Forstfeld

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Luftbild von Forstfeld 1955, vorne Diana-Werk, links "Lettenlager", im Hintergrund die Forstfeld-Siedlung (Fieseler-Siedlung), rechts Windhukstr., vorne Waldkappeler Bahn, in der Mitte die Söhrebahn

Der Stadtteil Forstfeld liegt im Osten der Stadt Kassel zwischen den Stadtteilen Bettenhausen und Waldau.

Obwohl auch teilweise hart an der Autobahn 7 gelegen, hat er sich in den vergangenen Jahren zu einem beliebten Wohnstadtteil entwickelt.

Nach langer Zeit, in der viele Wohnquartiere in einem erbärmlichen Zustand waren, ist im Osten Kassels ein gefragter Wohnstandort mit viel Grün entstanden. Mietwohnungen und Siedler-Häuschen wurden saniert und modernisiert. Aus der einst gescholtenen Afrika-Siedlung ist heute ein schmuckes Quartier geworden.

Viele Forstfelder sind überzeugt, jetzt in einem der schönsten Stadtteile Kassels zu leben, der noch dazu die günstigsten Miet- und Immobilienpreise der Stadt aufweist.

Geografie

Einwohnerzahl

6742 Einwohner (Ausländeranteil: 705 Einwohner = 10,5 Prozent)

Stand: 31. Dezember 2010

Lage

Der Stadtteil Forstfeld liegt im Osten der Stadt Kassel zwischen den Stadtteilen Bettenhausen und Waldau.

Geschichte

Karte aus 1835

siehe dazu auch:

Die Geschichte des Stadtteils Forstfeld reicht bis ins Mittelalter zurück. Forstfeld wird geprägt durch seine 6 Siedlungen. Im Wesentlichen beherbergt sie Wohnungen für Arbeitnehmer, in früher in den nahe gelegenen Industrieunternehmen Arbeit fanden.

Vor 800 Jahren war der Forst ein reiner "Hutewald" für Vieh; hier wurden auch Verbrecher hingerichet und verscharrt. Landgraf Philipp I. ließ den Forst abholzen, so wurde er zum "Forstfeld".

Ende des 18. Jahrhunderts wurde er militärisches Übungsgelände. Erst 1906 kaufte die Stadt Kassel den Forst vom Militärfiskus zurück und zahlte dafür die astronomische Summe von 1,1 Millionen Reichsmark.

Der Bau der Königlichen Munitionsfabrik in der Lilienthalstraße 1915 machte den Weg frei für Besiedlung und Bebauung, mit der es in der General-Emmich-Straße, der heutigen Steinigkstraße (siehe auch dort) losging. Carl Steinigk (1876-1945) hatte sich als Bettenhäuser Armenvater und Freund Philipp Scheidemanns große Verdienste um die Armen des Stadtteils erworben.

  • In den 30er Jahren entstand die Siedlung Erlenfeld
  • Die Arbeiter der Fieseler-Flugzeugwerke dagegen brauchten betriebsnahe Wohnungen, so wurde bis zum Zweiten Weltkrieg die Forstfeldsiedlung (Fieselersiedlung) fertiggestellt.
  • In der um die gleiche Zeit entstandenen Afrika-Siedlung am Togoplatz, heute Städtische Siedlung, wurde 1953 die Schule am Lindenberg gebaut, sie geriet 14 Jahre später unter dem Titel "Die Kinder von Kassel" bundesweit in die Schlagzeilen, weil zahlreiche Kinder unterernährt waren. Eine große Hilfsaktion blieb nicht folgenlos, 1968 gab es das erste Essen aus der Schulküche in der nunmehr ersten Kasseler Ganztagsschule.
  • Erst seit 1997 zählt auch der Lindenberg zum Stadtteil. Er stellte die Siedler in den 30er Jahren (Siedlergemeinschaft Lindenberg 1 wegen seines steinigen Bodens vor besondere Schwierigkeiten.
  • In den 50er-Jahren entstand die Flüchtlingssiedlung Lindenberg II.
  • Die erst 30 Jahre alte Heinrich-Steul-Siedlung hat ihren Namen von dem Frankfurter Begründer der Sonderschulen. Sie bot zunächst Heimatvertriebenen und Obdachlosen eine Zuflucht, ab 1971 wurden dort Sozialwohnungen gebaut. Längst hat auch diese Siedlung ihren eigenen Charakter.

Vom Forst zum Stadtteil:

Der Kassels „Forst“ – ein Hutewald

Karte aus dem Jahre 1859

Schon immer spielte der „Forst“, wie das Gebiet zwischen Unterneustadt, Ölmühlenweg und Lindenberg und Ochshausen, Bettenhausen und Waldau genannt wurde, in der Geschichte für die Stadt Kassel eine große Rolle. Die erste Erwähnung Cassels stammt aus der Zeit um 913, bereits da wurde das Gelände des Forstes als „Hute“ bezeichnet, d. h. als Weidegelände für das Vieh der umliegenden Landwirtschaften. Bettenhausen dagegen wird erst 1126 zum ersten Mal erwähnt, jedoch soll die Urkunde um 25 Jahr vordatiert sein, es lag „ante forstam“, vor dem Forst.

Mit dem Begriff „Forst“ wurde das Gebiet erstmals 1294 erwähnt, das hieß gewöhnlich „Wald unter Königsbann“. Unter einem Hutewald muss man sich einen lichten Eichenwald vorstellen, in dem Rinder und Schweine unter der Aufsicht von Hirten weideten. Auf einer Karte von 1840 heißt der vordere Teil des Forstes (links und rechts neben der heutigen Lilienthalstraße) immer noch „Forst“, während der Bereich zwischen Ochshäuser Straße und Leipziger Straße das „kleine Forst Feld“ war, am Forstbachweg waren „die saueren Wiesen“ und hinter dem Forstbachweg bis zum Lindenberg war „das grosse Forst Feld“. Das Gebiet südlich der Ochshäuser Straße war „das Erlen Feld“. Ein Gebiet in Höhe der jetzigen Autobahnbrücke über die Ochshäuser Straße hieß „die Schiesecke“.

Auf dem „Sauplatz“ wurden die Schweine mit Eicheln und Bucheckern gemästet. Außerdem gab es noch den Großen Forst und den Kleinen oder Oberen Forst. Mit gewissen Einschränkungen gehörte der Wald ab 1413 den Kasseler Bürgern, die hier ihr Vieh weideten. Nur mit vereinzelten Ausnahmegenehmigungen durften auch einmal Bettenhäuser oder Waldauer Bürger hier einige Stück Vieh weiden lassen. Der Siechenhof (heute Hallenbad Ost) lag am Forst.

„Die“ Wahlebach

„Die“ Wahlebach heißt in Lohfelden-Vollmarshausen noch Fahrenbach, im Forst war er der Forstbach und danach heißt ja auch noch heute die Straße, die ihn überquert. Vereinzelt sprach man aber auch vom „Waldebach“, das nahe „Dorf“ Waldau hieß auch noch lange „Walda“. Der Verlauf des Wahlebachs auf den alten Karten stimmt mit dem heutigen Verlauf fast wieder überein. Der Lauf war Anfang des 20. Jahrhunderts beim Bau der Munitionsfabrik begradigt worden. In den 70er Jahren wurde er dann mit Basaltsteinen und Beton in ein kanalisiertes Bett gezwungen, welches er dann mehrere Male unter der heutigen Autobahnbrücke verließ und sich über die Ochshäuser Straße ergoss. 2005 bekam er dann mit EU-Mitteln sein altes Bett zurück und mäandert wieder durch seine Aue, wahrscheinlich stärker als früher, aber auch viel schöner!

Die „Halsgerichte“ auf dem Forst

Eine traurige Berühmtheit hat der Kasseler Forst auf Grund seiner Halsgerichte. Es wurden Gerichte abgehalten, Todesurteile vollstreckt und die Gehenkten „verscharrt“. Es war der Ort des sog. „Gebotenen Dings“. Überliefert sind Spießrutenläufe aus dem Jahr 1547, bei denen militärische Verbrecher hingerichtet wurden, indem sie durch eine Spießgasse ihrer Kameraden gejagt und auf diese Weise zu Tode geprügelt wurden. Diese Todesart galt im Gegensatz zum Galgen als „ehrlich“, ähnlich wie später wieder der Tod durch Erschießen. Auf einer Stadtansicht von 1638 sieht man Galgen und Rad auf dem Richtplatz. Die Verurteilten der bürgerlichen Gerichtbarkeit wurden auf dem Sauplatz öffentlich hingerichtet - gehenkt oder enthauptet. Der Sauplatz ist heute der Bereich zwischen Leipziger Straße, B 83 und Lilienthalstraße und gehört zum Stadtteil Bettenhausen.

Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756 bis 1763) wurden die Hinrichtungen zwischenzeitlich auf dem sog. Krankenplatz unter dem Lindenberg - beim Schindanger - vollzogen, teilweise aber - wegen des langen Weges aus der Stadt - wieder mehr in Stadtnähe verlegt (Leipziger Tor, Siechenhof, Sauplatz). Z. T. hat man in der Nähe Kassels hingerichtet, die Leichen wurden dann auf der „Schinderschleife“ zum Lindenberg geschafft und dort auf dem „Schindwasen“ verscharrt. Kommt es daher, dass der Forstbachweg früher auch „Schindeleichweg“ genannt wurde? Seine Funktion als Gerichtsstelle behielt der Forst noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. 1806 fand die letzte Hinrichtung statt.

1807 und 1809 wurden hier die hessischen Patrioten erschossen, die sich an den Aufständen gegen die westfälische Regierung und Napoleon beteiligt hatten. Es waren Menschen vom Gastwirt bis zum Obersten und Professor, die an Aufständen gegen Napoleon teilgenommen oder diese sogar angezettelt hatten. Nach Ende der französischen Herrschaft wurde die sog. „Forsteiche“ gepflanzt, die in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts noch stand - mehrmals vom Blitz getroffen - wie es heißt. Ein von den neuen Betreibern des „Unternehmenspark Kassel GmbH“ in der Lilienthalstr. 25, früher Spinnfaser, danach Enka-Gelände, aus Unwissen etwas stiefmütterlich gepflegtes Denkmal erinnert noch heute daran. Dort, wo die Steinkugel auf einer Betonplatte befestigt ist, sollen die Schützen gestanden haben, an der Stelle des eigentlichen Denkmals standen die Delinquenten.

Die militärische Bedeutung des Forstes

Seine militärische Bedeutung behielt der Forst bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Schon im 18. und 19. Jahrhundert gab es verschiedene Versuche der Stadt Kassel, das Gebiet des Forstes für Wohnungs- und Siedlungsbauten oder Industrieansiedlungen zu erwerben und zu erschließen. Sie scheiterten jedoch immer an den Einwänden der Militärbehörden.

Das Zentrum des Forstes war dort, wo heute die Wohnstraße verläuft. Hier war der höchste Punkt und hier stand auch die alte Forsteiche. Vom Forstfeld spricht man wahrscheinlich nach der Abholzung des Forstes, die im 16. Jahrhundert unter Landgraf Phi1ipp erfolgte, weil der Forst zu nahe an die Festung Kassel heranreichte und insofern ein Sicherheitsrisiko darstellte. Nach dem Abholzen diente der Forst weiterhin als Hute und später außerdem oft als Truppenübungsplatz. Auf der Karte von 1859 findet man auch noch einen "Kugelfang" dort eingezeichnet, wo heute die Heinrich-Steul-Straße ist. Aus einem Interview einer älteren Mitbürgerin erfuhr ich, dass hier noch Anfang letzten Jahrhunderts Pulver in kleinen Bunkern, die von Wasser umgeben waren, gelagert haben soll.

Im Juli 1727 musterte König Georg 11. von Großbritannien auf dem Forste rund 12000 Mann -hessische Truppen, um sie in seinen Sold zu nehmen; die Übernahme kam jedoch nicht zustande. Der Forst war zu Napoleons Zeiten Übungsgelände für die Artillerie des Königreichs Westphalen; das hieß dann Artillerieschießen von 7 Uhr bis 11 Uhr morgens und nachmittags von 14 bis 17 Uhr! Scharf geschossen wurde noch bis 1906, bis Kassel durch eine einmalige Zahlung von 1,1 Millionen Goldmark an den Militärfiskus dessen Rechte ablöste.

Im Jahre 1757 bezog ein französisches Korps in Stärke von 21000 Mann unter Marquis de Contades ein Lager auf dem Forst. 1813 rückten Kosaken, aus Richtung Helsa kommend, unter dem General Tschernischeff nach Kassel vor. Die auf dem Forst stehenden französischen Geschütze wurden von den Russen erobert und zur Beschießung Kassels eingesetzt. An „der Wahlebach“ fand zwischen russischen und westphälischen Truppen (Cassel gehörte zum westphälischen Königreich (Napoleon) ein Feuergefecht statt, welches die Russen gewannen und danach in Kassel einzogen.

Die erste Besiedlung

Aus einem Gutachten zur Denkmalwürdigkeit der Forstfeld-Siedlung von Guntram Rother entnehme ich die folgenden Zeilen: „C.F. Piderit erwähnt einen Plan von Landgraf Karl, der zur Ansiedlung von Hugenotten auf dem Forstgelände den Bau einer „Fabrikstadt“ im Stil des französischen Barocks vorsah. Der Plan wurde aufgegeben, da das Überschwemmungsgebiet um die Fulda eine konstante Verbindung zur Stadt nicht ermöglicht hätte, die Verteidigung im Falle einer Belagerung fast unmöglich gewesen wäre und weil der Forst als Weidegelände nicht entbehrlich war. Die neue Barockstadt wurde dann zwischen Weinberg und Altstadt angelegt.“

Veranstaltungen auf dem Forstfeld

In Chroniken werden aus der jüngeren Geschichte einige Ereignisse aus dem Forst erwähnt, die für die Bevölkerung von Bedeutung waren: 1868 fand hier das erste Kasseler Pferderennen statt. Es wurden große hölzerne Tribünen für die Zuschauer aufgeschlagen. Ein weiteres glanzvolles Rennen gab es 1873. Über die Leipziger Straße war das Forstgelände seit 1880 durch den Pferdeomnibus, seit 1884 durch die Pferdebahn und dann seit 1900 durch die elektrische Straßenbahn mit der Stadt Kassel verbunden.

1910 fand die erste Flugveranstaltung auf dem neuen Flugplatz statt. 1913 war der Forst Etappenziel des „Prinz Heinrich Fluges.“ Diese Flüge waren Zuverlässigkeitsflüge, an deren Spitze „Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen“ stand. Sinn dieser Flüge war es auch, der Luftfahrt den Boden zu bereiten. Die Flugzeuge waren in Wiesbaden gestartet und landeten in Kassel, was hier ein großes Ereignis war. Zu diesem Anlass gab es sogar einen Sonderstempel für Briefmarken, wodurch ich wieder erfahren habe, was diese Prinz-Heinrich-Flüge überhaupt waren.

Die Landwirtschaftsausstellung 1911 und die Landung des Luftschiffes „Victoria Luise“ im nächsten Jahr waren dann vorübergehend die letzten friedlichen Ereignisse. In den „Casseler Neuesten Nachrichten“ hieß es dazu: „Eine Begeisterung sondergleichen war über unsere Stadt gekommen“, Fahnen wurden gehisst, die Kirchenglocken läuteten, und von überall her ertönten Hurra-Rufe. Alles strömte zum Forst, keiner wollte sich den Anblick des Luftschiffes entgehen lassen. Der Zeppelin, der 24 Fahrgäste aufnehmen konnte, war 150 m lang, der Durchmesser betrug 14 m. Er war mit seinen drei 170-PS-Motoren 70 km/h schnell. Eine Stunde blieb er am 29. September 1912 auf dem Forst, dann flog er mit neuen Passagieren zurück nach Frankfurt.

Grenzen zwischen Bettenhausen, Forstfeld und Waldau

Bettenhausen wird zuerst in einer Urkunde von 1126 auf, die aber um 25 Jahre vordatiert sein soll, so Helmut Schagrün von der Bettenhäuser Geschichtswerkstatt. Es gehörte zur "Centgrafschaft" Kirchditmold und hier zum dritten Gerichtssprengel, dem Gericht auf dem Forst. ("in placito, quod fuit in silua, que dicitur Vorst, prope civitatem Casle sita" ...1294: (Landau, der Hessengau, S. 78.) Wenn man dann noch berücksichtigt, dass man damals keinen Unterschied zwischen "u" und "v" machte, heißt es dann nicht "silua" sondern "silva", also Wald; insgesamt also: In einer Ebene, welche mit Wald bedeckt ist und sich "Vorst" nennt, nahe der Stadt Kassel - so Dr. Marc Urlen. Der Gerichtssitz befand sich wahrscheinlich im Dorf "Fuldhain", welches an der Stelle der Unterneustadt war und zu dessen Dorfmark der Forst gehörte. Die Unterneustadt wurde gegen Ende des 13 Jahrhunderts angelegt, damit verschwand das Dorf Fuldhain und der Forst wurde städtische "Allmende", also Gemeindebesitz. Das Gericht erhielt den Namen "Gericht Neustadt". (Aus einem "Bericht über die Einverleibung der Landgemeinde Bettenhausen in die Stadtgemeinde Cassel" von 1905, Stadtarchiv). Hier werden auch die Grenzen aufgezeigt: Das letze Haus Cassels lag nur 80 m vom ersten Haus Bettenhausens entfernt, der Bahnhof Bettenhausen lag fast ganz auf Kasseler Gebiet und durch die Herkulesbrauerei und durch die Sägemühle am Ölmühlenweg ging die Grenze mitten hindurch. "In dem verkehrsreichen Teil der Leipziger und der Sandershäuser Straße gehören die Gebäude der einen Straßenseite zu Cassel, und die auf der anderen Seite liegenden zu Bettenhausen".

Im Jahre 1791 noch sperrte eine Zollschranke den Zugang zur Nürnberger Straße, die für Marktfrauen und den „Anliegerverkehr“ allerdings geöffnet war. Das sog. Chausseehäuschen, welches zwischen dem heutigen „Platz der Deutschen Einheit“ und der Yorkstraße seinen Standort hatte, war vermutlich Unterkunft der Zollbeamten. Hinter dem Haus, abgegrenzt durch den Wahlebach, war der Sauplatz. Hier am Wahlebach wurden Weiden für die Korbflechter angebaut.

Als im Jahre l877 mit dem Bau der Kassel Waldkappeler Eisenbahn begonnen wurde, musste ein großes Stück des Forstes für die Anlage des Bahnhofs Bettenhausen abgetreten werden, es blieb aber Kasseler Gebiet. Am 1. Dezember 1879 waren die Schienen gelegt, und es entstand der Bahnhof Bettenhausen. Ein weiteres Teilstück des Forstes wurde im Jahre 1894 für die Errichtung des Gaswerkes auf dem Sauplatz verwendet.

Für die Bettenhäuser war der Forst, der zu Kassel gehörte, immer problematisch. Aus der Schrift zum 850-sten Bettenhäuser Jubiläum entnehme ich die folgende Passage: „...hier lag für Bettenhausen eine Hürde besonders paradox - weil das Gebiet sich fast ganz eben erstreckt, also eine Hürde, die, solange die Gemeinde (Bettenhausen) noch selbständig war, nie bezwungen werden konnte“.//

Die „Hute“ war umzäunt und mit Schlagbäumen versehen. Nicht einmal der Waldauer Pfarrer Schödde konnte den Forst überqueren, um zu seiner „Filial“ Bettenhausen zu gelangen. Er klagte (1773) und hatte Erfolg: Kassel musste die Gräben zuschütten, die den Weg des Pfarrers unpassierbar machten. Man nannte diesen Weg dann den „Pfaffenstieg“. Dieser Weg führte von der Leipziger Str. durch das heutige Industriegebiet an der Lilienthalstr. (Unternehmenspark, AEG). An anderer Stelle liest man, dass der Weg durch militärisches Übungsgelände ging, denn seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts hatte Hessen-Kassel ein stehendes Heer, das auf dem Forst übte.

Die Kasseler Bürger setzten des öfteren ihr Recht durch, das Vieh im Forst weiden zu lassen. Erst in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts verschwand der Kuhhirt aus dem Kasseler Stadtbild. Der westlichste Ausläufer des Kaufunger Waldes, allgemein als „der Eichwald“ bekannt, lag jahrhundertelang in fester Hand: In der der Landgrafen. Auch hier hatten die Bettenhäuser nichts verloren. Die 1513 in hölzerne Rohre gefasste Eichwasserleitung versorgte nicht etwa die Bewohner von Bettenhausen mit frischem Wasser, sondern ließ rechts der Fulda nur noch gerade den Siechenhof profitieren, um dann, als ein Wahrzeichen von Kassel, über die Fulda geleitet („Wasser fließt über Wasser“), im Renthof zum landesherrlichen Gebrauch zu enden. Übrigens: erst seit unseren Tagen wird die Wasserleitung vom Osten - längst natürlich mit Anschlüssen in Bettenhausen - nicht mehr über den Fluss, sondern unter der Fulda hindurchgeführt.“ 1899/1900 entstand ein Wasserwerk mit Reservoir auf dem Lindenberg für 150000 Goldmark.

Industrialisierung

Söhrebahn

Die Söhrebahn, auf deren Teiltrasse vielleicht einmal eine Straßenbahn nach Lohfelden fahren wird, wurde 1912 eröffnet. Sie war eine Privatbahn und hatte im Forstfeld eine Bedarfshaltestelle „Eisenhammer“, nahe dem alten „Schindeleichweg“ (Forstbachweg). Die „Kleinbahn Kassel“ beförderte in den folgenden 54 Jahren rund 50 Millionen Fahrgäste. Der Personenverkehr wurde 1966 eingestellt.

Anfang des letzten Jahrhunderts hatte sich der Kasseler Kreistag für eine Kleinbahnverbindung zwischen Bettenhausen und Wellerode stark gemacht, schon wegen der Braunkohlevorkommen in der Söhre, aber auch um die südöstlich des Zentrums liegenden Ortschaften an die Kreisstadt anzubinden. Das Grundkapital von 450000 Mark brachten die anliegenden Gemeinden und einige Einzelpersonen in die AG ein. Am 22. August 1912 wurde die 10,5 km lange Strecke in Betrieb genommen. In der Zeitung stand: „Unter dem Jubel der zahlreichen Schaulustigen setzte sich die Henschel-Lokomotive von Bettenhausen aus über die Stationen Eisenhammer, Ochshausen-Crumbach, Vollmarshausen und Wellerode in Bewegung. Endstation war „Wellerode-Wald.“//

Die Bahn transportierte vor allem Arbeitskräfte sowie Basaltsteine, Splitt, Kohlen und Ziegelsteine von Wellerode nach Kassel, aber auch Schulkinder und Marktleute. Am Wochenende nutzten Ausflügler, die in der Söhre wandern wollten, gerne diese Bahn. Fünf bis sieben Züge fuhren täglich die einspurige Strecke hin und zurück, am Wochenende sechs. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern schaffte sie die Strecke in einer knappen halben Stunde und überwand einen Höhenunterschied von 180 m. Die früheren Passagiere konnten zwischen der 2. bis 4. Klasse wählen. 1983 fuhr der letzte Güterzug auf dieser Strecke. Es dauerte lange, bis alle Schienen abgebaut waren. Das Grundstück auf Kasseler Gebiet wurde an die Stadt Kassel verkauft, die es aber für eine geplante „Regio-Tram“ frei halten muss. Im Augenblick hat sich ein schönes Biotop gebildet; z. T. wurde die Trasse mit Mitteln des Ortsbeirates in einen Rad- und Wanderweg umgebaut.

1912 wurden zwei Henschel-Lokomotiven (Bt) angeschafft, 1916 wieder eine verkauft, eine andere schied 1935 aus. Kurz nach 1912 wurden zwei weitere Loks (Dn2t) von Henschel gekauft und später umgebaut (Dh2t). Eine weitere Dh2t wurde 1965 erworben. 1970 wurden dann noch einmal zwei Diesselloks (D-dh) von Henschel angeschafft, von denen im Kahr 2000 noch eine bei der Kleinbahn Butzbach und eine andere in Italien bei ACT Reggio Emilia noch im Einsatz sein sollen.

Der letzte Personenzug 1966:

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Munitionsfabrik

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1906 hatte die Stadt Kassel das gesamte Gelände vom Militärfiskus freigekauft. Stadt und Bewohner der näheren Umgebung waren nun endlich frei von Belästigungen durch militärische Anlagen und Benutzungen. Man plante die Besiedelung und Nutzbarmachung für Industrieunternehmen. Der beginnende 1. Weltkrieg brachte aber erneut Militärisches: den Bau der „Königlichen Munitionsfabrik“ mit einigen Wohnblöcken für die Beschäftigten. In den Jahren 1915 bis 1917 wurde auf dem Forst von Kriegsgefangenen die Kasseler Munitionsanstalt erbaut. Dieser Betrieb umfasste das heutige Gelände links und rechts der Lilienthalstraße. Ursprünglich wurden Patronen hergestellt. Von den großartigen Plänen, nach denen eine ganze Wohnsiedlung gebaut werden sollte, wurde jedoch nur eine einzige Straße, nämlich die „General-Emmich-Straße“, heute Steinigkstraße (siehe auch Carl Steinigk), durch den Architekten Schmitthenner verwirklicht. l918 befand sich auf dem Gelände der Munitionsfabrik ein Materialsammellager eines Armeekorps. Nach dem Krieg standen die Fabrikationsanlagen leer. Die Dimensionen und die Lage der Fabrikhallen waren
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prädestiniert, wieder neue Rüstungsindustrie zu beherbergen. Im Rahmen des Baus dieser Munitionsfabrik wurde auch „die“ Wahlebach begradigt, wobei die Weidenpflanzungen der Stadt Kassel untergingen.

Zwischen der Nürnberger Straße und „der“ Wahlebach entstand die städtische Desinfektionsanstalt an der Stelle, an der schon 100 Jahre früher die Cholerabaracken gebaut worden waren. In dieser Desinfektionsanstalt konnte man auch in den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts Kleidungsstücke desinfizieren lassen, die man an seine Verwandten in der DDR schicken wollte. Dazu brauchte man eine besondere Desinfektionsbescheinigung.

Nach dem ersten Weltkrieg wurden die nun leer stehenden Gebäude von verschiedenen Betrieben benutzt, die hier Spielzeugautos, Einheitsmöbel, Ackerpflüge und Landmaschinen herstellten. Im Verwaltungsgebäude wurde unter Prof. Stein 1924 bis 1928 ein Lehrerseminar eingerichtet. Der Saal des Kasinos in der Wohnstraße, damals einer der größten Säle in Kassel, wurde jeden Samstag/Sonntag zu Tanzveranstaltungen und Versammlungen vermietet. Leider gab es keine Interessenten für dieses Gelände, so verfiel gegen 1928 - die Betriebe waren schon 1924 stillgelegt worden - der ganze Komplex. Teile dienten fahrendem Volk als Wohnung, eine Sekte hatte sich eine Behelfskirche eingerichtet, der Rest wurde von Hasen, Füchsen, Mardern, Raubvögeln und Tauben bewohnt.

Spinnfaser - Enka

ENKA 1934 erwarb die Spinnfaser den größten Teil des Geländes, um hier eine große Zellwollfabrik einzurichten. Für die Wahl dieses Objektes sprach die günstige Beschaffenheit des Fuldawassers, die Nähe der hessischen Braunkohlenzechen und die Tatsache, dass sich die vorhandenen Gebäude zweckmäßig für den Produktionsprozess verwenden ließen. Der Aufbau ging sehr schnell vonstatten. Es wurde fieberhaft gearbeitet, und bereits am 1. Dezember 1935 wurde die erste verwendbare Produktion hergestellt. Im Juli 1936 betrug die Tagesproduktion bereits 50 t und wurde in den folgenden Jahren auf 100 t pro Tag gesteigert. Damals wurde die Marke „Flox“ zu einem Begriff in vielen Ländern. Viele der Arbeiter wohnten in den Siedlungen oder Wohnungen des heutigen Stadtteils Forstfeld.

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges stoppte den schwungvollen Aufbau. Bis zur Beendigung des Krieges hatte das Werk sechs schwere und sechs leichtere Luftangriffe überstanden. Es wurde trotz allem weiter gearbeitet. Am zweiten Osterfeiertag 1945 besetzten amerikanische Truppen das schwer beschädigte Werk. Weil das Kesselhaus der „Spinnfaser“ voll einsatzfähig war und die schwer zerstörte Stadt Kassel mit Strom versorgt werden musste, erhielt das Werk die Genehmigung zur Wiederaufnahme der Produktion. In Spitzenzeiten wurden hier über 3000 Menschen beschäftigt.

Aus der Spinnfaser AG wurde durch die Übernahme der AKZO die Glanzstoff AG, schließlich ENKA Glanzstoff AG und in 1978 die ENKA AG. Der "Glanz" ging in 1976 verloren mit der Schließung der Zellwolle Produktion. Das war der Anfang vom Ende. Die Zellwolle Produktion war der Wetterbericht für den Kasseler Osten, denn je nach Windrichtung hieß es: Die Spinnfaser stinkt mal wieder.

Am 26.4.1974 vernichtete ein Großbrand mit 10 Mio. DM Sachschaden einen Teil der Produktionsanlagen für DIOLEN Fasern. Die Fabrik wurde hochmodern wieder aufgebaut. Die bei der Teilstillegung frei werdenden Mitarbeiter wurden in anderen Abteilungen eingesetzt.

Immer wieder kamen Meldungen aus der Hauptverwaltung in Wuppertal, dass es auf dem Weltmarkt Überkapazitäten an synthetischen Fasern (DIOLEN/PERLON) gab. Da die Produktion vollkontinuierlich, d. h. 24 Stunden am Tag, gefahren wurde, ließ sich die Produktion u. a. durch Betriebsstillstand, d. h. Betriebsferien drosseln. Diese Zeiten wurden dann für Reparatur und Reinigungsarbeiten genutzt. Die biologische Kläranlage musste in dieser Zeit manuell gefüttert werden. Zu Kühlzwecken wurde der Fulda Wasser entnommen und nach der biologischen Reinigung in die Fulda zurückgeleitet. Angeblich war das Wasser hinterher sauberer als bei der Entnahme. Das werkseigene Kraftwerk war Lieferant für die Städtischen Werke. Und ein guter Steuerzahler war der Betrieb auch.

Wie aus heiterem Himmel traf es die Belegschaft am 5. Dezember 1979, als sie erfuhr, dass man von der Schließung des Werkes auszugehen hätte. Es begann ein beispielloser Arbeitskampf um die Erhaltung der 844 Arbeitsplätze bei dem u. a. auch über 50000 Unterschriften gesammelt wurden, dennoch wird mit Schreiben der Werksleitung vom 18.11.1982 an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter u. a. folgendes vom Enka Aufsichtsrat mitgeteilt: „Werk Kassel wird stillgelegt!". In diesem Schreiben wird der Wechsel in ein anderes Werk oder, falls das nicht möglich ist, eine Abfindung angeboten. Die Schließung erfolgte stufenweise.

AEG

siehe auch: AEG

1956 stand in der Schrift von Kurt Klehm zum Jahrestag der 50-jährigen Eingemeindung Bettenhausens folgendes: "Die AEG gründete im August 1948 auf dem Gelände der ehemaligen Junkers Flugzeug- und Motorenwerke in der Lilienthalstraße eine Fabrik, die zunächst Hochspannungs Schaltgeräte herstellte. Im Laufe der nächsten Jahre wurde außerdem die Produktion von Fahrkartendruckern, technischen Isolierstoffen und Kühlschränken aufgenommen. Der Beginn des Großschalterbaus machte die Errichtung einer Versuchsanstalt erforderlich, die unter dem Namen „AEG Hochspannungsinstitut“ im Jahre 1952 fertig gestellt und eingeweiht wurde. Das Hochspannungsinstitut gilt als eines der modernsten und größten Versuchsfelder dieser Art in der Welt. Heute (1952) beschäftigt die AEG Fabrik in Kassel Bettenhausen über 3000 Menschen, von denen eine erhebliche Anzahl in Bettenhausen ansässig ist. Die AEG hat mit ihrem Aufbau und ihrer Entwicklung in den Jahren seit der Währungsreform zweifellos maßgeblich zum wirtschaftlichen Aufschwung des Stadtteils Bettenhausen beigetragen."//

Durch Verkauf der AEG-Hausgeräte-AG in 1994 wurde die Fertigungsstätte für Kühl– und Gefriergeräte in Kassel ein Teil des schwedischen Elektrolux-Konzerns, der - ähnlich wie damals der Enka-Konzern - die Produktion in ein Land mit niedrigerem Lohnniveau verlagert und so in Kassel wieder einmal über 400 Arbeitslose der bereits reduzierten Mitarbeiter als Opfer der globalen Umschichtung hinterlässt. Die im Ausland angeworbenen Mitarbeiter bleiben in Kassel, während dann im Ausland produziert werden wird, natürlich nach den Methoden, die die Kasseler Arbeitnehmer entwickelt haben.

Flugzeugbau und Flugplätze

Zu Beginn der 30er Jahre wurden die Fieseler Flugzeugwerke und die Junkerswerke in den Hallen eingerichtet. Es gab die „Raab-Katzenstein Flugzeugwerk GmbH“, die wahrscheinlich eine Flugschule betrieben; denn es heißt in einem anderen Bericht, dass dieser Betrieb aus Kassel eine Flugschule in Bonn-Hangelar als Zweigstelle errichtete.

Die Kurzfassung der Geschichte der Kasseler Luftfahrt entnahm ich der Internetseite des Flughafens Kassel-Calden: „Kassel war schon immer eine Stadt mit Flieger-Tradition. Schon 1783 hatte Goethe bei einem Besuch in Kassel dem Naturwissenschaftler Samuel Thomas Sömmering bei dessen Ballon-Versuchen assistiert. Vor dem Bau des Flughafens Kassel-Calden waren in Kassel zwei Vorläufer bekannt. Als erstes Flugfeld wurde der „Forst“ erwähnt. Dieser lag im Bereich des Ortsteils Bettenhausen. Hier begann 1900 der Luftsport in Nordhessen: 1909 Freiballon-Fahrt, 1910 Hans Grade mit seiner „Taube“ (Motorfliegerei), 1911 Carl Caspar, der erste Flug von Berlin nach Kassel, 1912 Landung des Luftschiffes „Victoria Luise“, 1923 Start des ersten in Kassel gebauten Flugzeuges „Dietrich Eindecker“, 1923 erster Fallschirmsprung aus 1000 Meter Höhe, 1924 Große Flugschau mit Rundflügen und Fallschirmspringen, 1925 Gründung der Raab-Katzenstein-Werke (Bau der Tigerschwalbe), 1926 Linienverkehr der Deutschen Lufthansa, 1929 Gerhard Fieseler Betriebsleiter der Firma Kegel-Ackermann, 1930 war es mit dem städtischen Flughafens wegen fehlender Finanzierung zu Ende."

Kirche

Politik

Oberbürgermeister und Magistrat

Oberbürgermeister der Stadt Kassel von 2005 bis 2017 ist Bertram Hilgen, SPD.

Der Oberbürgermeister hat den Vorsitz im Magistrat, der Verwaltungsbehörde der Stadt. Der Kasseler Magistrat setzt sich zurzeit aus fünf hauptamtlichen und 13 ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern zusammen, die die Bezeichnung Stadträtin bzw. Stadtrat führen.

Außer dem Oberbürgermeister werden alle Mitglieder des Magistrats von der Stadtverordnetenversammlung gewählt.

Am 5.3.2017 wurde Christian Geselle, SPD zum neuen Oberbürgermeister der Stadt Kassel gewählt; er erhielt im ersten Wahlgang 56,6 Prozent der abgegebenen Stimmen. Damit wird Geselle Nachfolger des langjährigen SPD-Oberbürgermeisters Bertram Hilgen, der seinen Platz im Juli offziell räumen wird.

Siedlungen

Teile Ochshausens werden Forstfeld

Verwaltungsmäßig gesehen reichten die Gemeindegrenzen Kassels nicht immer bis zu dem jetzigen Autobahnverlauf. Aus dem Kapitel von Fritz Marquardt in „Streifzüge durch 900 Jahre Ortsgeschichte, Crumbach und Ochshausen 1102 bis 2002“ entnehme ich die entsprechenden Informationen:

Nach dem ersten Weltkrieg gab es in Ochshausen große Wohnungsnot, so dass das Dorf den sog. Kasseler Platz als Siedlungsgebiet vorsah. Dieser Platz lag an der Grenze zu Kassel. 30 Bauwillige bekamen ein Grundstück und bauten weitestgehend in Eigenhilfe ab 1922 hier ihre Häuser. Das Wasser zum Bau wurde am Tag von den Frauen aus Ochshausen geholt und von den Männern am Abend „verbaut“. Als Baumaterial benutzten sie z. T. das Material einer abgerissenen Scheune. Ein Siedler grub sogar unter großen Mühen# aber umsonst - den Baukies aus seinem Garten. 1932 kamen noch 10 Häuser dazu. Auf Kasseler Gebiet wurde ab 1932 die Erlenfeldsiedlung zwischen Wahlebach und Eibenweg gebaut. 1936 nach dem Bau der Autobahn wurde das Ochshäuser Gebiet westlich der Autobahn nach Kassel eingemeindet, und es entstand eine gemeinsame Siedlung, wobei die Bindungen an Ochshausen - heute Lohfelden - nach Marquardt bis heute bestehen blieben.

Das Forstfeld Anfang der 30-er Jahre

Der Lindenberg 1929
Forstfeld 1928
Lindenberg1929.jpg

Jenseits der Söhrebahn standen Anfang der 30-er Jahre erst einige Häuser, umgeben von schönen Gärten am Forstbachweg, in der Nachbarschaft der Krell'schen Molkerei und in der Eisenhammerstraße sowie am Faustmühlenweg. Gegenüber der Krell'schen Molkerei, dort wo heute die Häuser der Heinrich-Steul-Straße stehen, befand sich noch ein mit Schilf bewachsener Teich, in welchem sich Wildenten aufhielten und an stillen und schönen Sommerabenden das Froschkonzert zu hören war. Auch stand noch bis zum Jahre 1936 am Forstbachweg das alte Wachhaus des zur ehemaligen Muni gehörenden Pulverlagers. Stadteinwärts, wo jetzt die Forstfeld- und Städtische Siedlung gebaut sind, waren Felder und Rasenwege links und rechts der Ochshäuserstraße.


Forstfeld 1928

Erlenfeldsiedlung

Siedlergemeinschaft Erlenfeld

1932 schuf die Regierung ein Siedlungsprogramm, um Arbeitslose durch Selbsthilfe eine eigene Bleibe schaffen zu lassen. So entstand die erste Vorstadt-Siedlung, die aus Not der 30-er Jahre durch die 37. Notverordnung vom 6.10.1931 geboren wurde, noch weit vor den Toren der Stadt Kassel. Der Zweck dieser Notverordnung war, tausende von Kleinsiedlerstellen im damaligem deutschen Reich zu schaffen und mit einer entsprechenden Landzuweisung Arbeiter und Angestelltenfamilien gegen evtl. Wirtschaftskrisen unabhängig zu machen, aber auch um diese Familien aus der Enge der Großstadt herauszuführen, die durch die ungezügelte Stadtbaupolitik der Jahrzehnte vor und nach der Jahrhundertwende mit ihren Miets- und lichtlosen Hinterhäusern ein soziales Problem geworden war.

Mit einer Gartenfläche von zirka 1000 qm als Erbpachtland (welches laut § 17 der 3. Notverordnung auch käuflich erworben werden kann) und einer der Futtergrundlage für Umfang der Kleintierhaltung entsprechenden Zupachtlandfläche wurde die Erlenfeldsiedlung mit zunächst 103 Siedlerstellen geschaffen.

Mit über 1400 Stunden arbeitete jeder Siedler durchschnittlich bis zur Fertigstellung. Als erstes galt es, Wasser herbeizuschaffen. Allein 3,5 km Wasserleitung wurden von den Siedlern gebaut, welche auch den angrenzenden außerhalb der Siedlung liegenden und später ausgebauten Wohnbaugebieten sehr zugute kam. Da Die Straßen wurden provisorisch angelegt. Grober Kies und Kohlen-asche waren das Straßenbaumaterial. Den Kies mussten mehrere Siedler unterhalb der Bleichen in wochenlanger Arbeit für die Stadt durchsieben. Dafür durften sie den groben Kies behalten und als Straßenbaumaterial verwenden.

Die Unterstützung war gering, mit zwei Kindern 16 bis 18 Mark in der Woche, und so musste die Arbeit manchmal mit einem Stück trocken Brot geleistet werden. Da war es die Arbeiterwohlfahrt, die auch hier helfend eingriff und für 10 Pfennig ein gutes, reichliches Mittagessen lieferte. Da zogen jeden Mittag einige Siedler mit den Handwagen zum Kastell, um das Essen abzuholen.

Zum Bau der Siedlerhäuser teilten sich die Siedler in vier Gruppen. Jede Gruppe unterteilte jedoch wieder Siedler in die einzelnen Baufachgruppen. Die Arbeit stand unter Aufsicht einiger Baufirmen mit ihren Polieren. Nur ein geringer Teil der Siedler war Bauhandwerker, so dass 90 Prozent aus anderen gelernten Berufen kamen. Davon über 30 beste Facharbeiter von Henschel. Nach diesen Gruppen gab es dann den 1. bis 4. Erlenfeldweg. Einzug war am 1. Oktober 1932.

Es folgten Jahre friedlicher Arbeit, der Gesundheitszustand der Kinder hatte sich gebessert. Der Siedler war ein zufriedener Mensch geworden. Im Krieg blieben 42 Siedler, 19 Häuser waren total vernichet, 1945 begann aus schwierigsten Verhältnissen heraus der Wiederaufbau, zum größten Teil im Wege der Selbsthilfe, unter großen persönlichen und finanziellen Opfern. Das letzte zerstörte Haus wurde 1957 wieder aufgebaut.

In den Jahren 1955 bis 1960 wurden endlich Straßen ausgebaut. Die Omnibuslinie, die sonst nur bis zum Erlenfeld fuhr, wurde bis Lohfelden 0chshausen verlängert.

Die Siedlung am Lindenberg – Lindenberg I

Auszug aus dem Bericht von Erich Bing Siedlergemeinschaft Lindenberg 1

Im August/September 1933 erfolgte ein Aufruf zum "Siedeln" auf dem Lindenberg, um aus der Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit herauszukommen und auf eigener Scholle mit Nebenerwerb aus Obst und Gemüseanbau, sowie Kleintierhaltung den Familienunterhalt zu sichern. Es waren zunächst 50 Siedlerstellen mit einer Grundstücksgröße von je ca. 1000 qm vorgesehen. Die Grundstücke wurden nach dem Reichsheimstättengesetz ausgegeben und von der Hessischen Heimstätte, die an der Verwirklichung des Vorhabens tatkräftig mitarbeitete, verwaltet.

Es fanden sich zunächst nicht die erhofften 50 kinderreichen Familien, so dass auch andere Familien bei Vergabe der Plätze zum Zug kamen. Nach den damaligen Richtlinien mussten die Bewerber vor der Kommission unter anderem weiter folgende Voraussetzungen erfüllen: Eignung des Mannes: Arbeitswilligkeit, Bescheidenheit, Verträglichkeit und Befähigung zu den für die Siedlerstelle wichtigen Arbeiten. Die Frau musste die Fähigkeit besitzen, einen Haushalt ordentlich zu führen und vor allem musste sie Mut und Liebe zum Siedeln haben.

Am 05. Mai 1934 beginnen die Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt Eschenweg – Kastanienweg - Birkenweg durch eine Firma aber auch gleichzeitig unter eigener Mitarbeit und Eigen- wie Nachbarschaftshilfe. Am 01. Oktober 1934 waren die ersten Siedlerhäuser fertiggestellt und konnten bezogen werden.

Nach Überlieferungen wurden in den damaligen Jahren auf dem Gebiet der ehemaligen Kernsiedlung 67 Schweine, 38 Ziegen, bzw. Milchschafe, nahezu 300 Kaninchen und ungezähltes Federvieh gehalten.

Wegen der einheitlichen Bauweise und vor allem den einheitlich kalkweißen Fassaden wurde die Siedlung damals spöttisch als "Mehldörfchen" bezeichnet und ist unter diesem Namen auch heute noch bei der älteren Generation in Forstfeld und in Bettenhausen bekannt.

Vom Juli 1940 bis Dezember 1944 erfolgten mehrere Luftangriffe auf das Gebiet von Bettenhausen, wobei auch einige Brandbomben hier niedergingen. Z. T. wurde diese von den Siedlern aus dem Dachstuhl geworfen und vergraben.

Die Straßen im Siedlungsgebiet, bis dahin nur Schotterwege mit Straßengräben, wurden ebenfalls auf Druck der Siedlergemeinschaft voll ausgebaut und kanalisiert.

Der Lindenberg gehörte zum Ortsteil Bettenhausen, die Bürgerinnen und Bürger sahen ihren Lebensmittelpunkt aber in Forstfeld. Nachdem frühere Bemühungen gescheitert waren, verhandelte Erich Bing wegen einer möglichen Änderung der Ortsteilsgrenzen bereits seit 1993 mit den Ortsvorstehern von Bettenhausen und Forstfeld. Der Vorstand der Siedlergemeinschaft Lindenberg 2 schloss sich schon damals diesen Bestrebungen an. Gestützt auf eine Resolution zur Jahreshauptversammlung vom 11. März 1995 und einen gleichlautenden Antrag der SGM Lindenberg II wurde unter gleichem Datum dem Oberbürgermeister ein Antrag auf Änderung der Satzung zu den Ortsbereichsgrenzen persönlich übergeben. Nach einer von beiden Siedlergemeinschaften organisierten und getragenen Bürgerbefragung ergab sich eine eindeutige Aussage für den geforderten Anschluss des Wohngebietes Lindenberg an den Bereich des Ortsbeirates Forstfeld. Unterstützung fanden die damaligen Bestrebungen von allen im Ortsbeirat Forstfeld vertretenen Parteien. Dem wurde vom Stadtparlament und den zuständigen Gremien mit Wirkung zu den nächsten anstehenden Wahlen entsprochen.

Somit gehören Lindenberg und Forstfeld seit dem 01.04.1997 zu einem gemeinsamen großen Stadtteil. Die Wege für Fragen, Klagen, Lob und Tadel, also für Mitbestimmung über die Gestaltung unseres Stadtteiles sind für die Lindenberger seither wesentlich kürzer geworden.


Die Forstfeldsiedlung (Fieselersiedlung)

siehe Siedlergemeinschaft Forstfeld

Die Städtische Siedlung

Die Steinigkstraße - oder die Idee von der Gartenstadt Forstfeld bei Cassel

von Waltraud Wenke

Frühe Aufnahme der General Emmich Str., im Hintergrund die Söhrebahntrasse (Bild: Sammler Wieddekind)

Zur Zeit des Ersten Weltkrieges erhielt der Architekt Karl Dupont den Auftrag, auf dem Gelände des Kasseler Forsts eine Munitionsfabrik zu bauen. In kurzer Zeit entstanden riesige Anlagen, die schon 1916 in Betrieb genommen wurden. Nach vorliegenden Berichten gab es hier Arbeit für 13 000 Menschen. Zwei Drittel der Belegschaft waren Frauen. Dies bedeutete aber auch, dass für diese Arbeiter und ihre Familien Wohnungen zu bauen waren.

Unter Überwindung großer Schwierigkeiten wurden mitten im Krieg 19 Wohnhäuser mit 53 Wohnungen erstellt. Die ersten Bewohner zogen bereits 1916 ein. Dies sollte aber nur der Anfang einer großen Planung unter der Federführung des Stuttgarter Architekten Paul Schmitthenner sein. Geplant war eine „Gartenstadt Forstfeld bei Cassel." Die Vollendung dieser Planung wurde jedoch durch den Gang der Ereignisse unmöglich gemacht. Es blieb bei der Fertigstellung des ersten Bauabschnitts - elf zweigeschossige Vierfamilien- und Achtfamilienhäuser. Die Wohnungen hatten eine Wohnfläche zwischen 54 und 66 qm. So entstand in Kassel die erste Arbeitersiedlung.

Bild aus den 30-er Jahren

Zu jeder Wohnung gehörte ein Stück Gartenland, sowie ein kleiner Viehstall. Die dazugehörige Straße hieß General-Emmich-Straße. (Benannt nach Albert Theodor Otto von Emmich, preußischer General der Infanterie, der im Ersten Weltkrieg die Festung Lüttich eroberte).

Nach dem Zeiten Weltkrieg wurde die General-Emmich-Straße in Steinigkstraße umbenannt. Carl Steinigk (Namensgeber dieser Straße) war als "Anwalt der Armen" im Kasseler Osten bekannt. Er war Mitglied in der SPD und ein Schüler von August Bebel. Carl Steinigk hat viele Jahre mit seiner Familie in der Osterholzstraße in Kassel-Bettenhausen gelebt.

Steinigkstr. in den 70-er Jahren

Die Häuser des ersten Bauabschnitts - Steinigkstraße 1 A - 19 heben sich von der späteren Bau-weise ab. Eigentümerin der Häuser ist seit dem Erstbezug die Wohnungsbaugenossenschaft 1889 eG, die Wohnungsbestände in Kassel und Bad Wildungen hat. Die Häuser wurden in den letzten 30 Jahren mehrmals saniert. Alle Wohnungen verfügen in der Zwischenzeit über Zentralheizung, Bäder oder Duschräume. Auch wurden eine Garagenzeile und einige Jahre später PKW-Abstellplätze gebaut und an die Wohnungsinhaber preisgünstig vermietet.

Jeder Wohnungsinhaber/jede Wohnungsinhaberin ist eingetragenes Genossenschaftsmitglied und hält durchschnittlich 2 Genossenschaftsanteile. Diese Anteile werden verzinst, die Dividenden jährlich ausgezahlt. Derzeit werden in Abständen neue Fenster eingebaut. Nach wie vor gehören kleine Gärten zu den Wohnungen, die kleinen Ställe gibt es aber - bis auf wenige Ausnahmen - nicht mehr. Der untere Teil der Steinigkstraße - also der Bereich des ersten Bauabschnittes - er-fuhr in den 90-er Jahren eine Verkehrsberuhigung. Die Straße wurde eingeengt und zur Tempo-30-Zone erklärt. Auf der südlichen Seite entstand ein breiter Grünstreifen, auf dem Bäume ge-pflanzt und Rasen eingesät wurde.

II. und III. Bauabschnitt:

In den Jahren 1937/1938 erbaute dann die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft mbH der Stadt Kassel weitere Häuser. Die Siedlung führte nun offiziell den Namen „Siedlung an der Ge-neral-Emmich-Straße." Die weitere Bebauung der Städtischen Siedlung erfolgte in den Jahren 1938/1939, 1949/1950 und 1953/1954. Die Häuser sind in der vielfach zu findenden Riegelbauweise erstellt. Die Zahl der einzelnen Wohnungen in den jeweiligen Häusern schwankt zwischen zwei und sechs Wohneinheiten. Im Volksmund wurde die Siedlung häufig „Afrika-Siedlung" genannt, weil die Straßen größten-teils Namen trugen, die mit den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika in Verbindung standen, außer im 1. Bauabschnitt: Hier hieß es: „Bonzen Afrika".

Die Steinigkstraße ist ein reines Wohngebiet. Außer einem Frisiersalon befinden sich keine wei-teren gewerblichen Geschäfte oder Betriebe hier. Außerdem ist sie verkehrsberuhigt. Es gilt „Tempo 30". Dies wird leider zum Leidwesen der Bewohner oft nicht eingehalten. Die Infra-struktur ist sehr gut. (Bus- und Straßenbahnhaltestellen sind schnell zu erreichen, Apotheken, Sparkasse, Arzt- und Zahnarztpraxen, Lebensmitteldiscounter, Bäckereifilialen, ein Metzgerladen und noch weitere Geschäfte sind im Stadtteil Forstfeld vorhanden.

Die GWG trennt sich z. Zt. von einzelnen Häusern, die mit kleinen Grundstücken recht preiswert zu erwerben sind.

Der Straßenzug beginnt an der Ochshäuser Straße und endet mit der Hausnummer 72 am Togoplatz.

Waltraud Wenke, Steinigkstraße 10

Mietwohnungen, die nach 1937 gebaut wurden

Luftbild von Forstfeld 1955, vorne Diana-Werk, links "Lettenlager", im Hintergrund die Forstfeld-Siedlung (Fieseler-Siedlung), rechts Windhukstr., vorne Waldkappeler Bahn, in der Mitte die Söhrebahn

Die städtische Siedlung wurde in den Jahren 1937/38 durch die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel erbaut. Die Siedlung hieß zunächst offiziell "Siedlung an der General-Emmich-Straße", dann "Siedlung an der Steinigk-Straße". Im Volksmund war es die "Afrika Siedlung", weil ihre Straßen größtenteils Namen aus den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika tragen. Heute sprechen wir von der "Städtischen Siedlung", weil die Mietwohnungen im Wesentlichen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG gehören.

In den Jahren 1938/39, 1949/50 und 1953/54 wurde die Siedlung erweitert. Sie hatte vor dem Kriege 166 Häuser mit 589 Wohnungen. Während des Krieges wurden neun Häuser total zerstört. Am 1. Mai 1945 gab es in der Siedlung 157 Häuser mit insgesamt 535 Wohnungen, heute weist die Siedlung 233 Häuser mit 845 Wohnungen auf. Im Kasseler Architekturführer heißt es: "Kleinsiedlungsbau ist auch das Ideal des faschistischen Städtebaus, wie er in der "Afrikasiedlung" entsteht: Volkswohnungen in einfachen zweigeschossigen Häusern, ohne Bad und mit Ofenheizung sollen "dem minderbemittelten Volksgenossen eine angenehme Wohnstätte schaffen". Bis 1939 entstehen hier 462 Volkswohnungen, u. a. von Catta und Groth."

1954 wohnten in der Städtischen Siedlung 4009 Menschen, heute sind die Wohnungen vergrößert und modernisiert worden, so dass hier heute nur noch halb so viel Menschen wohnen. Als in den dreißiger Jahren der sog. "Freiheiter Durchbruch" - die heutige Kurt-Schumacher-Str. - geschaffen wurde, brauchte man neuen Wohnraum. Viele dieser Menschen bekamen Wohnungen in der Städtischen Siedlung, darum hörte man hier noch lange den Kasseler Dialekt aus der Altstadt unverfälscht. In den 80-er Jahren machte diese Siedlung keinen guten Eindruck, die Häuser waren heruntergekommen und man dachte sogar an Abbruch und Neubau.

Geht man heute im Frühling durch die Städtische Siedlung, ist das ein sehr schöner Spaziergang. Die Häuser erhielten neue Fenster, Etagenheizungen, sie erhielten einen freundlichen Anstrich und gemütliche Regenschutzvorbauten über den Eingangsbereich. Kleine Wohnungen wurden zu großen verschmolzen. Spielplätze wurden kinderfreundlich umgebaut. Von der "Afrika" ist außer bei einigen heute nicht mehr so ganz passenden Straßennamen - nichts mehr zu spüren.

Flüchtlingssiedlung Lindenberg II

Siedlergemeinschaft Lindenberg 2

Am 13. September 1958 schrieb eine Kasseler Zeitung: "Neues Siedlerglück am Lindenberg - ein Stück Heimat wieder gefunden.“ Gemeint war die zu diesem Zeitpunkt feierliche Freigabe einer Nebenerwerbssiedlung auf dem Lindenberg.

Für dieses Objekt stellte die Landesregierung 2,5 Millionen DM bereit. 10 % dieser Kreditmittel mussten die Siedler aufbringen, was für die meisten in der damaligen Zeit, nur wenige Jahre nach der Vertreibung aus der Heimat, finanziell nur unter erheblicher Entbehrung zu bewältigen war. Dennoch waren sie glücklich, am Lindenberg eine neue Heimat zu finden, zumal sie die Möglichkeit hatten, durch Eigenleistung ihren Anteil abzuarbeiten. Damit die Siedler auch landwirtschaftlich - wenn auch im kleinen Maßstab - ihr Gelände nutzen konnten, erhielt jedes Haus ein Stallgebäude. 56 Siedlerstellen sollten es werden mit je etwas über 1000 qm Eigentumsfläche. Bauträger war die Hessische Heimat, die Bauausführung oblag der Hessischen Heimstätte. Die Siedlerstellen wurden ausgeschrieben.

Nachdem u. a. die Vertriebenenverbände den in Frage kommenden Personenkreis verständigt hatten, setzte eine derart rege Nachfrage von Bewerbern ein, dass eine Auswahl nach bestimmten Kriterien getroffen werden musste. Dieses geschah von den kommunalen Stellen unter Mitwirkung der verschiedenen Organisationen bzw. den Vertriebenenverbänden. Berücksichtigt wurden schließlich solche Bewerber, die heimatvertriebene Landwirte waren, bzw. in den Ostgebieten landwirtschaftliche Anwesen ihr eigen nannten. Die Grundstücke wurden anlässlich einer Feierstunde im Theater des Ostens ausgelost. Am 28.08.57 war Grundsteinlegung. 56 Häuser mit Ställen wurden danach in der Rekordzeit von 12 Monaten errichtet, 8 davon als Doppelhäuser.

Der große Tag der feierlichen Übergabe war der 12. September 1958. Da jedes Haus noch über eine voll ausgebaute Einliegerwohnung verfügte, erhielten nach Zuweisung des Wohnungsamtes weitere 56 Familien ebenfalls eine Bleibe. Zu jeder Nebenerwerbssiedlung gehört ein Stallgebäude und so kann positiv vermerkt werden, dass einige Siedler nicht nur Kleintiere mitbrachten, sondern darüber hinaus die Mehrzahl der Stelleninhaber nach und nach Geflügel, Kaninchen usw. anschafften. Selbst Schweine wurden vereinzelt gehalten. Erwähnt sei auch noch die seit den Anfängen der Siedlung bestehende Wellensittichzucht.

Heinrich-Steul-Siedlung

Etwa zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden im Zuge der erhöhten Rüstungsproduktion der Junkers-Flugzeugmotorenwerke feste Behelfswohnungen entlang der Waldkappeler Bahn/Forstbachweg gebaut. Hier waren die Arbeiter untergebracht, die aus vielen Teilen Deutschlands kamen, um in den Junkers-Werken zu arbeiten. Gleichzeitig wohnten auch ca. 200 Lehrlinge mit ihren Betreuern in diesen Steinbaracken. Nach anderen Quellen waren hier bis Kriegsende auch zwei Zwangsarbeiterlager, die mit hohen Zäunen umschlossen waren. Polnische und russische Zwangsarbeiter der Junkerswerke waren hier untergebracht. Nach dem Ende des Krieges unterstanden diese Unterkünfte der UNESCO zur Betreuung der Fremdarbeiter - insbesondere der Letten (daher der Begriff "Lettenlager") - bis zu deren Rückführung bzw. Auswanderung. Nach 1949 fanden hier Heimatvertriebene - insbesondere Arbeiter und Angestellte der Firma AEG und Urban, sowie auch Polizeibeamte mit ihren Familien eine erste feste Bleibe. Es entstanden vor und neben den Unterkünften zu dieser Zeit gepflegte Blumenbeete und Rasenflächen. Wo es möglich war, wurde auch Gemüse für den Hausbedarf angebaut.

In den 50er Jahren kaufte die Stadt Kassel die Baracken und brachte dort Obdachlose unter, nachdem die Holzbaracken am Mattenberg abgerissen worden waren. Auf viel zu engem Raum wohnten dort bis zu 600 Menschen unter kaum menschenwürdigen Bedingungen.

Bereits hier in diesem Lager gab es ein Haus Forstbachweg – ein Sozialzentrum mit der Hausnummer „Forstbachweg 16 c“. Das ist auch der Grund, warum dieser Name und die Hausnummer bis heute – auch für den Neubau – geblieben sind.

Die Schule Am Lindenberg hatte ihren Ursprung in Block P. Bis zur Fertigstellung des 1. Bausabschnittes der neuen Schule gingen die Schulanfänger des Forstfeldes und des Lindenbergs in diese Schule und brauchten den weiten Weg nach Bettenhausen zur Eichwaldschule nicht zu gehen.

Für die neu geplante Siedlung mit einer gesamten Grundstücksgröße von 39 503 qm wurde ein Architekten Wettbewerb ausgeschrieben, für den 8 Arbeiten vorgelegt wurden. Ein 1. Preis wurde nicht vergeben, jedoch bildeten die Gewinner des 2. und des 3. Preises eine Arbeitsgemeinschaft und überarbeiteten die Entwürfe.

Die Bauarbeiten für den 1. Bauabschnitt (Nr. 39 - 27) mit 126 Wohneinheiten begannen am 2. April 1973. Als Subunternehmer wurde für den Rohbau die rumänische Staatsfirma "Tarom" eingesetzt. Der Rohbau wurde gemauert und später mit Platten verkleidet. Die Bauarbeiter lebten während der Bauzeit unmittelbar neben der Baustelle. Nach 1-jähriger Bauzeit konnten die Wohnungen zum 1. April 1974 bezogen werden.

Entgegen der heutigen Hausnummernfolge wurde der 1. Bauabschnitt mit "Haus 1 - 7" verwaltet, denn der Straßenname wurde erst später offiziell eingeführt. Beim Einzug zum 1. April 1974 lautete die Adresse noch Forstbachweg 16, neue Häuser", erst später erfolgte die Umbenennung in "Heinrich Steul Straße".

Selbst der für Ende 1974 geplante Baubeginn für den 1. Bauabschnitt mit 146 Wohneinheiten stand in Frage. Dennoch wurde mit den Arbeiten am 17. Dezember 1974 begonnen und die Wohnungen am 24. Februar 1976 fertig gestellt.

Die Baukosten für die einzelnen Abschnitte:

  • 1: 9 768 000 DM,
  • 2: 11 382 000 DM,
  • 3: 10 487 000 DM.

Bei der Abschreibungskalkulation wurden 100 Jahre Lebensdauer zugrunde gelegt.

An der Heinrich-Steul-Straße wurden innerhalb von 23 Monaten 421 Neubauwohnungen verschiedener Größe fertiggestellt. Die Schaffung so vieler neuer Wohnungen zog die Ansiedlung von Infrastruktur nach sich. Z. B. wurde Einzelhandel angesiedelt bzw. erweitert, das neue Haus Forstbachweg gebaut und der städtische Kindergarten eröffnet. In den 70er Jahren fuhr 3-mal täglich ein Güterzug auf der noch heute zu erkennenden Gleistrasse der Söhrebahn.

1995 wurden im Nebenzweig der Heinrich-Steul-Straße 43 Garagen gebaut. Die Vergabe erfolgte nach der Dauer des Mietverhältnisses. Die Belegung der Wohnungen ist trotz eines entspannten Wohnungsmarktes sehr gut. In den letzten Jahren gab es in der Heinrich-Steul-Straße kaum leere Wohnungen; ein Indiz dafür, dass die Wohnungen immer noch begehrt sind.

Aufgrund der Fassadenverkleidung spricht man in Bettenhausen von den "Lego"-häusern. Die GWG wird die Fassaden aber in nächster Zeit erneuern.

Stadtteil Forstfeld

Seit dem 1. Oktober 1945 gehörte das heutige Forstfeld verwaltungsmäßig zum Ortsteil Waldau - wegen der Gemarkungsgrenze. Wenn man es von der Bevölkerungsdichte her sah, dann war es eher umgekehrt. Aus dem Jahr 1954 liegt eine Einwohner- und Häuserzählung vor. Damals gab es in Waldau 189 Häuser und 1820 Einwohner (mit den Bewohnern der Laubenkolonien des Forstgeländes). Im heutigen Forstfeld gab es 700 Häuser mit 7514 Einwohnern, davon 2112 unter 16 Jahren. Der Verwaltungsbezirk (14) hieß damals deswegen auch bis 1950 Waldau-Siedlungen. Dann wurden die Verwaltungsbezirke reduziert zu Bezirk "7 Ost". Waldau und Bettenhausen wurden hier zusammengefasst. Es gab aber noch 2 Verwaltungsausschussbezirke, nämlich Bettenhausen und Waldau. Die Bezirksstelle war in der Ochshäuser Str. 6. Ab 1953 gab es dann wieder mehr Verwaltungsbezirke, Forstfeld gehörte wieder zu Waldau-Siedlungen.

Nach 1945 mussten die Menschen zur Verwaltungsstelle 45 Minuten bis nach Waldau über lehmige Feldwege gehen. So wurde 1951 ein Büro des Bezirksamtes VII als Nebenstelle in der Payerstraße 4 geschaffen, um den Menschen lange Fußwege zu ersparen. Aus Protokollen, die im Kasseler Archiv lagern, geht hervor, dass Forstfeld ab 1957 einen eigenen Verwaltungsausschuss hatte, also nicht mehr zu Waldau gehörte und somit ein neuer Kasseler Stadtteil war. 1981 wurde aus dem Verwaltungsausschuss der Ortsbeirat, der direkt von der Bevölkerung gewählt wurde, zunächst nach Listenwahl, ab 2001 nach einer Mischung aus Persönlichkeits- und Listenwahl.

1970 wohnten in Forstfeld 5665 Menschen, 1980 nur noch 4973. „Mit dem Abriss des Behelfswohnraums und dem umfangreichen Neubau von Sozialwohnungen ist in diesem Zeitraum eine Umstrukturierung eingetreten. Der Bevölkerungsrückgang hängt zusammen mit dem Abbau der hohen Wohnungsbelegung, in starkem Maße der Verkleinerung der Haushalte im Zuge des Familienzyklus und auch mit dem Sterbeüberschuss. Trotz des Neubaus von ca. 300 Wohnungen in der Heinrich-Steul-Straße kam es zu diesem überdurchschnittlichen Bevölkerungsrückgang. In „Alt-Forstfeld“ (ohne den Lindenberg) gibt es heute 2300 Wohneinheiten.

1997 wurde das Gebiet zwischen Forstbachweg, Eibenweg, Autobahn und Waldkappeler Bahn dem Stadtteil Forstfeld zugeschlagen, es hatte früher zu Bettenhausen gehört. Angeregt worden war diese Neuordnung von Bürgerinnen und Bürgern, die auf dem Lindenberg wohnten und sich Forstfeld als Zentrum eher zugeordnet fühlten (Kirche, Einkaufszentrum, Ärzte, Haus Forstbachweg). Forstfeld hatte im Jahr 2005 6.894 Einwohner, davon waren 822 (11.9 %) Ausländer.

Ab 1957 ist Forstfeld nun ein eigener Kasseler Stadtteil, viele Institutionen, aber auch Bürgerinnen und Bürger, haben das noch nicht realisiert. Forstfeld hat ungefähr 1000 Bürgerinnen und Bürger weniger als Bettenhausen und fast 1000 mehr als Waldau. Viele rechnen Forstfeld Bettenhausen zu, andere Waldau - und an allem ist etwas dran.

Die Grundstücke südlich der Ochshäuser Str. werden im Grundbuch Waldau geführt, weil dieses bei der Eingemeindung so bestehen blieb. Andererseits mußten wir bis Ende der 70-er Jahre die Post nach Kassel-Bettenhausen schicken lassen, damit wir sie einen Tag eher bekamen; denn bis dahin wurde die Post im Postamt Bettenhausen für den Kasseler Osten sortiert und verteilt. Andernfalls ging sie erst zum Hauptpostamt und wurde dann erst am nächsten Tag nach Bettenhausen geschickt. Seitdem die Post zentral sortiert wird, gibt es dieses Problem aber nicht mehr.

--Falk D. Urlen 15:14, 10. Apr 2007 (CEST)

Straßennamen

siehe auch

Vereine und Parteien

Parteien

Vereine

  • Reisevereinigung für Brieftauben von Kassel und Umgebung e.V.
  • SG Forstfeld (Siedlergemeinschaft Forstfeld) | Link

Weblinks


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