Friedrich Paulus

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Reifezeugnis am Wilhelmsgymnasium

Der spätere Generalfeldmarschall Friedrich Paulus machte 1909 in Kassel das Abitur

Im Archiv des Wilhelmsgymnasiums findet man zwei dicke Folianten. In dem einen sind die Abiturzeugnisse der Schülerschaft, sorgsam nach Jahrgängen geordnet, vereint. Der andere enthält die Namensverzeichnisse der Knaben, die einst als hoffnungsvolle Sextaner ihre Schulkarriere begannen. In alphabetischer Reihenfolge sind sie dort mit schwungvollem Federzug aufgezeichnet.

Laufende Nummer 2031: Paulus, Friedrich Wilhelm Ernst. Als Generalfeldmarschall errang er im Frühjahr 1943 traurige Berühmtheit, denn er musste sich im Kessel von Stalingrad mit den kläglichen Resten der 6. Armee den sowjetischen Truppen ergeben. Einen rechtzeitigen Ausbruch hatte er zuvor auf ausdrücklichen Befehl Hitlers abgelehnt.

Doch noch sind wir im Jahre 1900. Wie dem Schülerverzeichnis zu entnehmen ist, wurde Friedrich Paulus Ostern in die Sexta aufgenommen. Die Familie wohnte zu dieser Zeit in der Friedrichsstraße 32. Vater Ernst war als Buchhalter a. d. Landeshauptkasse in Cassel tätig, wie in der entsprechenden Rubrik des Folianten vermerkt ist. Sohn Friedrich war am 23. September 1890 in Breitenau geboren worden, wo der Vater als Kassenverwalter an der Erziehungsanstalt Breitenau Dienst tat und die Tochter Bertha des Leiteres dieser Einrichtung geheiratet hatte. Neben Friedrich waren dem Ehepaar noch ein weiterer Sohn (Ernst, 1897) und eine Tochter (Elisabeth, 1899) geboren worden.

Friedrich Paulus durchlief das Königliche Wilhelms-Gymnasium zu Cassel ohne Probleme und bestand 1909 das Abitur. Von der mündlichen Prüfung wurde er befreit, wie im Zeugnis der Reife vom 11. März 1909 zu lesen ist. Herausragend waren seine Leistungen keineswegs. Gut gab es in Latein, Französisch, Geschichte und Erdkunde. Ansonsten herrschte ein Genügend vor. Eben diese Note heimste Paulus auch in Fleiß ein. Ein sehr gut findet sich nur im Fach Turnen.

Die Königliche Prüfungs-Kommission vermerkte im Reifezeugnis des 18-Jährigen ausdrücklich, Friedrich Paulus verlasse nun das Gymnasium, um sich der Marinelaufbahn zu widmen. Doch dieser Plan scheiterte an den Zeitumständen. Die Kaiserliche Marine nahm für ihre Offizierslaufbahn nur Adlige auf. Der aus bürgerlicher Familie stammende Paulus hatte keine Chance. Er ließ sich 1909/10 für ein Semester an der Marburger Universität in der Juristischen Fakultät immatrikulieren und trat dann im Februar 1910 als Fahnenjunker in die preußische Armee ein. Seine militärische Laufbahn begann er in Rastatt/Baden. Während seiner Militärkarriere kehrte Paulus noch einmal nach Kassel zurück. 1923 tat er hier als Generalstabsoffizier Dienst.

Nach seiner Gefangennahme 1943 durch die Sowjets verbrachte Friedrich Paulus zehn Jahre in Gefangenschaft. In den letzten Kriegsmonaten wandte er sich gegen Hitler und rief die deutschen Truppen zur Kapitulation auf. 1953 wurde er in die DDR entlassen, lehrte zeitweise an der Hochschule für Offiziere der Kasernierten Volkspolizei und starb am 1. Februar 1957 in Dresden. In der letzten Spalte des Schülerverzeichnisses des Wilhelms-Gymnasiums findet sich eine bemerkenswerte - vermutlich zeitgenössische -handschriftliche Bleistifteintragung: gef. als Generalfeldmarschall in Stalingrad Jan. 1943.

Ob die Abkürzung als gefallen oder als gefangen genommen zu deuten ist, bleibt offen.