Friseurinnung

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Von Badern, Barbieren und Haarkräuslern

Haarformer, Haarkräusler, Bader, Balbierer, Barbierer, Feldscherer, Wundarzt und Friseur- die Liste der Berufsbezeichnungen ist lang. Heute ist den meisten Menschen aber nur das Wort Friseur noch ein Begriff. 280-jähriges Bestehen feierte die Friseurinnung Kassel Stadt und Land im Jahr 2003 und konnte dabei auf eine lange Geschichte ihres Berufszweigs zurückblicken.

Anlässlich des Jubiläums widmete sich die Innung ihrer Vergangenheit und erstellte mit Studiendirektor i. R. Helmut Bernert eine Chronik der Geschichte des Barbier-, Friseur- und Perückenmacherhandwerks in der Region.

1723, vor 280 Jahren, erhielten die Bader im Fürstentum Hessen eine Landgilde, so stand es vermerkt: Die Bader dürfen hierführo ein Becken nebst Schröpffköpffen an einer Stange außhangen. Barbiere dürfen vier Becken aushängen, so die Zitate aus historischen Dokumenten. Ein solches Becken hängt auch heute noch vor dem Haarstudio in der Wilhelmshöher Allee, das Gudrun Schuchhardt, Obermeisterin der Friseurinnung Kassel, betreibt. Originalgetreu nachgemacht, aus Nostalgie. Zum Aderlass wurde ein solches Becken benutzt und zum Rasieren, erzählt Schuchhardt. Und: Früher hat man den Leuten - um Wasser zu sparen - aufs Gesicht gespuckt oder ins Becken gespuckt und dann die Seife aufgeschäumt.

Waschen, Schneiden, Fönen, dazu Kosmetik und Maniküre, das macht heute die Arbeit der Friseure aus. Die Bader von früher aber ließen ihre Kunden auch zur Ader, kannten sich mit Wundversorgung aus, mussten gar Latein können und auch mal bei der Behandlung von Tieren aushelfen.

Schon lange vor Gründung der Innung gab es Barbiere und Bader. So verzeichnet das große Geschichtsplakat der Innung für das Jahr 1480, dass Landgraf Heinrich III. einen Mann in seine Dienste nahm, der ihn mit siner Kunst der artztze die, barbirens und anderes was er kann zur Seite stehen sollte, und zwar auf Lebenszeit. Das Schloss durfte er nur mit Erlaubnis des Landgrafen verlassen.

Die Peinliche Halsgerichtsordung aus dem Jahre 1535 mag für so manchen Barbier ein Segen gewesen sein, sprach sie ihn doch in folgendem Falle von jeglicher Schuld frei: "eyn balbierer schiert eynem den bart inn seiner stuben, als gewöhnlich zum scheren ist, vnd wirt durch eynen also gestossen oder geworfen, dass er dem, so er schiert, die gurgel wider seinen willen abschneit" - rutschte das Rasiermesser durch Rempelei anderer aus, hatte der Barbier also nichts zu befürchten.

So reizvoll der Rückblick in die Geschichte auch sein mag, die Kunden von heute sind wohl doch froh, solchen Risiken beim Friseurbesuch nicht mehr ausgesetzt zu sein.

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