Fuldabad

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Badeschiffe am Ufer der Fulda: 1906 hielt der Fotograf Georg Leonhardt die Szenerie für ein Postkartenmotiv fest. Links ist Dr. Wiedeholds Badeanstalt zu sehen, auch als Gossmanns Badeschiff bekannt. Die Postkarte stammt aus der Sammlung von Rolf Lang.

Das Baden in der Fulda hat in Kassel eine lange Tradition. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts gab es einen regen Badebetrieb. Boote brachten die Besucher damals zu einer Badeanstalt am östlichen Fuldaufer auf Unterneustädter Seite. Diese Badeanstalt wechselte in den Folgejahren mehrmals den Besitzer.

Im Jahr 1829 hatte der Konditormeister Jérôme Francois Labassé die pfiffige Idee, an der Fulda das erste private Flussbad, den Casseler Badebetrieb, zu eröffnen. Zehn Jahre später übernahm der Hutmacher Jean Baptiste Collet das Bad. Er beließ es nicht beim Planschen im Wasser, sondern bot „Personen männlichen Geschlechts“ Schwimmunterricht an.

Der Badebetrieb blieb in den Folgejahren in Familienbesitz: Sohn Georg folgte auf den Vater, und 1871 übernahm der Enkel, wie der Großvater ein Jean Baptiste, die Schwimmanstalt. Der stellte bald einen ehemaligen Militär-Schwimmlehrer ein, der alle Kasseler Schüler im Schwimmen unterrichtete.

Ende des 19. Jahrhunderts kam sie in die Hände von August "Schwimmi" Gerhardt. Er vergrößerte die Badeanstalt und ersetzte den Bootsverkehr 1897 durch eine Holzbrücke, die im Frühjahr mühsam aufgebaut und im Herbst wieder abgebaut werden musste. Dies änderte sich 1938, als Pioniere der Mündener Garnison die provisorische Badebrücke durch eine stabile Pfahl-Konstruktion ersetzten. Doch die Freude daran währte nicht lange. Im Februar 1940 wurde die Brücke von Eisschollen zerstört. Auch die Drahtbrücke wurde damals beschädigt.

Wie beliebt das Baden in der Fulda in dieser Zeit war, zeigt die große Zahl von Badeeinrichtungen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts konnten die Kasseler zwischen drei Badeflößen, vornehmen Holzbadeanstalten und zwei Badeschiffen wählen. Später kam eine großzügige Badeanstalt hinzu.

Das städtische Flussbad an der Fulda wurde 1923 eingeweiht. Kassel war damals die erste Stadt in Deutschland mit einem derart großen Flussbad.
Wo heute das Auebad steht, wurde 1923 die städtische Flussbadeanstalt eröffnet. Bis zu 17 000 Besucher am Tag sollen sich darin getummelt haben. Kassel galt damals als einzige Stadt in Deutschland mit einer Flussbadeanstalt in dieser Größe. Historische Aufnahmen geben einen Eindruck davon. Mit dem Bau städtischer Bäder nach dem Zweiten Weltkrieg und dem gestiegenen Hygienebewusstsein verlor das Baden in der Fulda an Bedeutung. Die Kasseler wandten der Fulda den Rücken zu. Die Flussbadeanstalt wurde geschlossen. An ihrer Stelle errichtete die Stadt in den 1950er-Jahren das Auebad, das nun durch ein kombiniertes Hallen- und Freibad ersetzt werden soll.

Heute erinnert nur noch das Kurbad Jungborn (ehemalige Sinningsche Badeanstalt) in der Unterneustadt an die alte Badekultur. Ein inzwischen auf fast 100 Mitglieder angewachsener Förderverein, der das Kulturdenkmal liebevoll saniert, kümmert sich um das letzte Zeugnis der einst so beliebten Fuldabäder.

2009 wollen die Kasseler Architekten Frank Schütz und Marcus Wilhelm mit einem Fuldabadefloß an die lange Tradition des Flussbadens in Kassel anknüpfen.

Quelle

  • Uwe Feldner: Stadt-LEXIKON - (Fast) alles über KASSEL, erschienen im Herkules Verlag