Klosterkirche Fredelsloh

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Die Pommersche Glocke in der Klosterkirche Fredelsloh.
Die ehemalige Klosterkirche "St. Blasii und Marien" prägt mit ihren Türmen den Ortskern von Fredelsloh, einem Ortsteil von Moringen in Südniedersachsen.

Geschichte

Die romanische Basilika gehörte zum 1132 gegründeten Stift Fredelsloh, von dem noch Mauerreste und ein alter Brunnen erhalten sind.

Im Amtshaus, heute das Gemeindehaus am Klosterhof, wohnte einst der Verwalter des Klosterguts.

Pommersche Glocke

Die 278 Jahre alte und 300 Kilogramm schwere pommersche Glocke versieht bis heute ihren Dienst als Tauf- und Stundenglocke. Wie die Inschrift auf Glocke, die sich in der Klosterkirche befindet, verrät, wurde sie 1736 von der Glockengiesserei Scheel in Stettin hergestellt und zwar für den kleinen, rund 50 Kilometer entfernten Ort Parlin in Hinterpommern, der heute in Polen liegt und Parlino heißt. Wer den Auftrag dafür gab ist unklar. Vielleicht war es Pastor Christian Jonas Werckmeister, dessen Name prominent auf der Glocke vermerkt ist. Laut der Inschrift stammte er aus dem pommerschen Schönfließ (heute Trzcinsko Zdrój) in der Neumark und war zum Zeitpunkt des Glockengusses Pastor von Parlin und dem Nachbarort Lentz (heute Leczyca).

Die Glocke sollte wegen ihres Bronzegehalts im Zweiten Weltkrieg für Rüstungszwecke eingeschmolzen werden, schreibt der frühere Pastor Fritz Both in seiner Chronik 850 Jahre Fredelsloh aus dem Jahr 1982. Die Glocke wurde dazu nach Hamburg transportiert, entkam aber ihrem Schicksal - vielleicht wegen ihres Alters und ihres hohen künstlerischen Wertes, wie Bothe vermutet. Bei Kriegsende lagerte sie mit tausenden weiteren, noch nicht eingeschmolzenen Glocken in Hamburg auf dem sogenannten Glockenfriedhof. Wie viele Glocken aus den ehemaligen deutschen und nun polnischen Gebieten wurde sie nicht in ihren Heimatort zurückgebracht.

Auch die Kirchengemeinde in Fredelsloh musste im Krieg eine Glocke aus der Klosterkirche zum Einschmelzen abliefern. Erst 1952 sorgte der damalige Landessuperintendent Franz Wiebe (Northeim) für Ersatz: Die Glocke aus Parlin wurde vom Glockenfriedhof in die Klosterkirche gebracht. Sie ist auf den Ton h’ gestimmt und mit einer kunstvollen Beschriftung, Putten und Ornamenten verziert. Die Aufhängung ist mit stilisierten Köpfen dekoriert. Wer ganz genau hinsieht, entdeckt neben einem symbolischen Gottesauge auch eine hebräische Inschrift, die der Fredelsloher Pastor Peter Büttner als Jahwe, also als den Namen Gottes entziffert.[1]

Kirchenführer

Literatur

siehe auch

Wussten Sie schon ...

... dass die Klosterkirche in Fredelsloh eine verdeckte doppelte Wendeltreppe zwischen den beiden Türmen hat, die der Bauart islamischer Minarette ähnelt und europaweit ein kunsthistorisches Kleinod darstellt?

Arno Schelle, Geschichts- und Heimatverein Fredelsloh

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Aus HNA.de vom 14. Mai 2014: Glocke aus Pommern strandete nach Zweitem Weltkrieg in Fredelsloh