Flandernweg

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Flandernweg in Korbach

Siedlung für Kriegsversehrte

Der Korbacher Flandernweg wurde während des Dritten Reiches in der damals neu erbauten Langemarcksiedlung angelegt. Der Name sollte an die Flandernoffensive im Herbst 1914 erinnern. Der Flandernweg, eine schmale Wohnstraße am Südostrand der Stadt, beginnt am unteren Grünen Weg, führt durch die Langemarcksiedlung, überquert auf halber Höhe den Langemarckweg und endet schließlich auf seinen letzten Metern als Fußgängerweg am Herrengraben. Der untere Teil des Flandernwegs, der heute Einbahnstraße ist, wurde 1937 als Anliegerstraße für die 1937/38 entstandenen Siedlungshäuser gebaut.

In Zusammenarbeit mit dem damaligen Kriegsopferverband und der Stadt Korbach entstand hier ein neues Wohngebiet mit elf Siedlungshäuern. Die Stadt teilte das von der von Hanxledenschen Gutsverwaltung erworbenen Grundstück auf. Außerdem übernahm das Stadtbauamt unter dem damaligen Stadtbaumeister Karl Hesse die Planung und Bauleitung der Neubauten. Eigene Ideen möglich Die Grundstücke haben eine Größe zwischen 700 und 800 Quadratmetern. Die in einem einheitlichen Stil erbauten eineinhalbstöckigen Häuser konnten innen variabel gestaltet werden. Laut Kostenvoranschlag sollten die Häuser damals etwa 11000 Reichsmark kosten. Nach Berücksichtigung verschiedener persönlicher Wünsche kosteten sie am Ende bis zu 4000 Reichsmark mehr. Bis auf eine Ausnahme waren die Bauherren Kriegsbeschädigte oder Kriegshinterbliebene des ersten Weltkrieges. Die elf Häuser wurden von einheimischen Firmen erbaut. Sie konnten im Sommer 1938 bezogen werden, nachdem die Siedlung bei einer feierlichen Einweihung den Namen Langemarcksiedlung erhalten hatte. Nicht die Tatsache, dass die alte Hansestadt Korbach im ausgehenden Mittelalter zweifellos auch Verbindungen zu den großen flandrischen Hansestädten Brügge und Gent pflegte, war für die Namensgebung dieser Straße ausschlaggebend. Der Name sollte vielmehr an die Kämpfe in Flandern erinnern, die im Herbst 1914 mit dem offensiven, strategisch wichtigen Wettlauf nach der Küste begannen und zu einem jahrelangen zermürbenden, blutigen Stellungskrieg ausarteten. Weide wurde Wohngebiet Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Bautätigkeit in Korbach wieder einsetzte, wurde der Flandernweg über den Langemarckweg hinaus fortgesetzt. Auf einem Areal, das bis dahin als Viehweide gedient hatte, entstanden Ende der vierziger und Anfang der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts weitere neue Einfamilienhäuser.

Die Serie

Straßennamen sind wichtig. Nicht nur, weil durch sie dem Ortsunkundigen, der Post, dem Paketzusteller, dem Arzt, dem Rettungsdienst und Lieferanten das Auffinden bestimmter Personen erleichtert wird. Sie ermöglichen den Anwohnern auch eine gewisse Identifikation. Mögen sich Nachbarn noch so sehr von einander unterscheiden, eins verbindet sie: Sie alle sind Bewohner der gleichen Straße. Straßennamen hat es nicht immer gegeben. Offiziell wurden sie in Korbach erst Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Bis dahin gab es viele namenlose Straßen. Natürlich hatte man Standortbezeichnungen schon früher. Sie waren aber recht allgemeiner Art: An der Neustädter Kirche etwa, oder Am Markt. Andere bezeichneten ein ganzes Stadtviertel. Flurname oder Zielort Bei der Namengebung griff man zurück auf Flurbezeichnungen (Am Waldecker Berg) oder auf die Lage der Straße (Oberstraße). Die Ausfallstraßen bezeichnete man nach ihren Zielorten (Wildunger Landstraße). Viele Straßen tragen aber auch den Namen einer bekannten oder bedeutenden Persönlichkeit, von Stadtältesten oder Ehrenbürgern. Bei Vergabe von Namen aus Politik und Regierung ist man heute in Korbach vorsichtig geworden, um späteren Umbenennungen aus dem Weg zu gehen. So wurde aus dem Adolf-Hitler-Platz nach 1945 wieder der Berndorfer Torplatz, aus der Litzmannstraße die Friedrichstraße, aus der Hindenburgstraße wieder wie früher die Bahnhofstraße. Zur Diskussion standen nach 1945 auch die an Kriegsschauplätze des Ersten Weltkrieges erinnernden Skagerrakstraße, Langemarckweg und Flandernweg. Neue Namen mussten her Die enorme Entwicklung der Stadtbebauung nach dem Zweiten. Weltkrieg brachte es mit sich, dass zahlreiche neue Straßen entstanden. Sie alle brauchten neue Namen. So entstand ein Blumenviertel, in jüngster Zeit auch ein Dichterviertel. Zahlreiche westdeutsche Städte, in die es einst Korbacher verschlagen hatte, standen Pate, aber auch mitteldeutsche Städte. Auch ehemalige ostdeutsche Städte und Gebiete, aus denen viele Korbacher Neubürger vertrieben worden waren, gaben neuen Straßen ihre Namen.

Der Autor

Der Korbacher Hans Osterhold beschäftigt sich schon lange mit heimatkundlichen Themen. Für die HNA hat der Museums- und Stadtführer eine Serie über die Namen Korbacher Straßen verfasst. diese ist ab April 2001 in der HNA Waldeckische Allgemeine erschienen.