Friedrich Oetker

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Er spendete für die Bürger - Dr. Friedrich Oetker: Begründer der Stadtbibliothek und Wohltäter des Diakonissenhauses

Wie viele seiner Zeitgenossen wurde auch der liberal denkende Rechtsanwalt Dr. Friedrich Oetker in die Auseinandersetzungen zwischen dem Streben nach mehr Demokratie einerseits und dem Kampf des Landesherren um den Erhalt seiner absolutistischen Macht andererseits hineingezogen. Oetker, der als einer der führenden Köpfe der Nationalliberalen galt, hat sich mit der Stadtbibliothek selbst ein Denkmal gesetzt.

Knapp dreißig Jahre alt, ließ sich der in Rehren bei Rinteln geborene Oetker als Rechtsanwalt 1838 in Kassel nieder. Schnell wurde klar, dass er als Liberaler einen schweren Stand haben würde, denn es gab zwar seit 1831 in Kurhessen eine Verfassung, aber der Landesherr - Kurfürst Wilhelm II. - versuchte, diese mit allen Mitteln außer Kraft zu setzen.

Auf Druck der Verfassungsbefürworter der Revolution von 1848 hatte der Kurfürst am 11. März vollständige Pressefreiheit versprochen, und schon am 15. März 1848 erschien eine Probenummer der „Neuen Hessischen Zeitung“. Ihr Herausgeber: Dr. Friedrich Oetker. In kurzer Zeit wurde die liberale Zeitung zum meistgelesenen Blatt Kassels.

Nach dem Scheitern der Revolution startete der Bundestag eine Strafexpedition gegen die hessischen Rebellen, zu denen auch Oetker zählte. Der Anwalt musste aus der Stadt in Richtung Norden fliehen. Über Göttingen und Braunschweig kam er auf die damals noch britische Insel Helgoland, kurz darauf suchte er in Brüssel Zuflucht. Vom Exil aus kämpfte Oetker erfolgreich um seine Wiederzulassung als Anwalt.

1859 kehrte er nach Kassel zurück. Sieben Jahre später endete sein Kampf mit dem Kurfürsten. Die Preußen hatten diesen abgesetzt, nachdem sie Kurhessen zur preußischen Provinz erklärt hatten. Oetker wurde Vertreter der Provinz Hessen im preußischen Landtag und später Abgeordneter des Reichstags.

Nach seiner Wiedereinsetzung als Anwalt erhielt er von der preußischen Regierung eine Entschädigung für die Zeit, in der er nicht praktizieren konnte, zusätzlich noch Geld aus einem eigens eingerichteten Ehrenfonds. Beide Gelder rührte er nicht an und spendete sie öffentlichen Einrichtungen.

Dass es das Diakonissenhaus in Kassel gibt, ist zu einem Teil auch Dr. Friedrich Oetker zu verdanken. Wenige Jahre nach der Gründung des Hauses 1864 in Treysa zeigte sich, dass es für das Überleben der Einrichtung nötig sein würde, diese nach Kassel zu verlegen. Das Geld dafür war nicht da. Oetkers Standpunkt: „Wenn sich einer findet, der 1000 Mark schenkt, dann gebe ich zum Ankauf eines Bauplatzes 6000 Mark.“ Oetker hielt Wort. Nachdem 3000 Mark auf dem Konto des Hauses eingegangen waren, spendete er tatsächlich 6000 Mark. Mit diesen Spenden wurden der Grundstückskauf am jetzigen Standort in der Goethestraße und der Umzug des Diakonissenhauses nach Kassel ermöglicht.

Voll und ganz hat die Stadtbibliothek ihre Existenz Oetker zu verdanken. Da er einen Gegenpol gegen die Murhardbibliothek, die nur wissenschaftliche Werke beherbergte, bilden und das Lesen allen Bürgern zugänglich machen wollte, spendete er 2000 Taler (ca. 6000 Mark) zur Gründung der ersten Kasseler Volksbibliothek, aus der später die Stadtbücherei wurde.

Dr. Friedrich Oetker bekam am 18. Juni 1862 den Ehrenbürgertitel Kassels verliehen. Er starb am 17. Februar 1881 in Berlin.

Text: Ralph-Michael Krum / HNA

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