Fritz-Aurel Goergen

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Er kam 1958 als Retter des Weltunternehmens Henschel und führte es aus der Krise. Eine ungeheure Leistung, doch am 26. April 1964 wurde er von einem Bankett in Hannover von der Seite des damaligen Bundeskanzlers Erhard verhaftet.

Dr. Fritz-Aurel Goergen verkaufte verbittert seine Henschel-Anteile. Ein gegen ihn wegen Betruges eingeleitetes Verfahren wurde 1974 eingestellt. Zuletzt lebte er am Genfer See, erinnerte sich aber gern an das "schöne Kassel".

Geschichte

Affäre Goergen: Henschel-Chef gerät unter Betrugs-Verdacht

Am Morgen des 22. April 1964 fährt vor der Henschelei eine Reihe von Fahrzeugen vor, denen etwa 50 Polizisten in Zivil entsteigen - Mitglieder einer Sonderkommission, die auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft Koblenz bei Henschel ermitteln soll. Das gesamte Personal des Bürogebäudes wird aus dem Haus gewiesen und spaziert auf dem Gelände herum, während die Beamten Berge von Akten sicherstellen.

Die Aktion ist Auftakt eines Wirtschaftskrimis, der in den folgenden Wochen nicht nur die Kasseler Öffentlichkeit in Atem hält: Der Generaldirektor der Henschel-Werke AG, Dr. Fritz Aurel Goergen, wird verdächtigt, Rechnungen an die Bundeswehr manipuliert und Gewinne von 400 000 Mark eingestrichen zu haben.

Wegen Verdunkelungsgefahr wird Goergen am 27. April 1964 verhaftet. Während der Henschel-Chef in Wehlheiden einsitzt, bangt die Öffentlichkeit um das Ansehen des traditionsreichen Unternehmens. Mit 13 500 Beschäftigten und 500 Millionen Mark Jahresumsatz gehört es zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren Nordhessens.

Wenige Tage nach seiner Verhaftung erkrankt Goergen. Als sein Zustand sich im Mai verschlechtert, wird er nach Hohenapserg bei Stuttgart, später in ein Koblenzer Krankenhaus verlegt.

Anfang Juni ist Goergens Gesundheitszustand so alarmierend, daß die Staatsanwaltschaft die Haft aufhebt. Wenige Wochen später wird bekannt, daß Goergen bei Henschel aussteigen will. Das Bundesverteidigungsministerium hat das Ausscheiden des 54jährigen zur Bedingung für einen neuen Großauftrag gemacht. Goergen, mit 54 Prozent am Aktienkapital der Henschel-Werke beteiligt, verhandelt mit der Essener Rheinstahl AG. Auch der amerikanische Anteilseigner, der Morgan Guarantee Trust, will seine Beteiligung abstoßen.

Anfang August hat man sich geeinigt. Für einen Kaufpreis von 110 Millionen Mark gehen die Henschelwerke an die Rheinstahl AG über - für das Kasseler Unternehmen der endgültige Schritt zum Konzern-Werk. Die Ermittlungen gegen Goergen laufen weiter. Er wird erst 1975 rehabilitiert.

Literatur

2010 erschien eine biografische Skizze über Fritz-Aurel Goergen und sein Wirken:

Peter Engelhard: Ich habe den Ruf, ein brutaler Hund zu sein. Fritz-Aurel Goergen und die Henschel-Werke. Lechner-Verlag, Calden 2010, ISBN 978-3-9813522-3-8

siehe auch