Freiheit machte steuerfrei

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Freiheit machte steuerfrei

Im alten Münden konnte es vom Wohnort abhängen, ob man Steuern zahlen muss

Imposanter Fachwerkbau: Das 1544/45 von der Herzogin Elisabeth als herzogliche Kanzlei errichtete Gebäude Vor der Burg 15. Die heutige Nutzerin, das Herzogin-Elisabeth-Stift, wurde 1907 gegründet und steht nicht in der Tradition des 1327 erstmals erwähnten Hospitals. Foto: von Pezold

Von Dr. Johann Dietrich von Pezold

Hann. Münden. In den deutschen Städten, die im Mittelalter gegründet wurden, entstanden im Laufe der weiteren Entwicklung meistens innerhalb der Ringmauer zwei getrennte Bezirke. In dem einen war der Rat der Stadt für die Rechtsprechung und Verwaltung zuständig, im anderen der Stadtherr beziehungsweise der Landesherr. In Münden waren dies seit 1247 die welfischen Herzöge. Allerdings gab es immer wieder Auseinandersetzungen, wie die Zuständigkeiten im Einzelnen abzugrenzen waren.

Zu einer umfassenden Regelung kam es erstmals 1748. Danach hatte das Amt Münden als landesherrliche Behörde die Rechtsprechungsbefugnis über die Mündener Feldmark und innerhalb der Stadt über die so genannte „Freiheit“. Sie erstreckte sich auf den heutigen oberen und unteren Schlossplatz sowie auf den Bereich, der an den Ostflügel des Schlosses und den Schlossturm angrenzte bis zur Friedrich Ludwig-Jahn-Straße.

Hoheitsgebiet des Rates

Dem Rat unterstand die gesamte übrige Stadt. Ursprünglich war der Bereich der „Freiheit“ ausgedehnter und schloss den Plan ein. Die genauen Abgrenzungen sind bisher aber ebenso wenig geklärt wie der Grund und der Zeitpunkt für die Ausdehnung des Hoheitsgebietes des Rates der Stadt auf den Plan. Gleichwohl aber blieben einzelne Häuser am und auf dem Plan unter der Hoheit des Amtes und waren deshalb dem Rat nicht steuer- und abgabenpflichtig. Dazu gehörten das Haus Am Plan 6 und ein ehemals den Herren von Stockhausen gehöriges, längst nicht mehr existierendes Haus auf dem Plan.

Über dieses Haus bestand seit 1340 eine vertragliche Regelung, wonach es dem Rat gegenüber steuerfrei war, sofern es von Angehörigen der Familie von Stockhausen bewohnt wurde. Wohnte dort ein Mündener Bürger, war er steuerpflichtig. Eine ähnliche Regelung galt für das ehemalige „Kommandantenhaus“, das heutige Haus der sozialen Dienste, das die Stadt 1699 erworben hatte. Wenn in der Stadt Soldaten bei den Bürgern in Garnison lagen, war die Stadt verpflichtet, dem Kommandanten der Truppe ein angemessenes Wohnhaus zur Verfügung zu stellen. Solange es tatsächlich von einem Kommandanten bewohnt wurde, war er als Offizier steuerfrei. Auch ein nicht mehr existierendes Haus am Schlossplatz an der Ecke der Burgstraße war dem Rat gegenüber steuerfrei, weil die Eigentümer, die Herren von Hanstein, Beamte des Landesherrn waren. Ausdrücklich zur „Freiheit“ gehörte auch das Haus Sydekumstraße 17. Das heutige Haus des Herzogin-Elisabeth-Stifts Vor der Burg 15 hingegen lag seit seiner Errichtung im Hoheitsbereich des Rates. Seine Bewohner waren, solange es landesherrliche Beamte waren, ebenfalls steuerfrei. Die Herzogin Eilisabeth hatte das Haus in den Jahren 1544/45 als herzogliche Kanzlei gebaut.

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