Gasthaus Finger am Obermarkt

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Aus der HNA vom 19. Januar 2013

Feuer vernichtete Gasthaus

Von Karl-Hermann Völker

Gastwirt Heinrich Finger
Als Konrad Neuschäfer, genannt der „Schleicher“, am Sonntag, 19. Januar 1913, morgens gegen vier

Uhr auf dem Heimweg vom Wintervergnügen des Vereins Frohsinn im „Deutschen Haus“ war, lagen Gasthaus und Metzgerei Wilhelm Finger (später Gasthaus „Zur Säule“) auf dem Obermarkt neben dem Rathaus noch in tiefer Nachtruhe, wie er später berichtete. Kurz nach sieben Uhr wurden die Frankenberger Bürger durch Feuerglocke und Hornsignal jäh aus dem Schlaf gerissen: Aus dem stattlichen Gebäude stieg dichter Qualm, später loderten Flammen heraus, die Bewohner flüchteten „kaum mit den nötigsten Kleidungsstücken versehen“ - ein Teil der Altstadt war vom Feuer bedroht. Die Familie Finger wurde erst wach, als der Rauch schon durch die Schlafzimmerdecke drang.

Das Gasthaus Finger vor 1849
Anni Neuschäfer geb. Finger, die gemeinsam mit ihrem Sohn Peter heute das Hotel Ratsschänke an der Stelle des Gasthauses ihrer Vorfahren führt, berichtet über die Brandkatastrophe: „Meine Großmutter Anna geb. Loderhose konnte noch rechtzeitig meinen damals vierjährigen Vater Wilhelm aus dem Haus führen, der Großvater Heinrich Finger schleppte den gelähmten Urgroßvater Wilhelm Finger auf seinem Rücken ins Freie.“ An Rettung des Inventars war nicht mehr zu denken. Schlimmer noch war der Verlust an Vieh, das sich in dem Stallgebäude befand. Als man dort die Tür öffnete, „drang den Eintretenden dichter Rauch entgegen, der hier gräßliches Unheil angerichtet hatte“, schrieb das Kreisblatt und zählte auf: „2 Pferde, 9 Stück Rindvieh, 10 große und 30 kleine Schweine lagen erstickt am Boden.“ Sowie nun Luft an den

Brandherd kam, brach das Feuer erst richtig aus. Die Frankenberger Feuerwehr konnte sich von jetzt ab nur noch darauf beschränken, die Flammen einzudämmen und das benachbarte Haus Marx (Obermarkt 15) mit Wasser kalt zu halten. Das auf der anderen Straßenseite gelegene Rathaus wurde „unter schärfste Bewachung gestellt und blieb unbeschädigt“. Gegen Mittag glich das einst stattliche Eckhaus nebst anhängenden Wirtschaftsgebäuden nur noch einem „wüsten Trümmerhaufen“.

Danksagung der Familie Finger
Große Fleisch- und Wurstbestände, Frucht- und Futtermittelvorrat, Maschinen und sogar Wertpapiere der Metzgerfamilie Finger waren vernichtet.„Seit Menschengedenken ist eine derart plötzliche Brandkatastrophe mit Verlust an lebendem Inventar hier nicht vorgekommen“, bilanzierte die Lokalzeitung. Die Feuerwehrleute gerieten in höchste Gefahr, als sie die Tierkadaver bergen sollten und dabei eine Giebelwand einstürzte. Glücklicherweise wurden nur zwei Wehrleute leicht verletzt. Mit einer Anzeige dankte die geschädigte Familie Finger Tage später der Feuerwehr und allen Nachbarn herzlich für die Hilfe bei ihrem Unglück.[1]

Quellen und Links

  1. Aus HNA.de vom 19. Januar 2013:Gaststätte und Metzgerei Wilhelm Finger brannte vor 100 Jahren ab