Friedrichsgymnasium

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Das Kasseler Friedrichsgymnasium feierte im Jahr 2004 sein 225-jähriges Bestehen.

Geschichte

Lyceum Fridericianum

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Durch das Säulenportal auf dem rechten Bild betraten Generationen von Schülern das städtische Lyceum Fridericianum. Die prominentesten unter ihnen waren in den Jahren 1798–1802/03 die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Landgraf Friedrich II. hatte die Schule im Jahre 1779 der Stadt gestiftet.

Vorläufer des Lyceums war die alte städtische Lateinschule, die nach der Reformation im Kreuzgang der Martinskirche eingerichtet worden war. Wegen unzureichender Bauunterhaltung drohte zuletzt der Einsturz und das Gebäude musste 1776/77 abgebrochen werden; man kam notdürftig in angemieteten Räumlichkeiten unter, doch weder Stadt noch Kirche waren zu einem Neubau in der Lage. Daher nahm sich Friedrich II. der Schule an und modernisierte sie zugleich grundlegend.

Prominenter Schüler: Kaiser Wilhelm II.

Prominentester Schüler an der Wolfsschlucht war ab 1874 Prinz Wilhelm von Preußen, der hier 1877 sein Abitur ablegte: der spätere Kaiser Wilhelm II. Dass ein Thronerbe ein bürgerliches Gymnasium besuchte, war damals ein fortschrittliches und zugleich umstrittenes Experiment.

Das einst hochmoderne Schulgebäude galt in seiner Ausstattung inzwischen zwar als veraltet, und Wilhelms Mutter empfand die Klassenräume „ganz außergewöhnlich primitiv“. Gleichwohl hatte man die 1866 annektierten Hauptstädte Kassel und Wiesbaden ins Auge gefasst; und die Kasseler Schule habe sich – im Gegensatz zur Wiesbadener – in einem „blühenden Zustand“ befunden. Wilhelm wohnte nun im angrenzenden „Fürstenhof“ (Königsstraße 45), im Sommer nutzte er das Wilhelmshöher Schloss.

Den hohen Erwartungen seiner Mutter und seines Erziehers, mit einigem aufzuholenden Lehrstoff und zusätzlichem Privatunterricht in Englisch, Französisch, Reiten, Fechten, Zeichnen und Waffenlehre, konnte der Prinz allerdings nicht gerecht werden, und seine Leistungen blieben gut bis durchschnittlich. Als Kaiser erwählte Wilhelm später die Wilhelmshöhe zu seiner Sommerresidenz, empfing dort Oberprimaner und seine früheren Lehrer und tätigte der Schule mehrere Stiftungen (darunter 1907 das erste Ruderboot), doch übte er mehrfach harte Kritik am humanistischen Gymnasium; die Schule solle nationale junge Deutsche erziehen und nicht junge Griechen und Römer. Das deutsche Schulwesen wurde in der Folge reformiert, die altsprachliche Ausbildung eingeschränkt. Seine alte Schule hat Wilhelm nie mehr wieder betreten.

Wo der Kaiser die Schulbank drückte

Kaiser Wilhelm II., die Brüder Murhard und die Grimms, Franz Rosenzweig, Ernst Koch, Salomon Mosenthal und viele andere berühmte Persönlichkeiten drückten einst im Friedrichsgymnasium die Schulbank. Nicht alle so eifrig und wissbegierig wie Jacob und Wilhelm Grimm, die gleich mehrere Klassen übersprangen. Die Brüder Grimm, die ab 1798 das Lyceum Fridericianum besuchten, gehörten zu den Klassenbesten. "Mit Vergnügen können ihn die Lehrer als einen der fähigsten, fleißigsten und gesittesten Schüler empfehlen", heißt es in einem Zeugnis von 1799 über Jacob Grimm. Andere wie der Dichter Franz Dingelstedt, später Intendant des Münchener Hoftheaters und zuletzt Direktor des Burgtheaters in Wien, wirkten als Lehrer an der Schule.

Die Geschichte des Gymnasiums lässt sich bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts zurückverfolgen. Zur jener Zeit gab es in Kassel drei Schulen, die den jeweiligen Pfarreien angegliedert waren. 1539 fasste Philipp der Großmütige diese drei Schulen zu einer Lateinschule zusammen. Sie war im Kreuzgang der Martinskirche untergebracht. Die Schulaufsicht teilten sich Kirche und Stadt. Doch zeichnete sich im Lauf der Jahre ein äußerer und innerer Niedergang ab, die Räume waren dem Verfall ausgesetzt. Um diesem Missstand eine Ende zu machen und von der Aufklärung beseelt, gründete Landgraf Friedrich II. im April 1779 das Lyceum Fridericianum, indem er der Stadt Kassel das so genannte Zanthiersche Haus in der Königsstraße 47 schenkte. Damit brachte er das erste Gymnasium Kassels auf den Weg. Später wurde auf dem Grundstück ein zweites Gebäude errichtet, mit der Front zur Wolfsschlucht. Prinz Wilhelm legte hier seine Reifeprüfung ab. Der Landgraf legte Wert darauf, dass Latein und Griechisch unterrichtet wurden als Grundlage aller Bildung.

Auch heute noch wird am Friedrichsgymnasium Latein als erste Fremdsprache gelehrt. Griechisch kann ab der neunten Klasse als Wahlpflichtfach hinzugenommen werden. Altmodisch ist die Schule trotz der alten Sprachen aber nicht. Das Sprachenangebot umfasst ebenso Französisch, Spanisch, Italienisch, Russisch, Hebräisch und natürlich Englisch. Früher eine reine Jungenschule, stellen die Mädchen heute gut die Hälfte der Schüler. 1943 ging die alte Schule im Bombenhagel unter. 1957 wurde das neue Gebäude in der Humboldtstraße bezogen. Mit der Öffnung für Mädchen wurde der Zulauf immer stärker. Anfang der 90er-Jahre wurde das Gebäude durch einen Neubau erweitert.

Neubau und Tradition

Blick aus Wolfsschlucht 25 auf das Friedrichsgymnasium (Wolfsschlucht 20), um 1877-86.
Der Neubau des Kasseler Gymnasiums wurde 1840-42 nach Plänen des kurfürstlichen Oberbaurats Johann Conrad Rudolph errichtet, unter damals modernsten Gesichtspunkten; die Unterrichtsräume waren hoch und geräumig, „mit Rücksicht auf die Augen“ lichtgrau tapeziert, und die Bänke und Schreibpulte hatte man der durchschnittlichen Körpergröße der jeweiligen Altersstufen angepasst. Der Schulhof war mit Turn- und Spielgeräten, Kegelbahnen und einer Turnhalle ausgestattet.

1863 wurden an der Hofseite neue Bibliotheksräume aufgestockt, 1901 an der Straßenseite u.a. ein neuer Zeichensaal. Nachdem das Gebäude beim Großangriff 1943 ausgebrannt war, errichtete man 1954-57 einen Neubau an der Humboldtstraße.

Die Tradition der Schule reicht bis zu den drei mittelalterlichen Pfarreischulen Kassels zurück, die 1539 durch Landgraf Philipp zu einer städtischen Lateinschule zusammengeschlossen wurden. 1779 stiftete Landgraf Friedrich II. ein neues Schulhaus (Königsstraße 47) und ließ die Schulverfassung reformieren. Prominenteste Schüler des neuen „Lyceum Fridericianum“ waren Jacob und Wilhelm Grimm.

Nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen dem kurhessischen Staat und der Stadt Kassel wurde das Lyceum mit einem 1835 gegründeten Landesgymnasium vereinigt, und das „Gymnasium, genannt Lyceum Fridericianum“ erhielt jenen Neubau auf der Rückseite des Lyceumsgrundstücks. Mit der Annexion Kurhessens 1866 ging das Gymnasium an den preußischen Staat über. Bei Abspaltung des Wilhelmsgymnasiums 1886 änderte man den Schulnamen in „Königliches Friedrichsgymnasium“.

Ruderverein feiert große Erfolge

"Nun rudert mal schön!", waren die Worte von Kaiser Wilhelm II., als er dem Kasseler Friedrichsgymnasium sein erstes Ruderboot schenkte. Das ist sehr lange her. 1907 brauchte der Kaiser zur Verwirklichung seiner Pläne Kadetten für die Marine, und so kam es zu Gründungen von gymnasialen Schülerrudervereinen im preußischen Herrschaftsbereich. Mittlerweile ist alles etwas unpolitischer geworden, und der Sport steht im Bootshaus an der Damaschkebrücke im Vordergrund.

Anlässlich der 225-Jahrfeier des Friedrichsgymnasiums präsentierte sich im Jahr 2004 auch dessen Ruderverein als wichtiger Bestandteil der Schule. Rund 300 Schüler rudern von der fünften bis zur 13. Klasse und damit ist jeder Dritte Mitglied im Ruderverein des Friedrichsgymnasiums (RVFG).

Der RVFG ist einer der erfolgreichsten hessischen Ruderverein im Bereich Kinder und Jugend sowie einer der besten Schülerrudervereine bundesweit. Der Vereinsbeitritt ist auch für Personen möglich, die nicht dem Friedrichsgymnasium angehören. In 2007 feiert der Ruderverein 100-jähriges Bestehen, und es werden viele Ehemalige erwartet. Vielleicht gibt es da auch wieder ein Boot als Geschenk - wie damals, von Kaiser Wilhelm II.

siehe auch

Verlorene Stadt

Ausstellung: Verlorene Stadt

Rundgang 1: Stationen der Ausstellung "Verlorene Stadt"
Station 1: Wilhelmsstraße | Station 2: Engelsburg | Station 3: Wolfsschlucht 5-11 | Station 4: Opernstraße 15 | Station 5: Gnadengässchen | Station 6: Theaterstraße | Station 7: Wolfsschlucht 19-21 | Station 8: Theaterstraße 4 und 2 | Station 9: Blick auf das Friedrichsgymnasium | Station 10: Wolfsschlucht / Kölnische Straße

Weblinks und Quellen