Freibad Bad Wilhelmshöhe

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Seit 1936 im Prinzip unverändert: Die Luftaufnahme zeigt das Freibad in Wilhelmshöhe (Bildmitte) kurz nach der Eröffnung vor 74 Jahren. Die Anordnung der Becken ist bis heute gleich geblieben. Bei einem Neubau könnte sich das ändern. Foto: HNA-Archiv
Das Freibad Wilhelmshöhe in Kassel wurde 1935 eröffnet. Die Anlage umfasst eine Fläche von 28.000 Quadratmetern.

Es gibt ein 50 x 18 Meter-Becken, ein Kinderbecken (15 x 12,5 Meter), Tischtennisplatten, Kletterburg und weitere Spielgeräte, 30 Umkleidekabinen, 100 Umkleideschränke und 50 Pkw-Stellplätze.

Geschichte

Die Anfänge

Ab 1930 gab es Pläne bei einigen bürgerschaftlichen Initiativen, in Wilhelmshöhe ein Freibad einzurichten. Einer der Gründe war die Überfüllung des Städtischen Flussbades an der Fulda, schreibt der Kasseler Bauhistoriker Christian Presche. [1] Mit den Bestrebungen, aus Wilhelmshöhe einen Kurort zu machen, wurden die Freibad-Pläne 1934 akut. Der Standort "An den Eichen" wurde ausgewählt, auch weil er sich bereits im Besitz der Stadt befand. Zudem hatte man dort 1911 bei Bohrungen eine Solequelle aufgetan, die für das Bad genutzt werden sollte. 1935 kaufte die Stadt zudem die Villa Mummy: Hier sollte ein Kurhaus nach Kneippschen Grundsätzen eingerichtet werden.

Der Bau

Die Arbeiten für das Bad begannen 1934 unter der Leitung von Ernst Rothe (1875-1941), dem Leiter des städtischen Hochbauamtes, und Stadtgartendirektor Rudolph Stier (1890-1966). Rothe hatte bereits bei vielen großen Bauprojekten in Kassel mitgearbeitet und war noch als freischaffender Architekt gemeinsam mit Max Hummel am Bau der Stadthalle beteiligt gewesen.

Das Freibad Wilhelmshöhe wurde in die Landschaft unterhalb des Bergparks Wilhelmshöhe eingepasst. Den weiten Blick ins Kasseler Becken lobte Stier bei der Eröffnung 1935 als besonderes Merkmal des neuen Bades. "Wegen der Lage vor den bewaldeten Höhenzügen der Wilhelmshöhe mit dem Herkules und wegen des weiten Fernblicks auf die Stadt und über das ganze Talbecken rühmte die Kasseler Post das Bad 1940 dann auch als eines der schönsten im ganzen Reich". [2]

Das Hauptgebäude an der Baunsbergstraße passte sich gut in die mit Villen bebaute Nachbarschaft ein. Die angrenzenden Umkleidekabinen fungierten gleichzeitig als Stützmauern. [3] Der aufbau der Freibades orientierte sich am Städtischen Flussbad an der Fulda.

Seit 1936 wurde die äußere Form des Freibads nicht verändert. Einzig die beiden Vorwärmbecken, die sich im Südwesten an das Hauptbecken anschlossen und terrassenartig gestaffelt parallel zur Kurhausstraße verliefen, wurden in den Jahren 1949 und 1950 beseitigt. [4]

Solequelle

Die 1911 entdeckten Solequellen konnten indes nicht für das Bad gewendet werden. Ihre Nutzung scheiterte an wirtschaftlichen Gesichtspunkten und wurde 1936 aufgegeben. Eine erneute Bohrung im Jahr 1978 förderte erneut Sole zu Tage, die ab 1983 von der Kurhessen-Therme an der Wilhelmshöher Allee genutzt wurde. [5]

Sanierungspläne

Seit den 1990er Jahren gibt es Sanierungsbedarf bei den Freibädern in Wilhelmshöhe und Harleshausen, der immer wieder diskutiert wurde. Tatsächlich wurden aber nur notdürftige Reparaturen umgesetzt.

2010 wurde bekannt, dass das Freibad saniert werden soll. Kämmerer und Bäderdezernent Dr. Jürgen Barthel (SPD) kündigte im Oktober an, dass sich eine mögliche Sanierung möglicherweise nicht mehr lohne und ein kompletter Neubau sinnvoller sein könnte. [6]

Im Februar 2013 schlagen Bäderdezernent und Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) sowie die Spitze der SPD-Fraktion vor, das Freibad Wilhelmshöhe abzureißen, das Grundstück zu verkaufen und vom Erlös das Bad in Harleshausen zu sanieren. Dagegen regt sich Widerstand. Der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe sammelt Unterschriften für den Erhalt des Bades und beauftragt ein Gutachten zu den Kosten einer Sanierung.[7]

Im März 2013 beschließt die Stadtverordnetenversammlung, beide Bäder zu erhalten. Die SPD stimmt dagegen. Zwei Monate später legt der Förderverein ein Gutachten vor, nach dem das Bad deutlich günstiger saniert werden könne als zunächst disktuiert. Stadt und Städtische Werke haben Zweifel an der Qualität des Gutachtens.[8][9]

Nach langem Streit um die Zukunft der Freibäder in Harleshausen und Wilhelmshöhe planten SPD und Grüne im November 2013 im Kasseler Magistrat, doch beide Bäder zu erhalten. Demnach soll das Bad in Wilhelmshöhe ab 2016 saniert werden. Für die kommende Saison sollen die Bäder provisorisch instand gesetzt werden.[10] Am 31. März 2014 übernahm der Förderverein Freibad Wilhelmshöhe das Schwimmbadcafé auf dem Gelände des Wilhelmshöher Freibades.

Links

  • Text von Christian Presche, "Das Freibad Wilhelmshöhe. Aus einer Glanzzeit Kasseler Baukunst": [1]
  • Homepage des Fördervereins Schwimmbad Bad Wilhelmshöhe [2]
  • Sammlung von Artikel, Videos und Fotostrecken zu den Kasseler Bädern [3]

Einzelnachweise

  1. Text von Christian Presche, "Das Freibad Wilhelmshöhe. Aus einer Glanzzeit Kasseler Baukunst", S. 1|
  2. Text von Christian Presche, "Das Freibad Wilhelmshöhe. Aus einer Glanzzeit Kasseler Baukunst", S. 4|
  3. Text von Christian Presche, "Das Freibad Wilhelmshöhe. Aus einer Glanzzeit Kasseler Baukunst", S. 3|
  4. Text von Christian Presche, "Das Freibad Wilhelmshöhe. Aus einer Glanzzeit Kasseler Baukunst", S. 5|
  5. Text von Christian Presche, "Das Freibad Wilhelmshöhe. Aus einer Glanzzeit Kasseler Baukunst", S. 7|
  6. Wird das Freibad jetzt kleiner?
  7. Thomas Siemon, "Ein Blick auf die Geschichte der Bäder", HNA vom 15. November 2013
  8. Thomas Siemon, "Ein Blick auf die Geschichte der Bäder", HNA vom 15. November 2013
  9. "Manipulationen bei Bädergutachten?", HNA vom 14. November 2013
  10. Bastian Ludwig, "Rot-Grün einig: Beide Freibäder bleiben", HNA vom 15. November 2013