Felix Blumenfeld

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Der jüdische Arzt Dr. Felix Blumenfeld (geb.: 1873, gest.: 1942, Suizid) war der erste leitende Arzt des ehemaligen Kinderkrankenhauses Park Schönfeld und u.a. Gründer einer Milchküche für Säuglingskost.

Blumenfeld war Freimaurer. Er war Mitglied der Loge "Zur Einigkeit und Treue" und von 1932 bis 1933 deren letzter Meister vom Stuhl. Von 1920 bis 1924 war Blumenfeld außerdem Stadtverordneter in Kassel (DDP).

Lebenslauf

Er war ein beliebter und erfolgreicher Kinderarzt, eine verdiente und wohltätige Persönlichkeit der Kasseler Gesellschaft. Dass die Nazis ihn wegen seines jüdischen Glaubens verfolgen und mit dem Tod bedrohen würden, war für Dr. Felix Blumenfeld lange unvorstellbar. Bis er von den Nazischergen zunehmend gequält und erniedrigt wurde.[1]

Bereits 1933 wurde ihm verboten, weiter als Arzt zu arbeiten, stattdessen zwangen sie den über 60-Jährigen, seinen Lebensunterhalt auf städtischen Schuttabladeplätzen mit Schrottsammeln und Müllsortieren zu verdienen. Am 25. November 1942 entschied sich Felix Blumenfeld, freiwillig aus dem Leben zu scheiden.

Dr. Felix Blumenfeld im Kinderkrankenhaus Park Schönfeld bei der Untersuchung eines Säuglings. 1933 verboten ihm die Nazis, seinen Beruf auszuüben.
Es war um 1900, als sich der 1873 in Gießen geborene Mediziner in Kassel als Kinderarzt niedergelassen hatte. Seine erste Praxis hatte er an der Querallee 38. Später praktizierte er in der Innenstadt, im Nahl’schen Haus an der Oberen Königsstraße 41. Im Jahr 1909 wurde Blumenfeld der erste Chefarzt des Kinderkrankenhauses Park Schönfeld, das er auch gegründet hatte.

Aus Zeugnissen und zeitgenössischen Dokumenten geht hervor, dass Blumenfeld ausgesprochen kompetent und hilfsbereit war. Er sei über die Grenzen Kassels bekannt gewesen, heißt es.

Blumenfeld war Mitglied in zwei Freimaurer-Logen, er vertrat vier Jahre lang die linksliberale Deutsche Demokratische Partei in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung und er engagierte sich in vielen Vereinen.

In der von ihm gegründeten Milchküche an der Oberen Fuldagasse wurde gesunde Babynahrung hergestellt und in Flaschen verkauft. Die Küche sollte dazu beitragen, die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeitsrate in Kassel zu mindern. Als Blumenfeld die Küche 1929 der Stadt schenkte, sprach ihm der Magistrat eine Anerkennung aus.

Dieser hoch geschätzte Mann, in dessen Haus am Mulang angesehene Kaufleute, Industrielle, Bankiers und Spitzenbeamte ein- und ausgingen, wurde ab 1933 schlagartig geächtet. Er durfte nicht mehr im Krankenhaus arbeiten und musste seine Praxis schließen. Sein Eigentum einschließlich der umfangreichen Bibliothek wurde beschlagnahmt.

Seinen Söhnen Gerd und Edgar gelang es, 1938 über unterschiedliche Wege aus Deutschland zu fliehen. Später übersiedelten sie mit ihren Familien in die USA, wo sie den Namen Bloomfield annahmen. Dem Vater drohte in Nazi-Deutschland die Deportation. Am 25. November 1942 nahm sich der Arzt, der so vielen Kasseler Kindern geholfen hatte, das Leben.


Felix-Blumenfeld-Straße

Im Kasseler Stadtteil Harleshausen wurde die Felix-Blumenfeld-Straße (von Ahnatalstraße bis Eschebergstraße) nach ihm benannt. Die Benennung der Straße nach Blumenfeld ist von der Stadt Kassel als symbolischer Akt der Wiedergutmachung für seine Verfolgung durch das NS-Regime gedacht worden.

Es wird häufig kritisiert, dass die Zusatzschilder, die im Jahr 2010 an den Straßenschildern angebracht worden sind, nicht ausreichen. Laut einiger Kritiker sollte deutlicher darauf hingewiesen werden, dass Blumenfeld seit 1933 als Jude mit Berufsverbot belegt war, von der Gestapo schikaniert und schließlich dazu gebracht worden ist, seinem Leben ein Ende zu setzen.

Abschiedsbrief gefunden

Erst 2013, im Zuge der aktuellen Aktivitäten um die Verlegung eines Stolpersteins für Felix Blumenfeld, bei denen Kontakte zu den in den USA lebenden Nachfahren geknüpft wurden, wurde der Abschiedsbrief von Blumenfeld entdeckt und von Jochen Boczkowski und dem Historiker Hans-Peter Klein übersetzt.[2] Mit dem Brief und seiner historischen Bewertung wurde einer Dokumentation des Kapitels Nationalsozialismus in Kassel ein weiteres Puzzleteilchen hinzugefügt.

Der Personalausweis von Dr. Felix Blumenfeld aus dem Jahr 1939.
Blumenfeld war 69 Jahre alt und schreibt: „Der Tod erscheint mir unter diesen Umständen begehrenswerter als ein Dasein mit immer neuen Qualen. Ich gehe deshalb aus dieser Welt der Gemeinheit, Niedertracht und Unmenschlichkeit, um einzuziehen in den ewigen Frieden, und den Pfad suchend, der aus dem Dunkel zum Licht führt.“

In dem tief bewegenden Brief formuliert Felix Blumenfeld klug und wohldurchdacht seine Gedanken und Beweggründe. Er beschreibt die Peinigungen und Erniedrigungen, denen er ausgesetzt war. Und er richtet sich in zärtlichen Worten an seine Familie. Noch bis vor Kurzem war der Brief unter Verschluss in den USA bei den Enkeln Blumenfelds. Weil ihn Felix Blumenfeld in der Sütterlin-Schrift verfasst hatte, konnte ihn zudem in den USA niemand lesen. Er war sicher verwahrt und mit einem Zettel versehen, auf dem stand: „Vaters Abschiedsbrief. Nie vergessen! Und auf Englisch ist hinzugefügt: Opfer der Nazi-Verfolgung“.

„Wer weiß, wie lange dieser Krieg dauert, und was bis dahin für die Juden in Deutschland passiert, ist kaum auszudenken“, schreibt Blumenfeld wenige Tage vor seinem Suizid am 25. November 1942: „Man wird vor keinem Mittel der Vernichtung zurückschrecken. Da ist es hoffentlich auch im Sinne meiner Söhne, ehrbarer und charaktervoller von der Bildfläche zu verschwinden, und lieber freiwillig als ein Toter das Haus zu verlassen, als von den Schergen der Gestapo hinausgejagt zu werden.“

Die zweite Frau des verwitweten Blumenfeld, Leni, eine Nicht-Jüdin, wurde unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen. Blumenfeld schreibt: „Und dann die Scheidung, auf der die Gestapo besteht (...) Ich muß dann sofort aus dem Haus und irgendwo Unterschlupf suchen. Sagt jetzt, ist das für mich tragbar? Unsere Ehe galt auch immer in Euern Augen als eine harmonische, schöne und geheiligte. (...) Keine Scheidung, sondern nur der Tod soll der Gemeinschaft ein Ziel setzen.“[3]

Stolperstein-Verlegung

Am Samstag, 2. November 2013, 17 Uhr, hat Gunter Demnig in Bad Wilhelmshöhe, Hugo-Preuß-Straße 35, einen Stolperstein für Felix Blumenfeld verlegen.

Literatur

  • Rolf Wekeck, Widerstand gegen die Nationalsozialisten - Erinnern in Kassel, Verlag Winfried Jenior Kassel

Weblinks und Quellen

  1. HNA vom 16. Oktober 2013: Er sorgte sich um notleidende Kinder
  2. HNA.de vom 15. Oktober 2013: Stolperstein-Aktion fördert Abschiedsbrief von NS-Opfer zutage
  3. Der Abschiedsbrief in kompletter Länge: PDF-Download