Finanzamt

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Das Finanzamt Kassel, genauer das Finanzamt Kassel-Hofgeismar, befindet sich seit 2008 im Finanzzentrum am Altmarkt 1 in Kassel. Bis 2008 war das Finanzamt in einem Gründerzeitgebäude an der Goethestraße 43 untergebracht.

Geschichte

Königliche Oberzolldirektion (1914-1919)

Von 1911 bis 1914 entstand auf dem Grundstück Kaiserplatz 43 das Gebäude der Königlichen Oberzolldirektion nach den Plänen des Regierungsbaumeisters Dr. Ing. Gessner. Gessner hatte zuvor bereits das Gebäude der Eisenbahndirektion und das Polizeipräsidium im Stil des so genannten "wilhelminischen Barock" gebaut. [1] [2]

Am 20. März 1914 nahm die Königliche Oberzolldirektion am Kaiserplatz 43 ihren Dienst auf und nutzte das Behördenhaus bis 1920. Sie setzte sich aus einem Präsidenten, einem Präsidialrat, dem Stempel- und Erbschaftssteueramt mit drei Abteilungen und der Oberzollkasse zusammen.

Landesfinanzamt Cassel (1919- 1933)

Ab dem 1. Oktober 1919 wurde das Landesfinanzamt Cassel eingerichtet. Dr. Friedrich Ernst Moritz Saemisch wurde dessen erster Präsident. Der Amtsbezirk umfasste die preußische Provinz Hessen-Nassau (ohne den Kreis Schmalkalden), den Kreis Wetzlar (preußische Rheinprovinz) und den Freistaat Waldeck. Ab Ende 1919/Anfang 1920 gab es Pläne das Landesfinanzamt im Gebäude der Oberzolldirektion unterzubringen. Dazu wurde das Nachbargebäude Kaiserstraße 45 für 210.000 Mark erworben, das bis dahin von einem Postamt und neun Mietern genutzt wurde - ihnen wurde nach dem Verkauf nach und nach gekündigt. 1927 waren nur noch das Postamt und ein Mieter dort gemeldet. Beide Gebäude wurden in den Treppenhäusern mit dem Gebäude Nr. 43 verunden. Das neu erworbene Gebäude wurde hauptsächlich von der Zollabteilung des Landesfinanzamtes genutzt. Ab 1921 fungierte Arnold David Carl Paul von Laer als Präsident des Landesfinanzamtes. Er bekam im linken Flügel des Gebäudes Kaiserplatz 43 eine Dienstwohnung mit separatem Eingang eingerichtet (Adresse: Kaiserplatz 41).

Dem Landesfinanzamt unterstanden folgende 37 Finanzämter: Bad Homburg, Bad Schwalbach, Biedenkopf, Corbach, Diez, Dillenburg, Eschwege, Frankenberg, Frankfurt (Main) Außenbezirk, Frankfurt (Main) Höchst, Frankfurt (Main) Ost, Frankfurt (Main) West, Fritzlar, Fulda, Gelnhausen, Hachenburg (Westerwald), Hanau, Hersfeld, Hofgeismar, Homberg, Hünfeld, Cassel, Limburg, Marburg, Melsungen, Montabaur, Rotenburg, Rüdesheim, St. Goarshausen, Schlüchtern, Weilburg, Westerburg (Westerwald), Wetzlar, Wiesbaden, Witzenhausen, Wolfhagen, Ziegenhain und im Bereich Zölle die Hauptzollämter in Frankfurt (Main), Hanau, Kassel, Marburg und Wiesbaden sowie die Zolllehranstalt Frankfurt (Main) und die Zollfahndungsstelle Frankfurt/Main. Ab 1928 kam das Finanamt Frankfurt (Main) Börse hinzu.

Im Landesfinanzamt gab es laut dem Adressbuch der Stadt Kassel vier Abteilungen:

  • A: Präsidial-Geschäftsstelle einschließlich Oberfinanzkasse mit 54 Bediensteten
  • B: Abteilung für Besitz- und Verkehrssteuern mit 55 Bediensteten
  • C: Abteilung für Zölle und Verbrauchssteuern mit 29 Bediensteten und die ausgelagerte
  • D: Abteilung Reichsschatzverwaltung mit den Unterabteilungen Reichsvermögensamt I,

Reichsvermögensamt II und Reichsneubauamt mit 112 Bediensteten, die in verschiedenen anderen Gebäuden in Cassel untergebracht waren.[3]

1924 wurde die Reichsschatzverwaltung-Abteilung D aufgelöst, die Aufgaben übernahm Abteilung A. 1926 arbeiteten 196 Mitarbeiter am Kaiserplatz, ein Jahr später waren es schon 211. Bis 1932 sank die Zahl der Mitarbeiter durch interne Umstrukturierungen allerdings auf 186.

Zum 1. Januar 1929 übernahm Dr. Karl Bruno Gustav Lotholz das Amt des Präsidenten.

Das Landesfinanzamt zur Zeit des Nationalsozialismus (1933-1937)

Knapp sieben Monate nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, im August 1933 erlaubte das Landesfinanzamt die Verwendung von beamteneigenen Kraftfahrzeugen für Fahrten im Dienste der Nationalsozialistischen Arbeiter Partei Deutschlands (NSDAP) oder nationaler Wehrverbände(SA, SS, Stahlhelm, NSKK) - im Einvernehmen mit dem Reichsfinanzministerium.

Ab 1935 begann in Absprache mit dem Reichsfinanzminister eine interne Umverteilung der Aufgaben im Landesfinanzamt, außerdem wurde ein Steuerfahndungsdienst eingerichtet. Er löste den Steueraußendienst ab. Per Anweisung übernahm das Landesfinanzamt ab dem 1. Oktober 1936 die Aufgaben von der Steuerfahndungsstelle beim Finanzamt Kassel (zuständig für die Finanzämter Biedenkopf, Eschwege, Frankenberg, Hofgeismar, Homberg, Kassel, Korbach, Melsungen, Rotenburg, Witzenhausen, Wolfhagen und Ziegenhain. Im gleichen Jahr erging eine Anweisung, nach der Juden, die auswandern wollten, Unbedenklichkeitsbescheinungen der Finanzämter bei der Ausstellung von Reisepässen und dem Verladen von Umzugsgut vorweisen mussten.

Das Oberfinanzpräsidium Kassel (1937-1945)

Zum 16. Dezember 1937 wurde das Amt in "Oberfinanzpräsidium Kassel" umbenannt. Einen neuen Briefkopf bekam das Finanzräsidium auch noch aus einem anderen Grund: Der Kaiserplatz wurde in "Skagerrakplatz" umbenannt. So lautete die Adresse bis 1946 "Skagerrakplatz 43". Bereits am 1. November 1937 hatte Otto Heinrich Albert Clemens Voß das Amt des Präsidenten übernommen. Heinrich Voß war bereits 1930 der NSDAP beigetreten, 1933 unterstützte er die Werbekampagne um den "deutschen Beamten". Er sorgte auch dafür, dass mehr Finanzbeamte in die NSDAP eintraten. In einem Rundschreiben des Amtes für Beamte der NSDAP, Kreisleitung Kassel, vom 30. Oktober 1937 heißt es: „Die Partei erwartet den deutschen Beamten. Ein Beamter, der nicht die Absicht hat, der NSDAP zu dienen, kann logischerweise nicht die Absicht haben, ehrlich dem deutschen Volk zu dienen.“ [4] [5] 1941 waren fast 75 Prozent aller Finanzbeamten Mitglied der NSDAP.

Das Oberfinanzpräsidium verwaltete und verwertete auch das Vermögen von emigrierten oder deportierten Juden und zog die Reichsfluchtsteuer und die Judenvermögensabgabe ein. Ab 1940 wurde zu diesem Zweck auch eine Devisenstelle im Gebäude Skagerrakplatz 31 eingerichtet. Zwei Mitarbeiter des Oberfinanzpräsidiums waren zudem auch an der Planung der Deportation der hessischen Juden ab Herbst 1941 beteiligt. "Ende September 1943 verwalteten die Finanzämter des Oberfinanzpräsidiums Kassel bereits 1.118 landwirtschaftlich und gärtnerische Grundstücke, 445 Mehrfamilienhäuser, 142 Einfamilienhäuser, 25 Geschäfts-, 18 forstwirtschaftliche und 5 sonstige bebaute Grundstücke aus eingezogenem oder verwalteten Vermögen (vgl. Meinl/Zwilling: „Legalisierter Raub“, S. 290)."[6]

Weil Heinrich Voß zum 1. April 1943 ans Oberfinanzpräsidium nach Kiel wechselte, übernahm der Offizier Dr. Ernst Viktor Erich Zschaler dessen Posten. Er hatte zuvor das Oberfinanzpräsidium Ostpreußen in Königsberg geleitet.

In der Kasseler Bombennacht am 22. Oktober 1943 brannte das Nebengebäude Skagerrakplatz 43 bis zum zweiten Stockwerk aus, der Dienstbetrieb wurde daher ins Hauptgebäude verlegt. Dieses wurde bei Bombenangriffen 22. und 28. September 1944 und 28. Oktober 1944 sowie am 28. Februar, 08. und 09. März 1945 ebenfalls stark beschädigt. Trotzdem erhielten die Mitarbeiter den Dienstbetrieb bis zum Kriegsende aufrecht. [7]

Das Finanzamt Kassel-Innenstadt (1945-1947)

Nachdem amerikanische Truppen Kassel im April 1945 besetzt hatten, kam der Betrieb im Oberfinanzpräsidium zum Erliegen, weil das Gebäude auf amerikanischen Befehl hin gesperrt wurde. Einige Wochen später konnten die verbliebenen Finanzbeamten den amerikanischen Stadtkommandanten Major Richard Bard überreden, dass eine bestimmte Zahl von Mitarbeitern ihre Arbeit wieder aufnehmen konnte. Im Gebäude am Skagerrakplatz 43 nahm vor allem das Finanzamt Kassel-Innenstadt wieder seinen Betrieb auf.

Das Oberfinanzpräsidium wurde am 20. Mai 1946 durch das Großhessische Staatsministerium endgültig aufgelöst.

Das Finanzamt Kassel-Innenstadt wurde deshalb neuer Hausherr im ehemaligen Gebäude des Oberfinanzpräsidiums. Ab Dezember 1946 leitete Oberregierungsrat Dr. von Heppe die Geschäfte. In der Chronik des Gebäudes heißt es: „In dieser Zeit wurde neben der eigentlichen Arbeit insbesondere von allen Bediensteten Hilfsarbeiten am Bau („Steine kloppen“) verlangt, da vornehmlich der Wiederaufbau des zerstörten Westflügels des Gebäudes Kassel, Skagerrakplatz 43, angestanden hat.“ [8]

Der Skagerrakplatz wurde am 26. April 1947 in Goethestraße umbenannt – und die Anschrift des Finanzamtes änderte sich erneut. Im gleichen Gebäude waren zudem die Reststelle des ehemaligen Oberfinanzpräsidiums, die Leitstelle des neuen Großhessischen Staatsministeriums – Der Minister der Finanzen-, das Hauptzollamt, das Finanzgericht, die Staatsoberkasse, das Landesvermessungsamt, das Reichsbauamt und die Spruchkammer zur Denazifizierung untergebracht. Bis 1975 wurde sie aber an andere Standorte verlegt.

Am 1. Oktober 1947 hatte das Finanzamt zehn Abteilungen und 187 Dienstposten. Nur 167 von ihnen waren allerdings auch besetzt. Drei Jahre später, am 1. April 1950 war das Finanzamt auf 14 Abteilungen und 252 Mitarbeiter angewachsen. Dr. Herbert Birckenauer übernahm im gleichen Jahr die Führung des Amtes.

Das Finanzamt Hofgeismar

Die „Steuereinnahme-Tradition“ in Hofgeismar geht zurück auf eine Zehntscheune aus dem frühen 17. Jahrhundert. Daran erinnern zwei in das Mauerwerk des heutigen Finanzamts eingearbeitete Steine, einer mit der Inschrift HSvD 1607 (Hans Spiegel von Desenberg), der andere mit dem Wappen der „Spiegels“.

Im Nordwesten des Altstädter Kirchplatzes in Hofgeismar - in unmittelbarer Nähe der ehemaligen Franziskanerkirche aus dem 13. Jahrhundert - lag der "Spiegelhof" und die von Spiegel´sche Scheune, die Ende der 1920-er Jahre durch den Bau des damals neu errichteten Finanzamts ersetzt wurden.

Das heutige Finanzamts-Gebäude entstand in den Jahren 1929/30 und wurde am 9.11.1930 seiner Bestimmung übergeben. Heute sind in der "Verwaltungsstelle Hofgeismar" über 60 Beschäftigte tätig. [9]

siehe auch

Weblinks und Quellen

Einzelnachweise

  1. Aus dem Portal www.vorderer-westen.net "Finanzamt"
  2. pdf-Dokument zur Geschichte des Finanzamt-Gebäudes, S. 5
  3. pdf-Dokument zur Geschichte des Finanzamt-Gebäudes, S. 8
  4. Katharina Stengel, Susanne Meinl, Bettina Leder-Hindemith: Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933 - 1945 (Frankfurt, 2002), S.12 ff
  5. zitiert nach pdf-Dokument zur Geschichte des Finanzamt-Gebäudes, S. 12-13
  6. pdf-Dokument zur Geschichte des Finanzamt-Gebäudes, S. 15
  7. pdf-Dokument zur Geschichte des Finanzamt-Gebäudes, S. 15-16
  8. aus dem pdf.-Dokument zur Geschichte des Finanzamtes, S. 18
  9. Finanzamt Hofgeismar auf http://verwaltung.hessen.de

Weblinks