Meitersdorf

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Meiterdorf (auch: Meitersdorf und Meiderdorf) lag am linken Ederufer an der Stelle des heutigen Frankenberger Stadtteils Ederdorf.

Heute ist der Ort, wo einst das Franziskanerkloster Meitersdorf stand, nur noch als Wüstung greifbar.

Nach einem Bericht des Chronisten Wigand Gerstenberg (1457-1522) wurde dort ca. 1494 auf Veranlassung des Landgrafen Wilhelm III. (von Oberhessen) eine Franziskanertertiarenklause gegründet.

Bereits unter seinem Nachfolger, Landgraf Philipp I. wurde das Kloster im Zuge der Reformation im Jahre 1525 aufgehoben. In der Chronik des Klosters Felchtdorf findet sich eine Darstellung über die Vertreibung der Meitersdorfer Mönche.

Geschichte

Die wahrscheinlich aus Marburg übergesiedelten Franziskanerbrüder betrieben in Meiterdorf eine Künstlerwerkstatt. Dort entstanden u.a. die Altäre der Dorfkirche Kleinern (1521), der Kirche in Braunau (Ortsteil von Bad Wildungen) und der Kirche Volkmarsen - Külte. Alle drei Altäre existieren heute noch und befinden sich in einem guten Zustand.

Die Werkstatt in Meitersdorf bestand zumindest seit Beginn des 16. Jahrhunderts (im Jahre 1503 entstand hier eine Strahlenkranzmadonna für die Augustinerchorherren in Volkhardinghausen) und sie war nachweislich noch in den 1520-er Jahren tätig. So wurde dort - neben den schon erwähnten Altären - auch der Altarschrein des hohen Altars der Wiesenfelder Kirche ab 1520 im Auftrag des Johanniterordens angefertigt.

In ihren Werken verwendeten die Meiterdorfer Franziskaner als Vorlage Passionszyklen von Albrecht Dürer, Lucas Cranach dem Älteren und Martin Schongauer.

Das Franziskanerkloster Meiterdorf wurde 1525 im Zuge der Reformation aufgelöst, der Konvent im Jahre 1529.

Altar in der Kirche von Kleinern

Lindenholzaltar von 1521

Der Altar in der Dorfkirche zu Kleinern ist ein Lindenholzaltar mit Temperamalerei auf Kreidegrund, der im Jahre 1521 in der Franziskanerwerkstatt entstand. Er besteht aus einem geschnitzten Mittelschrein und zwei doppelseitig bemalten Tafeln.

Der Mittelschrein beinhaltet eine figurenreiche Darstellung der Kreuzigung Christi, der linke Flügel die Geburt Christi und der rechte Flügel zeigt den Hl. Laurentius, eingerahmt von der Hl. Katharina (links, mit Schwert) und der Hl. Lucia (rechts). 1955 wurde der Altar in der Werkstatt des Landeskonservators restauriert. Um ihn vor der schädlichen Sonneneinstrahlung zu schützen, erhielt die Kirche im Jahre 1964 neue Fenster mit Spezialglas.

Hintergrund

Franziskaner: Die Ordensgemeinschaften die sich auf den heiligen Franziskus berufen, teilen sich in drei Gruppen auf:

  • Den Ersten Orden, der auf die von Franziskus gegründeten Minderbrüder-Orden zurückgeht. Er umfasst die Franziskaner, die Kapuziner und die Minoriten.
  • Den Zweiten Orden, bestehend aus verschiedenen Zweigen der Klarissen (Frauenorden), deren Regeln auf die heilige Klara von Assisi, einer engen Vertrauten des heiligen Franziskus, zurückgehen.
  • Den Dritten (Tertiaren)-Orden - 1221 gegründet - bestehend aus Laiengruppen, die sich in Deutschland als Franziskanische Gemeinschaft organisiert haben.

Literatur

siehe auch

Weblinks