Georg Christian Carl Henschel

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Georg Christian Carl Henschel (* in Gießen; † in Kassel) war ein deutscher Industrieller, Techniker und Unternehmer.

Von ihm ging mit der Gründung einer Gießerei in 1810, die sich an der Weserstraße in Kassel (ungefähr in Höhe des Finkenherds gegenüber der heutigen Max-Eyth-Schule) befand, die Entwicklung des Henschel-Imperiums aus.


Der Grundstein des Großunternehmens Henschel

Über sechs Generationen hat die Familie Henschel das Leben in Kassel geprägt. Der einstmals größte Lokomotivbauer Europas hat Technik- und Sozialgeschichte geschrieben, die Mitarbeiter waren stolz darauf, „bi Henschel“ zu sein. Die Firmengeschichte beginnt mit einem jungen Mann auf Arbeitssuche. 18 Jahre alt ist Georg Christian Carl Henschel, als er sich im Jahr 1777 von Gießen aus auf Wanderschaft macht. Für einen Gesellen ist das damals so üblich. Er hat das Handwerk des Glockengießers gelernt und sucht eine Anstellung. Die findet er im landgräflichen Gießhaus in Kassel.

Und nicht nur das. Die Tochter seines Meisters, Christine Wilhelmine Friedericke Storck, wird kurze Zeit später seine Frau. Der junge Henschel muss ein tüchtiger Handwerker gewesen sein. Gemeinsam mit seinem Meister und Schwiegervater bekommt er von Landgraf Wilhelm IX das Privileg zur Herstellung von Kanonen, Feuerspritzen und Glocken. Die Geschäfte laufen gut, Carl Henschel kauft das Freyhaus an der Weserstraße. Dieses dreistöckige Gebäude mit dem angrenzenden Grundstück wird zur Keimzelle der Firma Henschel.

Dafür sind indirekt die Franzosen verantwortlich. Im Jahr 1806 besetzen Napoleons Truppen die Residenzstadt Kassel, Kurfürst Wilhelm I. muss ins Exil gehen. Der neue Herrscher heißt Jérôme und bestellt bei Carl Henschel jede Menge Kanonenrohre. Weil die neuen Herrscher aber die Rechnungen nur schleppend und oft auch nicht komplett begleichen, kommt es zum Streit. Henschel verweigert die Auslieferung neuer Kanonenrohre, die Retourkutsche kommt prompt. Die Familie muss das Gießhaus verlassen. Gleichzeitig wird Carl Henschel sein Amt als staatlicher Stückgießer los.

Allzu groß kann der Schock nicht gewesen sein, denn Henschel lernt schnell, auf eigenen Beinen zu stehen. Im Hinterhof des Freyhauses richtet er eine neue Gießerei mit Werkstätten ein. Er ist jetzt selbstständiger Unternehmer. Der Auszug aus dem Gießhaus ist die Geburtsstunde des späteren Großunternehmens Henschel & Sohn. Der 28. Juni 1810 geht als Gründungsdatum in die Geschichte ein.

Als drei Jahre später die Franzosen abziehen und Kurfürst Wilhelm I. zurückkehrt, ernennt er Carl Henschel schnell wieder zum kurfürstlichen Stückgießer. Henschel zieht zurück ins Gießhaus. Doch seine eigene Werkstatt im Freyhaus behält er auch. Die wird zur Keimzelle eines Großunternehmens.

Leben und Werk

Georg Christian Karl Henschel

Georg Christian Carl Henschel wuchs in Gießen auf und erlernte das Gießerhandwerk bei seinem Vater.

1777 kam er als Geselle nach Kassel und fand beim Stück- und Rotgießer Johann Friedrich Anton Storck Arbeit. Nach nur drei Jahren als Geselle wurde er Teilhaber an der Gießerei, die Storck als Staatsbediensteter auf private Rechnung betrieb.

Er heiratete 1780 die Tochter seines Prinzipalen Christine Wilhelmine Storck die ihn im Schreiben, Lesen und Rechnen unterrichtete. 1799 wurde die erste Feuerspritze von Storck und Henschel nach Zittau verkauft.

Landgraf Wilhelm IX. verlieh ihm 1795 den Titel der "vacante Stückgießerstelle gegen die freye Wohnung in dem dasigen Gießhause" und Benutzung des daneben liegenden Gartens.

1796 wurde nach Henschels Entwürfen ein Bleiwalzwerk gebaut, das ein Halbzeug der Bleirohrproduktion herstellte. Zudem wurde er 1796 herrschaftlicher Brunnenleiter und war verantwortlich für die Wasserversorgung in Kassel.

1799 erwarb er zum Ausbau der Gießerei und Werkstätten das so genannte Freyhaus, das mit der Gießerei einen geschlossenen Gebäudekomplex bildete.

1802 kam das 10. Kind des Ehepaares Henschel zur Welt. Als "fürstlicher Hofgießer" stand Henschel im öffentlichen Dienst. Er beschäftigte sich vornehmlich mit Geschütz- und Glockenguss.

1806 goss Henschel im durch die Truppen Napoleons besetzen Kassel für dessen Truppen Kanonenrohre. Nach Streitigkeiten um die Preise für die Kanonenrohre verließ er am 28. Juni 1810 das Gießhaus im Streit mit dem französischen Stadtkommandanten Artilleriegeneral Alix und zog ins benachbarte zufällig leer stehende Freyhaus.

Gründung der Firma Henschel

1810 kann als eigentliches Gründungsjahr der Firma Henschel angesehen werden, da Henschel nunmehr völlig selbständig war. Er baute im "Freyhaus" erneut eine Gießerei.

1817 beantragte Henschel die Verlängerung des Produktionsprivilegs und zusätzlich beantragte er die Genehmigung zum Alleinverkauf seiner Erzeugnisse. Den Wandel, der durch die industrielle Revolution ausgelöst wurde und gekennzeichnet war von der Werkstattfertigung zur Massenfertigung, konnte er nicht auf sein Unternehmen übertragen.

1836 wurde das Gießhaus durch einen Brand zerstört, das erlebte Georg Christian Carl Henschel jedoch nicht mehr; 1835, drei Jahre nach dem Tod seiner Frau starb er in Kassel.

Sein zweiter Sohn Johann Werner Henschel sollte das Unternehmen übernehmen. Er war zunächst als Bildhauer tätig. 1810 kehrt er aus Paris zurück und gründete zusammen mit seinem Vater die damals noch kleine Fabrik. In die Firma stieg sieben Jahre später auch Sohn Carl Anton Henschel, der zum Baumeister und Maschinendirektor avanciert war, als Teilhaber ein. Bald verlegte man sich mehr und mehr auf den Maschinenbau, zu deren Begründern Carl Anton Henschel in Deutschland gehörte.

siehe auch