Frebershausen

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Die Kirche in Frebershausen

Frebershausen ist ein Stadtteil von Bad Wildungen in Nordhessen. Der Ort darf sich seit 1998 Klimaschutzdorf Hessen nennen.

Geografie

Frebershausen ist ein fränkisches Haufendorf und liegt im Kellerwald am Südrand des Nationalparks Kellerwald-Edersee, unmittelbar am Waldschutzgebiet Edersee. Die Entfernung zur Kernstadt von Bad Wildungen beträgt 7,7 km (Luftlinie).

Nördlich von Frebershausen, das auf 368 m ü. NN liegt und vom Wesebach durchflossen wird, erhebt sich der Traddelkopf, der mit 626 m der höchste Berg der Ederhöhen ist.

Geschichte

Der Stadtteil von Bad Wildungen wird in Urkunden 1315 als "Fridebrachtishusen" erwähnt, das heutige Frebershausen. Es wechselte bis 1925 noch mehrfach seinen Namen.

Im Jahre 1751 wurde hier ein Bleibergwerk betrieben, 1755 ein Kupferbergwerk am "Steinkoppel".

Frebershausen hat durch die Jahrhunderte hindurch eine abwechslungsreiche Geschichte durchlebt.

Eine Chronologie:

1486 Grenzzug; 1555 das erste Saalbuch von Frebershausen; 1559 große Pockenseuche, der Ort erholt sich nur sehr langsam davon; 1616 Erwähnung des ersten Schulhaus; 1650 gibt es acht Wohnhäuser; 1681 besteht eine Glashütte mit 20 Arbeitern; 1683 und 1688 werden Wolfsjagden durchgeführt; 1757 Französische Söldner im Ort; 1781 Beginn des Schieferbergbaus; 1794 erneute Pockenepidemie; 1825 Gründung der Ortsarmenkasse; 1898 Einrichtung einer Hilfspoststelle; 1903 erste Fernsprechzelle; 1919 elektrischer Strom; 1929 fließend Wasser; 1965 Gründung des Dorfmuseums; 1972 Frebershausen wird Stadtteil von Bad Wildungen; 1976 Bau des „Haus des Gastes“.

Schon früh besaß der Ort eine Dorfschule. Das Klagen der Lehrer, die alte Schule stünde auf feuchtem Grund und durch den Dorflärm würde der Unterricht stark beeinträchtigt, führte schließlich dazu, dass man mit einer Veranschlagung von 8700 Goldmark ein neues Schulhaus errichtete. 350 Jahre lang bestand eine einklassige Dorfschule, die 1819 von der kirchlichen in die staatliche Schulaufsicht überwechselte und 1967 aufgelöst wurde.

Rund 180 Einwohner hat der kleine Ort im Wesetal heute. Bebaute Flächen, Nutzgärten, Landschaft und Wald gehen harmonisch ineinander über und laden zum Wandern ein.

Auf dem Streuobstpfad oder zu den Ruinen einer ehemaligen Wallfahrtskirche, der Quernstkirche, ebenso, wie zum Dülfershof. Hier kann man Käsereiprodukte und andere Leckereien direkt auf dem Bauernhof in einer Jausenstation genießen.

Kirche und Freskenmalereien

Die Wurzeln der frühgotischen Kirche [1] reichen zurück in das 13. Jahrhundert. Der Chor wurde wahrscheinlich als Wallfahrtskapelle errichtet. Die endgültige Fertigstellung erfolgte um 1590. Im Jahre 1593 wurde von Caspar Wenzel der heute noch benutzte Taufstein gespendet. Wie für den Ort, so künden auch einige Eckdaten von dem Werdegang und Schicksal der Kirche. So gab es 1602 erste Altardecken, zwei Jahre später das Dachkreuz mit Wetterhahn. 1648 der herbe Verlust der Glocken, 1692 schließlich die erste Kanzel. Erst 1879 kam es zum Kauf einer Orgel und 1900 fand die vorletzte große Renovierung statt. 1905 wurde der Taufstein in den Chor versetzt, 1922 wurde eine weitere Glocke aus Apolda erworben. Lehrer Albert Kukuck stellte 1929 unter einer dicken Kalkschicht im Chor der Kirche alte Freskenmalereien fest. Weitere eingehende Prüfungen des damaligen Bezirkskonservators führten schließlich 1931 zu einer Restaurierung der Fresken und zu einer umfassenden Renovierung des gesamten Gotteshauses. Am 19. Januar 1942 musste die große 1760 angeschaffte Glocke für Rüstungszwecke abgegeben werden.

Das gesamte Kirchenschiff befand sich gegen Kriegsende in einem katastrophalen Zustand. Regenwasser war durch das schadhafte Dach gedrungen und hatte die Lehmdecke teilweise zum Einsturz gebracht. 1946 konnte der Wasserschaden jedoch behoben werden. Die abgegebene Kirchenglocke konnte durch glückliche Fügung auf dem „Hamburger Glockenfriedhof“ wiederentdeckt und 1948 zurückgebracht werden. 1989 begann man mit der Sanierung der Außenmauern, an die sich 2006 die Innenrenovierung anschloss. Die Kostenschätzung in Höhe von 350000 Euro gab Anlass, am 15. Februar 2005 einen Förderverein zu gründen.

Die Fresken von 1380/1420 im Chorraum (eine genauere Datierung ist nicht gesichert)zeigen den Heiligen Martin von Tours, den Heiligen Georg, auch Drachentöter genannt, möglicherweise die Kaiserin, die Heilige Katharina und einen 13teiligen Bilderzyklus des Heiligen Jakobus, der heute durch die Renaissance der Jakobus Pilgerwege bekannt ist. Wie reich die Ausmalungen sind, zeigen auch die Fresken von Maria und das Kind, Maria im Strahlenkranz, das Jüngste Gericht oder die vier Evangelisten als Rundmedaillons und nur mit deren Insignien wie Löwe, Adler etc. dargestellt. Auch wurden alle Apostel mit Ausnahme des Apostels Judas von Norden über Osten nach Süden abgebildet. Im Kuppelgewölbe wurde ein Schlussstein aufgemalt, ob dieser nun den Waldecker Stern oder die Sonne abbildet, muss offen bleiben. Gesichert hingegen ist das 1560 datierte Kruzifix, obwohl der Corpus aus älterem Holz besteht. Anlass zu Spekulationen bieten die Stempelornamente im Kirchenschiff, die in der Region einzigartig sind und vielleicht auf eine Entstehung um 1582/90 schließen lassen. Ungewöhnlich und gleichsam erstaunlich der romanische Rundbogen. Ob er als Anlehnung an das nahe liegende Kloster Haina aufzufassen ist oder nicht, kann nicht beantwortet werden. Auch eine konkrete Deutung der Inschrift im Chorbogen ist nach heutigem Wissensstand nicht möglich. Vielleicht handelt es sich um die Jahreszahl 1505. Damals war es durchaus üblich, die Ziffer Null nicht darzustellen.

siehe auch

Wandertipp: Zur Quernstkirche im Kellerwald

Ein Wandervorschlag vom Rhönklub Kassel

Wandertipp

Die Wanderung beginnt im Ortsteil Dülfershof, direkt am Dülfershof mit Hofladen, Käserei und Jausenstube, die zur Schlusseinkehr einlädt. Hier finden wir Parkplätze und das weiße Wegzeichen X 8 für den Barbarossaweg. Diesem folgen wir etwa 300 Meter aus dem Ort in nordwestlicher Richtung. Hier biegt der Wanderweg nach links ab auf einen Feldweg.

Wir bleiben auf der festen Straße ohne Wegzeichen noch etwa 500 Meter bis zum Wald. Hier treffen wir auf den Sauerlandweg mit weißem Zeichen X 6. Diesem folgen wir nach links durch den Wald nach Frebershausen, durchwandern auf der Hauptstraße den Ort. Am Ortsende biegt unser Wanderweg X 6 nach rechts ab in den Quernstgrund.

Auf diesem erreichen wir nach gut 2 km die Höhe mit der Ruine der Quernstkirche, dem ehemaligen Friedhof und einer neu erbauten Kapelle. Ab hier folgen wir nach links dem weißen Zeichen eines nach unten offenen Rechteckes. Nach 3 bis 4 km vorbei am Feriendorf Frankenau kommen wir in das Städtchen Frankenau. In der Stadtmitte finden wir wieder das Wegzeichen X 8. Diesem folgen wir nach links durch Feld und Wald. Nach etwa 5 km und einer Gesamtstrecke von etwa 15 km erreichen wir Dülfershof. Hier haben wir uns eine Einkehr verdient in der Jausenstube oder bei schönem Wetter im Garten unter Obstbäumen. Öffnungszeiten des Hofladens und der Jausenstube: Tel. 0 64 55/292.

(Rhönklub: Andreas Koch, Telefon/Fax: 0561 / 87 11 80. Wanderungen jeden Dienstag und alle 14 Tage sonntags.)

Weblinks