Fürstentum Waldeck

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Fürstentum Waldeck
Arolsen-Schloss1.JPG
Schloss Arolsen
Flagge: Schwarz-Rot-Gold
Residenzstadt: 1655 - 1918 Arolsen
Residenz: 1180-1655 Burg Waldeck
1655-1918 Schloss Arolsen
Staatsform: ab 1180 Grafschaft
ab Januar 1712 Fürstentum
ab 1918 Freistaat
Einwohner: 56.224 im Jahre 1871
55.816 im Jahre 1925
Gründungen: 1180 Grafschaft Waldeck
1625 Grafschaft Waldeck und Pyrmont
1712 Fürstentum Waldeck-Pyrmont
Nationallied: Waldecker Lied

Waldeck war − als Fürstentum Waldeck-Pyrmont − Mitgliedsland des Deutschen Bundes und danach ein Gliedstaat des Deutsches Reichs und später der Weimarer Republik.

An die Stelle der Grafschaft Waldeck trat ab 1712 das Fürstentum und ab 1918 der Freistaat Waldeck.

Residenz war zuerst das Schloss Waldeck an der Eder; ab 1655 war Arolsen (heute Bad Arolsen) die Residenz- und Hauptstadt.

Inhaltsverzeichnis

Gebiet

Das Fürstentum bestand aus zwei räumlich getrennten Teilen, der ehemaligen Grafschaft Waldeck (heute in Nordhessen) und der wesentlich kleineren Grafschaft Pyrmont (heute in Südniedersachsen).

Geschichte

Burg Waldeck

Ahnherren der Grafen von Waldeck und Fürsten von Waldeck und Pyrmont waren die Schwalenberg (Grafengeschlecht) väterlicherseits (mit Widekind I. von Schwalenberg als Stammvater), sowie die Edelherren zu Itter auf mütterlicher Seite.

Erstmals bezeugt ist die Burg Waldeck über der Eder im Jahre 1120. Nach dieser Burg nannte sich ein Zweig der Grafen von Schwalenberg ab 1180, der im Laufe der Geschichte ein kleines Herrschaftsgebiet aufbauen und 1625 durch Erbvertrag auch die Grafschaft Pyrmont erwerben konnte.

Friedrich Anton Ulrich von Waldeck und Pyrmont wurde an 6. Januar 1712 von Kaiser Karl VI. in den erblichen Fürstenstand erhoben und nannte sich seitdem Fürst von Waldeck und Pyrmont.

Unter seiner Regentschaft wurde der Umbau von Schloss Friedrichstein in Bad Wildungen, das nach ihm benannt wurde, vollendet. Nach dem Niedergang der ehemaligen Burganlage (aus dem 13. Jahrundert) entstand bereits 1660 an ihrer Stelle das spätere Schloss Friedrichstein, das dann in den Jahren 1707 bis 1714 restauriert und erweitert wurde. Das Schloss liegt auf einem 300 Meter hohen Bergkegel und überragt weithin sichtbar die Badestadt.

Der „bauwütige” Landesherr ließ 1715/ 16 auch das Renaissanceschloss auf dem "Oberen Herrenhof" in Korbach abreißen, um hier ein neues Barockschloss als Residenz zu erbauen. Der bereits begonnene , von J. L. Rothweil entworfene Bau wurde jedoch nicht vollendet.

Fürstentum Waldeck – Historische Karte

Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Korbacher Bürger, die eine Ausweitung der Machtbefugnisse des Fürsten im Bereich ihrer Stadt befürchteten und sich daher weigerten, dem Fürsten Baugrund zur Erweiterung des Schlossbereichs zu verkaufen. Der Fürst zog es schließlich vor, den bereits begonnen Bau des Residenzschlosses in Arolsen voranzutreiben.

Das ehemalige Arolser Renaissanceschloss wurde bereits 1710 abgerissen und im Laufe der Jahre durch das heutige barocke Schloss ersetzt. Obwohl im Jahre 1720 erst der Ostflügel bewohnbar war, zog das Fürstenpaar hier am 13.9. ein. Im Todesjahr des Fürsten Friedrich Anton Ulrich, im Jahre 1728 wurde die Schlosskapelle eingeweiht.

Die Wirren an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert überstand das Fürstentum, wie auch eine kurzfristige Erbteilung 1806-1812, und trat 1815 dem Deutschen Bund bei.

Am 19.04.1816 erhielt das Fürstentum Waldeck eine neue von Fürst und Ständen gemeinsam verabschiedete Verfassung. Sie ersetzte das Organisationsedikt von Fürst Georg Heinrich vom 28. Januar 1814 und bestätigte ausdrücklich die "hergebrachten Landständischen Rechte".

Bestand der waldeckische Landtag bis dahin nur aus geborenen Repräsentanten und städtischen Amtsträgern, so zogen hier neuerdings auch zehn auf Lebenszeit gewählte Abgeordnete des Bauernstandes ein, der die Mehrzahl der Bewohner des Agrarlandes darstellte.

Ab 1868 wurde das Fürstentum von Preußen verwaltet, blieb aber nominell selbständig. 1871 wurde Waldeck ein Bundesstaat des Deutschen Reiches.

1879 heiratete die 20-jährige Prinzessin Emma von Waldeck-Pyrmont (Tochter von Fürst Georg Viktor) König Wilhelm III. der Niederlande und wurde damit zur Ahnin aller folgenden niederländischen Könige und Königinnen.

Das Brockhaus'sche Konversationslexikon beschreibt in seiner 14. Auflage (Leipzig, Berlin und Wien 1894 – 1896) das Fürstentum Waldeck als „... Hügel- und Gebirgsland ... Seine höchsten westl. Teile (das sog. Upland, d. h. Hochland) gehören dem rhein. - westfäl. Schiefergebirge an, das hier im Ettelsberg (831 m) unfern der preuß. Grenze seine höchste Erhebung erreicht. Die Flüsse gehören dem Gebiet der Weser an. Die bedeutendsten sind Eder und Diemel. ... Das Klima ist infolge der Höhenlage im ganzen rauh, die Fruchtbarkeit in den eigentlich gebirgigen Teilen gering, am bedeutendsten in der untern Edergegend und im Nordosten des Landes.

Bevölkerung: W. und Pyrmont haben (1895) zusammen 57766 (27932 männl., 29 834 weibl.) E., darunter 55212 Evangelische, 1700 Katholiken (2 Gemeinden, in Arolsen und Eppe), 158 Altlutheraner und 696 Israeliten, 8922 bewohnte Wohnhäuser, 11536 Haushaltungen und 59 Anstalten. ... Der Hang zur Auswanderung, hauptsächlich nach Nordamerika und den industriereichen Gegenden Westfalens und Rheinpreußens, ist besonders stark bei der Bevölkerung im Norden und Westen des Landes ... Haupterwerbszweige sind Ackerbau und Viehzucht. ... Die Industrie ist unbedeutend ... Von Bergwerken sind die Eisensteingruben bei Adorf erwähnenswert. Der Handel ist gering, zum Teil wohl infolge des Mangels an Eisenbahnen und Wasserwegen. Nur zwei Sekundärbahnen berühren das Land: Wabern - Wildungen und Warburg - Arolsen - Corbach.

Nach Abdankung des Fürsten nach dem Ersten Weltkrieg wurde Waldeck-Pyrmont ein Freistaat innerhalb der Weimarer Republik.

Am 30. November 1921 wurde der Kreis Pyrmont nach einer Volksabstimmung abgetrennt und im Rahmen eines Staatsvertrags mit Preußen der preußischen Provinz Hannover zugeordnet und mit dem Landkreis Hameln zum Landkreis Hameln-Pyrmont vereinigt.

Am 1. April 1929 wurde der verbleibende Freistaat Waldeck ebenfalls in Preußen eingegliedert und Teil der Provinz Hessen-Nassau.

Gliederung der Verwaltung

Residenzstadt Arolsen

Bis 1816 war Waldeck in neun Ämter gegliedert: Arolsen, Eilhausen, Eisenberg, Landau, Lichtenfels, Rhoden, Waldeck, Wetterburg und Wildungen.

Im Jahre 1816 wurden diese zu fünf Oberämtern zusammengelegt.

1849/50 wurde das Fürstentum dann in Kreise eingeteilt:

  1. Kreis der Eder (Bad Wildungen)
  2. Kreis des Eisenbergs (Korbach)
  3. Kreis der Diemel-Twiste (Bad Arolsen)
  4. Kreis Pyrmont; ab 1921 mit dem preußischen Kreis Hameln (Provinz Hannover) vereinigt
  5. Stadt Züschen

Nach dem Anschluss an die preußische Provinz Hessen-Nassau 1929 wurden die drei verbliebenen Kreise zunächst noch weiter geführt, aber dann 1942 zum Landkreis Waldeck mit Sitz in Korbach vereinigt.

Im Zuge der hessischen Gebietsreform von 1974 wurde der Kreis mit dem benachbarten Kreis Frankenberg (Eder) zusammengeschlossen im neuen Landkreis Waldeck-Frankenberg; dabei wurde die Stadt Züschen aus ihrer jahrhundertealten Zugehörigkeit zu Waldeck herausgelöst und als Stadtteil der im Nachbarkreis liegenden Stadt Fritzlar eingegliedert.

Liste der Regenten und Regierungschefs

Fürst Carl August Friedrich zu Waldeck und Pyrmont, Gemälde in Schloss Bad Arolsen

Grafen und Fürsten des Hauses Waldeck

- siehe dazu auch: Grafen von Waldeck -

Fürsten zu Waldeck und Pyrmont

Chefs des Hauses Waldeck-Pyrmont

Regierungschefs des Freistaats Waldeck-Pyrmont in der Weimarer Republik

  • 1918-1920: Karl Hermann Friedrich Wilhelm von Redern
  • 1920-1929: Dr. Wilhelm Schmiedling, Deutsche Volkspartei
  • 1929: Herbert Herberg

Landesvertretung 1919-1925

1919: Sozialdemokratische Partei Deutschlands 30,4% - 7 Sitze | DNVP 23,2% - 6 Sitze | Deutsche Demokratische Partei 21,2% - 4 Sitze | Waldeckischer Volksbund 13,6% - 3 Sitze | Deutsche Volkspartei 7,1% - 1 Sitz
1922: Waldeckischer Landeswahlverband (Landbund (Deutschland) DNVP/Deutsche Volkspartei/Handwerkerbund) 50,2% - 9 Sitze | Sozialdemokratische Partei Deutschlands 20,9% - 4 Sitze | Deutsche Demokratische Partei 12,9% - 2 Sitze | Waldeckische Vereinigung 8,7% - 1 Sitz | USPD 7,4% - 1 Sitz
1925: Landbund (Deutschland]) 33,5% - 7 Sitze | Sozialdemokratische Partei Deutschlands 18,6% - 3 Sitze | DNVP 16,1% - 3 Sitze | Handwerkerbund 12,1% - 2 Sitze | Deutsche Volkspartei 9,6% - 1 Sitz | Deutsche Demokratische Partei 6,7% - 1 Sitz
(An 100% fehlende Stimmen = Nicht in der Landesvertretung vertretene Wahlvorschläge.)

Literatur

Schloss Friedrichstein in Alt-Wildungen

Musik

Der Fürst von Waldeck hatte bereits im 18. Jahrhundert eine Hofkapelle.

siehe dazu auch:

Persönlichkeiten

siehe auch

Prinzessin Emma

Waldecker Lied

Das Lebenswerk von August Koch ist das Waldecker Lied. Noch in seinem Ausweis von 1927, der sich im Besitz von Enkelin Gertrud Tschierschky befindet, die heute in Kochs Alterswohnsitz in Mengeringhausen wohnt, wird im übrigen August Kochs Staatsangehörigkeit als Waldecker festgehalten, „ansässig im Kreis der Twiste im Staate Waldeck”.

Wappen

Schloss Arolsen - Ansicht

Waldeck-Pyrmont: Großes Staatswappen

Blasonierung: Das große Staatswappen des Fürstentums führt einen zweimal gespaltenen und zweimal geteilten Schild mit aufgelegten Herzschildchen, welches das alte Wappen des Fürstentums Waldeck zeigt. Im ersten und neunten Feld erscheint das Wappen der Grafschaft Rappoltstein (auf die die Waldecker Fürsten seit 1793 einen nur vage begründeten Anspruch erhoben), im dritten und siebten Feld das Wappen der Herrschaft Hohenach/Hohenack (beide im Elsass), im vierten Feld das Wappen der Herrschaft Tonna in Thüringen (die von 1640 bis 1677 zu Waldeck gehörte) und im sechsten Feld das Wappen der Herrschaft Geroldseck.

Auf den Schild ruhen fünf Spangenhelme:

Als Schildträger dienen zwei goldene Löwen, die auf einen Ornament stehen, um das ein schwarzes Band mit der Devise "PALMA SUB PONDERE CRESCIT" (Die Palme wächst unter der Last) geschlungen ist.

Weblinks und Quellen

Wappensymbol "Waldecker Stern"

Quellen


Weblinks


Städte und Gemeinden im Landkreis Waldeck-Frankenberg
WappenWaldeckFrankenberg.jpg

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