaftlicher Gesellschaften in Europa und veröffentlicht zahlreiche wissenschaftliche Werke und auch eine zweibändige Lateingrammatik. 1853 stirbt Georg Friedrich Grotefend, vier Jahre nachdem er in den Ruhestand gegangen war, in Hannover.