Ferienresort Schloss Beberbeck

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Schloss Beberbeck - Westfassade
Domäne Beberbeck

Nach einem Pressebericht in der HNA - Hofgeismarer Allgemeinen vom 12.7.2007 sollte bereits Pfingsten 2011 das "Ferienresort Schloss Beberbeck" eröffnet werden.

Am Ort der heutigen Domäne Beberbeck sollten nach den Plänen der Mehrheit der Hofgeismarer Politiker mehrere Hotelanlagen, Ferienhäuser und Golfplätze in einer riesigen Ferienanlage mit etwa 4500 Betten entstehen. Nach dem Kauf des 900 Hektar großen Geländes vom Land Hessen durch eine Besitzgesellschaft der Stadt Hofgeismar war vorgesehen, das Gelände an Investoren weiter zu veräußern.

Die Pläne waren ausgesprochen umstritten. Im Mai 2010 hatte etwa der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) angekündigt, mit allen "ihm zur Verfügung stehenden Mittel" gegen das geplante Resort vorgehen (HNA vom 19. Mai 2010). Denn durch den "Fremdkörper" (BUND-Bundesvorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger) in der Landschaft und den erwarteten starken Verkehr sei etwa der Tod der Beberbeker Alleen "vorprogrammiert".

Auf der Sitzung der Hofgeismarer Stadtverordenten-Versammlung am 17.12.2010 verkündete Bürgermeister Heinrich Sattler (CDU) dann das "Aus" und das Projekt Ferienprojekt Beberbeck für beendet. "Die Bedingungen des Kaufvertrages lassen sich bis Jahresende nicht erfüllen", sagte er in der Stadtverordnetenversammlung. Die in dem Vertrag fixierten Bedingungen, wie Finanzierungsbestätigungen für die privaten Investitionen und entsprechende Bankgarantien, konnte der Bürgermeister der hessischen Landesregierung nicht vorlegen.

Der am 1. November 2007 zwischen der stadteigenen Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck und dem Land Hessen geschlossene Kaufvertrag war damit hinfällig.

Geschichte

CHRONOLOGIE

Beberbeck - Ortsansicht

Pläne seit Dezember 2004

  • Dezember 2004: Pläne für das Resort werden vorgestellt.
  • Februar 2007: Das Stadtparlament stimmt der Gründung einer Besitzgesellschaft zu.
  • November 2007: Ministerpräsident Roland Koch legt Bürgermeister Heinrich Sattler einen Kaufvertrag (Volumen: 9,2 Mio. Euro) für das Gelände der Domäne vor.
  • September 2008: Die Kritik wird lauter. Das Aktionsbündnis Beberbeck stellt sich gegen die Pläne, fordert eine deutlich kleinere Variante.
  • Juli 2009: Der mehrfach verschobene Closing-Termin wird erneut vertagt - auf Ende 2010. Dann sollen die Bedingungen, die das Land im Kaufvertrag stellt, erfüllt sein. Sonst gilt das Geschäft nicht.
  • Januar 2010: Im Stadtparlament steht - statt einst breiterer Mehrheit - längst nur noch die CDU hinter Bürgermeister Sattler und dem Großprojekt.

(aus: HNA-online vom 5.2.2010)

Das Ende

Der Hofgeismarer Bürgermeister Heinrich Sattler (CDU) erklärte das Projekt Ferienprojekt Beberbeck am 17.12.2010 für beendet. Die Bedingungen des Kaufvertrages lassen sich bis Jahresende nicht erfüllen", sagte er in der Stadtverordnetenversammlung.

Der am 1. November 2007 zwischen der stadteigenen Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck und dem Land Hessen geschlossene Kaufvertrag ist damit hinfällig.

(aus: HNA-online vom 17.12.10)

HNA - Berichte

(eine Auswahl)

Resort nimmt erste Hürde

Land und Stadt besiegeln Kaufvertrag über Gelände der Staatsdomäne Beberbeck

aus dem Artikel von Peter Kilian in HNA - online vom 2.11.07:

Das Ferienresort Schloss Beberbeck hat eine erste hohe Hürde genommen. Gestern Nachmittag nahm Bürgermeister Heinrich Sattler aus den Händen des Hessischen Ministerpräsidenten, Roland Koch, den Kaufvertrag über die Staatsdomäne Beberbeck in Empfang.

Für 9,2 Millionen Euro wechselt das 800 Hektar große Domänengelände (mehr als dreimal so groß, wie der Flughafen Paderborn) vom Land an die Kommune. Fortan bestimmt die von der Stadt eigens dafür ins Leben gerufene Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck, was mit der Fläche geschieht. ...

Auf einen massiven Eingriff in Natur und Landschaft wiesen drei Naturschutzverbände (BUND, NABU und HGON) in einer gemeinsamen Stellungnahme zum Bau des geplanten Ferienresorts im Dezember 2007 hin:

Massiver Eingriff in Natur

aus dem Artikel von Peter Kilian in HNA-online vom 3.12.2007

... Nach Ansicht der Naturschützer werden die Auswirkungen des Projektes allerdings nicht nur für die Gemarkung Beberbeck, sondern darüber hinaus für weite Teile des Reinhardswaldes folgenreich sein. Der Idee, Beberbeck nachhaltig zu entwickeln, stünden sie in vielerlei Hinsicht entgegen.

Der Sprecher der drei Gruppen, Hermann-Josef Rapp, sagte gegenüber unserer Zeitung, die Zeit der Visionen und schönen Bilder sei nun vorbei. Jetzt müsse Sachlichkeit und Objektivität im Vordergrund stehen. Auch wenn es dem einen oder anderen nicht passe. Dazu zählt für ihn beispielsweise die Forderung, rund um die Ferienanlage ausreichend Pufferbereiche zu schaffen. Exemplarisch führen BUND, HGON, und NABU hier die Naturschutzgebiete Oberes Holzapetal, Urwald Sababurg und Schweinswiese an.

Diese ökologisch hochwertigen Areale müssten kompromisslos abgeschirmt werden. Ein wirkungsvoller Puffbereich zu den Gebieten sei zwingend erforderlich. Die in der gegenwärtigen Planung dort vorgesehenen Einrichtungen wie Golfplatz und Ponyhof müssten demnach ersatzlos gestrichen werden. ...

Ende 2009/ Anfang 2010 sieht es inzwischen so aus, als ob zumindest die ganz grossen Plänen nicht weiter verfolgt werden können:

Goße Pläne verblassen

Artikel aus HNA-online vom 05.02.10 von Wolfgang Riek

Hofgeismar. Bauernhof, Gestüt, Jagdschloss, Kriegsgefangenenlager, Übersiedlerwohnheim, Seniorenheim, staatseigene Domäne: Beberbeck bei Hofgeismar (Landkreis Kassel) hat im Lauf der Jahrhunderte schon viel gesehen. Aus der Idee, für den schwäbischen Autobauer Daimler-Benz eine Teststrecke über die Äcker zu betonieren, wurde in den 1980ern aber doch nichts. Seit fünf Jahren befeuern das Anwesen im idyllischen Reinhardswald und 900 Hektar Wald, Wiesen und Feld drumherum die Fantasie der Projektentwickler erneut. Inzwischen entpuppt sich der Traum von „Europas größter Tourismusanlage“ aber immer mehr als unrealistisch. Im Prospekt der Entwickler hieß es noch: „Schloss Beberbeck Resort - ein wahres Märchen aus dem Herzen Deutschlands“.

Auch fünf Jahre nach jener Pressekonferenz Ende 2004, auf der die kleine Ansiedlung am Reinhardswald zur möglichen künftigen Attraktion betuchter Touristen von nah und fern erklärt wurde, hat Hofgeismars Bürgermeister Heinrich Sattler noch immer keine Investoren gefunden. Niemanden, der 420 Millionen Euro für fünf Luxushotels, Wellness-Zentrum, 400 Villen und Ferienwohnungen in acht Märchendörfern, fünf Golfplätze, Trabrennbahn, eine künstliche Seenplatte mit Sandstränden ausgeben will. Dabei war für 2011 eigentlich Einweihung geplant, hätten die ersten von 6000 Betten bezogen werden sollen.

Sattler wurde unterdessen mit dem Projekt bekannt - als sein eigener Hauptdarsteller in „Henners Traum“, dem Dokumentarfilm des Kasseler Filmemachers Klaus Stern. Der Streifen ist ein Kassenschlager in Programmkinos und läuft auch gut im Fernsehen. Stern hat den Hofgeismarer Bürgermeister zwei Jahre lang mit der Kamera zu wichtigen Terminen mit wichtigen Männern begleitet. Von seinen Reisen durch die Glitzerwelt des großen Geldes und internationaler Immobilienmessen - München, Nizza, eine Dubai-Reise platzte - ist Hofgeismars Bürgermeister bislang mit leeren Taschen zurückgekehrt.

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch taucht in „Henners Traum“ kurz auf. Der CDU-Landesvater wirkt darin nicht amüsiert. Immerhin hat das Land als Eigentümerin der Domäne dafür gesorgt, dass in den Kaufvertrag vor die Übergabe an eine städtische Besitzgesellschaft Bedingungen eingebaut wurden: Die Stadt muss die Altenheimbewohner aus Beberbeck anderweitig unterbringen, das Personal der Domäne übernehmen und für Schäden gradestehen, wenn das Projekt platzt. Auch muss Hofgeismar Investitionsbestätigungen über 250 Millionen Euro vorlegen, bevor das Land die Domäne freigibt. Letzte Frist hierfür - mehrfach verschoben: Ende 2010.

Beberbeck liegt im Winterschlaf, Bürgermeister Sattler ist derzeit in Urlaub. Einen Plan B gebe es nicht, sagte er Mitte Januar. Einen Investor schon, sagte er Mitte Dezember. Der wolle statt Reiten mehr Ballsport im Resort Beberbeck, aber erst mal nicht bekannt werden.


Hintergrund: Stadt bürgt für 3,5 Mio. Euro
Das Land Hessen taxiert den Wert von 807 Hektar Domänenland - der ersten Verkaufstranche - auf 9,2 Mio. Euro. Das ist ein Preis für Wald- und Ackerland. Wertsteigerungen bei einem Weiterverkauf als Bauland an Investoren will das Land zu 75 % abschöpfen. Die städtische Besitzgesellschaft, an die das Land zunächst ginge, will mit dem Weiterverkauf Kommunalkredite refinanzieren, für die die Stadt mit bis zu 3,5 Mio. Euro bürgt - Geld für Gutachten, Beratung, Planung, Ausschreibungen. Das Land hat 30 Mio. Euro Strukturförderung zugesagt - wenn die Gesamtfinanzierung gesichert ist. (wrk)

Mit dem "Closing-Termin zum Ende des Jahres 2010 beschäftigte sich ein HNA-Artikel vom 12.12.2010.

Ferienresort Beberbeck: Ende des Jahres ist nicht Schluss

Artikel aus HNA-online vom 12.12.2010

Hofgeismar. Noch genau 18 Tage hat die Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck Zeit, um alle Bedingungen zu erfüllen, die für den Verkauf der landeseigenen Domänenfläche vertraglich festgeschrieben wurden, um das geplante Ferienresort Beberbeck zu verwirklichen.

Dass dieser sogenannte Closing-Termin zwischen Land und Besitzgesellschaft nicht eingehalten werden kann, ist jedem der Beteiligten klar. Zu komplex sind die Vorgaben, die erfüllt sein müssen, um die 800 Hektar große Fläche privaten Investoren zur Verfügung zu stellen, dass sie dort eine große Ferienanlage mit 2500 Betten realisieren können.

Gleichwohl ist Hofgeismars Bürgermeister Heinrich Sattler fest davon überzeugt, dass die Resortanlage kommen wird. Und da ficht ihn auch nicht der Closing-Termin 31. Dezember an. „Nach dem 31. Dezember fällt uns nicht der Himmel auf den Kopf“, ist Sattler bemüht, den unmittelbar bevorstehenden Closing-Termin nicht zu hoch zu hängen.

Dabei führt Sattler ins Feld, dass ein Closing-Termin immer einen Zeitraum beschreibe, der andauere. Im Fall Beberbecks heißt das für den Aufsichtsratsvorsitzenden der Besitzgesellschaft, bis zum 31. Dezember müsse das Closing-Verfahren lediglich eingeleitet sein. Und genau dies werde geschehen.

Im Klartext: Die Besitzgesellschaft will dem Land Hessen bis Ende des Jahres einen Teil der Vertragsentwürfe zur Prüfung vorlegen. Dazu zählen beispielsweise Unterlagen, die den Naturschutz betreffen. Das sei mit dem Wirtschaftsministerium auch so abgesprochen.

Andere wichtige Bestandteile des Kaufvertrags sind indes noch nicht abgearbeitet worden, räumt Sattler ein. Dazu gehört beispielsweise die Zukunft des Altenwohnheimes der Evangelischen Altenhilfe Gesundbrunnen. Darüber, so sagt Sattler, habe es jüngst Gespräche gegeben, in denen man die Positionen abgeklopft habe, ohne aber zu einem Ergebnis gekommen zu sein.

Auf der Stadtverordnetensitzung am 17.12.2010 verkündete Bürgermeister Sattler dann das "Aus". Der Kaufvertrag zwischen Land und Besitzgesellschaft ist hinfällig.

Hofgeismars Bürgermeister: Beberbeck ist tot - Flucht aus der Stadtverordnetenversammlung

Artikel aus HNA-online vom 17.12.10

Hofgeismar. Der Hofgeismarer Bürgermeister Heinrich Sattler (CDU) erklärt das Projekt Ferienprojekt Beberbeck für beendet. Die Bedingungen des Kaufvertrages lassen sich bis Jahresende nicht erfüllen", sagte er am Freitagabend (17.12.2010) in der Stadtverordnetenversammlung.

Der am 1. November 2007 zwischen der stadteigenen Besitzgesellschaft Domäne Beberbeck und dem Land Hessen geschlossene Kaufvertrag ist hinfällig. Die in dem Vertrag fixierten Bedingungen, wie Finanzierungsbestätigungen für die privaten Investitionen und entsprechende Bankgarantien, konnte der Bürgermeister der hessischen Landesregierung nicht vorlegen.

In einer persönlichen Erklärung zu Beginn der Sitzung sagte Sattler, dass er noch bis zum Abend des 15. Dezember davon überzeugt gewesen sei, „die erforderlichen Finanzierungszusagen bei einem Termin in einer Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei übergeben zu bekommen“. Doch die von einem Vertreter der Investoren vorgelegten Unterlagen hätten nicht genügt, „um diese dem Land Hessen zur Prüfung vorzulegen“.

...

Persönliche Konsequenzen aus dem Scheitern will Sattler nicht ziehen: "ich will nicht weglaufen, nicht zurücktreten, sondern bleiben", sagte er. Nach seiner Erklärung verließ Sattler fluchtartig die Sitzung. (ant/ geh)

Wenige Tage später äußerte sich der hessische Wirtschaftminister Dieter Posch (FDP) gegenüber der Presse. Trotz der gescheiterten Pläne für die Ferienanlage Beberbeck in Nordhessen schließe er eine touristische Erschließung der Staatsdomäne mit neuem Konzept nicht aus.

siehe auch

Weitere Informationen

Beberbeck - Park

HNA - Artikel zum Ferienresort Beberbeck

Spiegel - online

Weblinks