Flugplatz Kassel-Waldau

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Zeppelin bei der Landung in Waldau

Der Flugplatz Kassel-Waldau befand sich auf dem Gelände des heutigen Industrieparks Kassel-Waldau (West).

Er wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts angelegt. Im 2. Weltkrieg wurde eine Betonlandebahn, ca. 800 Meter lang, gebaut. In den 1020er-Jahren gab es eine Lufthansa-Verbindung nach Berlin und Halle. Nach dem Krieg diente der Flugplatz der Privatfliegerei. In den späten 1970ern bis Mitte der 1980er Jahre war der verschwundene Flugplatz eine MotoCross-Rennstrecke, auf der regelmäßig Rennen stattfanden.

Heute erinnert nur noch eine Halle in der Falderbaumstraße gegenüber Preis-Rebell an den Flugplatz. Außerdem gibt es noch die Bushaltestelle "Udet Haus". Das Udet-Haus war das Flughafengebäude. Es wurde Anfang der 1990er-Jahre abgerissen.

Seit der Stillegung des Flugplatzes Kassel-Waldau im Jahre 1970 gibt es den Flughafen Kassel-Calden.

Ursprung des Projekts Fluhafen Kassel-Waldau

Im Jahr 1923 hat sich in Bettenhausen die Dietrich-Gobiet Flugzeugwerk Aktiengesellschaft etabliert, die zur Triebfeder für die Errichtung des Flughafens wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich ehemalige Kriegspiloten und andere Flugbegeisterte um die Unternehmerbrüder Anatole und Egon Gobiet geschart und die Fliegerei auf dem einstigen Truppenübungs- und Exerzierplatz in Waldau wieder aufgenommen. Im März 1924 kam es zur Fusion der beiden tragenden Luftsportvereine in der Stadt. Die Sektion Kassel des Kurhessischen Vereins für Luftfahrt ging im Mitteldeutschen Flugverband auf, und die Sportflieger setzten sich das Ziel, an der Errichtung eines großen Flughafens in der als Verkehrs-Knotenpunkt wichtigen Stadt Kassel mitzuwirken.

Nachdem die Stadt das Waldauer Gelände von den Militärbehörden erworben hatte, wurde die Idee eines Verkehrsflughafens in die Tat umgesetzt. Damals rechnete man sich durchaus wirtschaftliche Chancen für das Projekt aus. "Das war überhaupt der treffliche Eindruck der ganzen Veranstaltung, daß man es nicht allein mit sportlicher Leistungsfähigkeit, sondern mit praktisch erfolgreichen, im Dienste des Handels und der Industrie arbeitenden, modernen Verkehrsmöglichkeiten zu tun hatte", kommentierte die Kasseler Post.

Impressionen von der Eröffnungsfeier

Im Jahr 1924 war die Eröffnung des Kasseler Verkehrsflughafens das lokale Großereignis in der Stadt

Schon mittags hatten sich am 24. August, einem regnerischen Sonntag, viele tausend Kasseler Bürger auf den Weg nach Waldau begeben. Trotz aufgeweichter Fußwege, drohender Regenschauer und langer Wartezeiten pilgerten die Menschen zum Fluggelände im Osten der Stadt, um den "Großflugtag" mitzuerleben. "Ganz Kassel war auf den Beinen und in Waldau!", berichtete die Kasseler Post über das Großereignis des Jahres 1924: Die Eröffnung des neuen Flughafens der Stadt.

Vormittags war "in Gegenwart einer erlesenen Gemeinde" die offizielle Einweihung vorgenommen und der Flughafen als Markstein in der Entwicklung des Flugwesens für Mitteldeutschland und Kassel gewürdigt worden. Danach folgte der unterhaltsame Teil des Einweihungsfestes mit waghalsigen Flugvorführungen der Piloten Richard Dietrich, Antonius Raab und Kurt Katzenstein.

"Es war ein herrlicher Anblick, die drei Apparate unter dem blauen Himmel ruhig ihre Bahn ziehen zu sehen. Kühnste Kunststückchen riefen nach atemloser Spannung die Begeisterung des Publikums hervor. Passagierflüge schlossen sich an", beschreibt der Berichterstatter der Kasseler Post das Geschehen.

Veranstaltungen & besondere Ereignisse am Flugplatz Kassel-Waldau

Lufthansa in Waldau

Mit dumpfem Knall sprang der Korken aus der Sektflasche, schnell waren ein paar Gläser gefüllt. Grund zum Feiern hatte man am Donnerstag, 8. April, 1926, auf dem Flugplatz in Waldau, auf dem Forst. Kassel war in das Liniennetz der Deutschen Lufthansa aufgenommen.

Die erste Maschine, eine viersitzige Fokker D 784, kam kurz nach 10.30 Uhr aus Halle, flog dann weiter nach Dortmund. Passagiere waren nicht an Bord, aber Post. Um 11.30 Uhr kam eine Junkers F 13 aus Frankfurt angeschwebt. An Bord Pilot Haar und ein Passagier. Der wurde von Stadtrat Gustav Henkel, Vorsitzender der städtischen Verkehrskommission, samt Stadtverordneten und Journalisten begrüßt. Es kamen später noch zahlreiche tägliche Verbindungen ins In- und Ausland hinzu. Teil des Linienverkehrs war Kassel nur vier Jahre. Dann konnte die Stadt die 231.000 Mark an Zuschüssen für die Lufthansa, plus Kosten für Flugplatzverwaltung und -unterhaltung nicht mehr aufbringen.

Flughafen Waldau: Weltrekordler landete im Apfelbaum

Am Mittwoch, den 19. März 1930 startete der Kasseler Kunstflugmeister Gerhard Fieseler mit seiner "Schwalbe", dem Doppeldecker D 1818, vom Flughafen Waldau zu einem ganz besonderen Flug. An Bord befand sich der bayerische Fallschirmpilot Resch, der den bisherigen Weltrekord im Fallschirmabsprung von Bord eines Flugzeugs brechen wollte. Und es gelang.

Aus 5200 Meter, immerhin 900 Meter höher als der bisherige Weltrekord, sprang Resch aus dem Flugzeug. Nur die Landung verlief anders als geplant; der neue Weltrekordler landete mit seinem Fallschirm in einem Apfelbaum in der Nähe von Vollmarshausen. Er blieb jedoch unverletzt.

Volksfest bei der Landung des Zeppelins

Zeppelin über der Henschel-Villa

Ganz Kassel war an diesem Mittwoch, den 3. September 1930, schon in aller Frühe auf den Beinen. Schulklassen rückten aus der Provinz an, Straßenbahnen rollten vollbesetzt durch die Straßen, Sonderzüge beförderten Schaulustige zum Waldauer Bahnhof, und Tausende von Autos machten sich auf den Weg zum Waldauer Flugplatz. Rund 100.000 Menschen, so die grobe Schätzung, wollten sich das besondere Schauspiel nicht entgehen lassen. Am Vormittag sollte der "Graf Zeppelin" in Waldau landen.

Von Friedrichshafen über Stuttgart und Frankfurt schwebte schließlich das Luftschiff gegen 8 Uhr über dem Kasseler Flugplatz ein. Gerhard Fieseler flog mit seiner "Tiger-Schwalbe" dem Luftschiff entgegen und vollführte halsbrecherische Kunstflugfiguren. Wenig später, nachdem der Koloss sicher gelandet war, begrüßte Bürgermeister Lahmeyer die Besatzung und die Passagiere des Zeppelins. Nach nur einer Viertelstunde hob der Zeppelin wieder Richtung Hannover ab. Mit an Bord diesmal auch der Kasseler Oberpräsident Haas.

Die meisten der Zuschauer harrten aus, genossen das Volksfest mit Flugvorführungen und Fallschirmsprüngen. Gegen 16.30 Uhr landete das Luftschiff wieder, um kurz vor 18 Uhr ging es zurück Richtung Bodensee. Der Kasseler Journalist Dr. Fritz Metz flog mit und berichtete später: "Man sitzt so sicher wie zu Hause am Kaffeetisch. Das eine aber ist das Wichtigste: der Himmel ist offen, und Du fliegst wie ein Vogel vor dem Wind."

Ende des Flughafens Kassel-Waldau

Der neue Flughafen, der ab 1926 auch regelmäßig von Linienmaschinen der Lufthansa angeflogen wurde, hatte allerdings keine große Zukunft. Bereits ab April 1930 gab es den städtischen Flughafen nicht mehr, weil die Stadt die Zuschüsse an die Lufthansa und die Kosten für Unterhaltung und Verwaltung des Flughafens nicht mehr aufbringen konnte. Der Platz ging in den Besitz des Niederhessischen Vereins für Luftfahrt über. Dennoch blieb der Flughafen für große Events erhalten. So landete im September 1930 erstmals ein Zeppelin in Kassel und zog 100.000 Zuschauer an (Kasseler Post vom 4.9.1930). Zwar war die Zentrallage von Kassel an sich für den Flugverkehr innerhalb von Deutschland nicht günstig, da die mittleren Entfernungen zu kurz waren. Aber bevor die Autobahnen gebaut wurden und bevor schnelle Verbindungen mit der Bahn geschaffen werden konnten, war der Flugverkehr ein attraktives Angebot. Anfang der 60er Jahre wurde klar, daß das Fluggelände im Osten der Stadt aufgegeben werden musste. Es gab keine Erweiterungsmöglichkeit und Wohngebiete mußten überflogen werden. Als die Stadt im Juli 1970 den neuen Flugplatz bei Calden eröffnete, wurde das Waldauer Fluggelände in ein Industriegebiet umgewandelt.

siehe auch