Gahrenberg

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Gahrenberg (nordöstlich von Holzhausen) ist mit 472 m - ebenso wie der gleich hohe Staufenberg - der höchste Berg im Reinhardswald im Landkreis Kassel.

Braunkohlenzeche Gahrenberg

Hinweisschild zum Eco-Pfad Bergbau Holzhausen Reinhardswald am Bürgerhaus in Holzhausen

Schon im 16. Jahrhundert baute Johann Pfeffer aus Kassel einen Stollen zur Kohlegewinnung am Gahrenberg. Hier fand er auch Alaunerde, ein schwefelhaltiges Mineral, das unter anderem als Beize eingesetzt wurde. Beim Alaunteich am Gahrenberg lassen sich noch die Reste einer frühneuzeitlichen Alaun-Manufaktur erkennen.

Besonders aber der Abbau der Braunkohle hat eine lange Tradition im südlichen Reinhardswald. Ende des 19. Jahrhunderts lag die jährliche Braunkohle-Förderung bei etwa 2300 Tonnen, vor dem Zweiten Weltkrieg sogar bei 10000 Tonnen pro Jahr.

Schon 1575 wurde am Gahrenberg Kohle entdeckt. Planmäßig gefördert wurde von 1842-1970 durch die Firmen G. E. Habich’s Söhne, Veckerhagen, sowie die Firma Wegmann, Kassel. Auch Spuren des Alaunabbaus vom 16. bis zum 18. Jahrhundert sind noch sichtbar.

Keineswegs nur zur Wärmegewinnung oder zum Antrieb von Dampfmaschinen diente die im Reinhardswald gewonnene Braunkohle, die im 19. Jahrhundert gleich in mehreren Bergwerken im südlichen Reinhardswald gewonnen wurde. Drei davon lagen am Gahrenberg, zwei weitere am Ahlberg und am Möncheberg.

Im Forstbetrieb Gahrenberg wurde in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine werkseigene Braunkohlenzeche der Farbenfabrik Habichs Söhne eröffnet, die neben Braunkohle auch ein für die Farbenherstellung benötigtes Mineral lieferte. Bekannt wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besonders das „Casseler Braun“ der Farbenfirma, die inzwischen in Veckerhagen ansässig geworden war und am Gahrenberg die weniger verkohlte Schmier- und Farbkohle abbaute. Nach dem Erwerb der Braunkohlenzeche im Reinhardswald im Jahre 1834 gehörten auch Farbkohlen sowie Nussbeizen und natürliche Erdfarben zur Produktpalette.

Das „Kasseler Braun“ wird bis heute in Künstlerkreisen als Vandyckbraun geschätzt.

Bis 1970 wurde am Gahrenberg Braunkohlen-Bergbau (mit Schrägstollen) betrieben, bevor der letzte Montanbetrieb erlosch.

Lange Zeit danach war das Steigerhaus am Gahrenberg aus der Mitte des 19.Jahrhunderts noch ein beliebtes Ausflugsziel. Nach dem Abriss des nahe gelegenen Kesselhauses wurden aber auch am Steigerhaus erhebliche Schäden sichtbar, die schließlich zum Abriss führten.

HNA – online vom 17.8.2010:

Investor und Hessen-Forst ziehen sich aus Plänen zurück
Steigerhaus wird nicht wieder aufgebaut

Reinhardshagen/ Holzhausen. Das Projekt Steigerhaus ist gestorben. Das vor zwei Jahren bei Renovierungsarbeiten eingestürzte Gebäude am Gahrenberg im Reinhardswald wird nicht wieder aufgebaut.

Wie der Leiter des Forstamtes Reinhardshagen, Dr. Norbert Teuwsen sagte, habe sich der Investor aus dem Vorhaben zurückgezogen. Strenge baubehördliche Auflagen, nicht akzeptable Forderungen des Landes Hessen als Eigentümer des Baugrundes und die Ansprüche der politischen Parteien aus Reinhardshagen hätten den privaten Geldgeber dazu bewogen, vom Wiederaufbau des Steigerhauses Abstand zu nehmen.

Nach dem Einsturz des etwa 150 Jahre alten Hauses hatte sich Hessen-Forst als Bauherr und der Kasseler Investor für einen Neubau eingesetzt, der dem originalen Steigerhaus nachempfunden sein sollte.

Als Betriebsstützpunkt des Forstamtes Reinhardshagen und Jagdhaus hatte das Gebäude ausgebaut werden sollen. Zudem hatte der Investor die Immobilie privat nutzen wollen. (ant)

Literatur

  • "Farbe als Verkaufsschlager - Braun- und Farbkohleabbau im Reinhardswald", Artikel von Antje Thon in HNA - Ausgabe Hofgeismar vom 4.12.2009
  • Region Kassel Land e.V. (Hrsg.), Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele, Wolfhagen 2011

Naturschutz

Zum Gahrenberg gehört das Naturschutzgebiet "Bruchwald am Gahrenberg".

Sage

Die Sage zum Gahrenberg findet sich bei Heinrich Rohde, Weserwellen und Diemelgrand - Geschichten und Sagen aus dem Gebiete der oberen Weser, der Diemel und der Esse, 5. Auflage aus Anlaß seines 50. Todestages, herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Micha Röhring, Hofgeismar 1995, S. 45.

siehe auch

Schwarzerle im Naturschutzgebiet „Bruchwald am Gahrenberg“ (Foto: Bogumil)

Wandern

  • Der Wandertipp: Auf den Spuren des Bergbaus führt von Reinhardshagen (Ortsteil Veckerhagen) zum Gahrenberg und zur ehemaligen Braunkohlenzeche Gahrenberg im Reinhardswald.
  • Von Vaake (Wanderparkplatz "Ahletal") verläuft zum Gahrenberg der "Bergmannspfad" entlang der Nassen Ahle.
  • Im Wanderführer der Region Kassel Land e.V. ("Unterwegs im Reinhardswald - 52 Wege und Ziele", Wolfhagen 2011) wird eine attraktive Wanderung zum Gahrenberg beschrieben, die am Parkplatz der Kirche in Wilhelmshausen (Holzhäuser Strasse) beginnt und endet. Er führt durch das Mühlbachtal zum Gahrenberg und im zweiten Teil vorbei an den "Heiligenlägerteichen" durch das Tal des Elsterbachs nach Wilhelmshausen zurück.

Weblinks