Galerie Vondermühl Hofgeismar

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In der kleinen Galerie Vondermühl (Hofgeismar, Markt 15) widmet sich der Hofgeismarer Künstler Klaus Vondermühl auch den Werken seines Großvaters, des Kunstmalers Adolf Faust.

Klaus Vondermühl

Er wählte lieber seine Freiheit

Klaus Vondermühl lebt den Alltag eines Künstlers mit allen Vor- und Nachteilen

Artikel aus HNA-online vom 9.1.2013

Hofgeismar. Es gibt Tage, die sind einfach deprimierend, sagt er. Wenn er in der Galerie sitzt und stundenlang kein Kunde kommt. „Aber ich habe es mir nun mal so ausgesucht“, sagt Klaus Vondermühl und lächelt durch seinen weißen Vollbart.

Klaus Vondermühl ist in Hofgeismar bekannt. Das liegt weniger an seiner Galerie als an seiner Erscheinung und seiner Persönlichkeit. Der dicke Vollbart umrahmt sein Gesicht von unten, eine Mütze von oben. Dazwischen funkeln die nachdenklichen Augen über der großen Nase. Man trifft den 70-Jährigen oft im Café am Markt, wo er am frühen Abend schwarzen Tee trinkt und den Eingang zu seiner Galerie beobachtet. Oder an der Straße Richtung Kassel, wo er hin und wieder als Tramper unterwegs ist.

Ein Lebenskünstler
So auffällig wie sein Äußeres ist auch Klaus Vondermühls innere Einstellung. Als Lebenskünstler wird er gelegentlich bezeichnet, als einer, der sich durchschlägt.

Vondermühl wuchs bei den Großeltern in Hofgeismar auf, der Großvater war Kunsterzieher und nebenberuflicher Künstler. Der Enkel wollte zuerst Gärtner werden, verwarf diesen Plan aber schnell. Die Schule habe ihm nichts geboten, sagt Vondermühl. Er habe eine „beschissene Ausbildung“ bekommen, sei aufs Gymnasium getrimmt worden, wo er nicht zurecht kam und ohne Abschluss wieder abging. Es folgten eine Malerlehre und die Meisterschule für Kunsthandwerk. Vondermühl hatte zwischenzeitlich eine Firma und eröffnete 1978 seine Galerie.

„Es hat ein paar fette Jahre gegeben, aber oft war ich pleite.“ Auch heute hat er mit Geldsorgen zu kämpfen. Zu seiner kleinen Rente bekommt er die Grundsicherung. Für seinen Lebensstil nimmt er diese Probleme aber in Kauf. Sonst hätte er wieder eine Malerfirma gegründet, sagt Vondermühl.

Doch das kam nie ernsthaft in Frage. „Geregelte Arbeitszeiten sind für mich ein Groll. Dann ist in mir alles auf Sperre eingestellt.“ Das war schon immer so. Einen Tag sei er im Kindergarten gewesen, danach nie wieder. „Ich arbeite dann, wenn es von innen heraus kommt“, sagt er.

Kunst gibt ihm ein Ventil, durch das er seelische Leiden herauslässt. „Ich greife zum Pinsel, male alles runter und bin dann befreit.“ Außerdem behalte man so ein waches Auge. Und beobachte alltägliche Dinge etwas anders. Aber ist für ihn Kunst eigentlich? Wenn man es genau betrachte, beginnt die Kunst schon bei den einfachsten Dingen. Besteck oder Geschirr etwa. Auch sie seien von Künstlern geformt worden. „Wir würden wie unsere Vorfahren auf dem Boden sitzen und mit den Händen essen, wenn es keine Künstler gebe.“

von Eugen Maier

Film

siehe auch