Fürstentum Göttingen

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Das Fürstentum Göttingen wurde auch Oberwald genannt.

Es war ein (ärmeres) welfisches Fürstentum, das aus den einstigen Northeimschen Besitzungen bestand, also den Städten Göttingen, Uslar, Dransfeld, Münden, Gieselwerder und halb Moringen.

Herzog Albrecht II. der Fette (1268 - 1318), ein Sohn von Herzog Albrecht I. von Braunschweig, war Begründer der „Göttinger Linie“ der Welfen.

Geschichte

Das Welfenschloss in Hann. Münden
Foto: Schmidt

Zum Fürstentum Braunschweig gehörten ehemals auch Northeim, Göttingen und Münden mit dem Streubesitz in diesem Raum. Bereits von den Söhnen Herzog Albrechts, Heinrich der Wunderliche und Albrecht der Feiste, wurde 1291 aus dem Fürstentum Braunschweig das Fürstentum Grubenhagen ausgegliedert, das Heinrich erhielt. Es umfasste die Bereiche Osterode, Herzberg und Einbeck und bestand bis 1596.

Die Herrschaft seines Bruders Albrecht II. umfasste dagegen das so genannte Land „Oberwald“ mit den Städten Göttingen, Münden, der Pfalz Grona bei Göttingen, Northeim und das Land zwischen Deister und Leine.

Die Erbfolgeregelung des welfischen Herzogshauses, die keine Erbfolge nach dem Erstgeburtsrecht vorsah, führte immer wieder zu neuen Aufgliederungen des Gesamtherzogtums und weiteren Teilungen, vor allem im Fürstentum Braunschweig.

Nachdem Albrecht der Feiste 1318 gestorben war, regierten seine Söhne Otto der Milde, Magnus und Ernst das Fürstentum Braunschweig überwiegend von Wolfenbüttel aus zunächst gemeinsam. Nach Ottos Tode 1344 schritten die beiden anderen Brüder im folgenden Jahr zu einer neuerlichen Teilung, wodurch die Fürstentümer Braunschweig-Wolfenbüttel und Göttingen entstanden. Diese Teilung von 1345 wurde auf dem Schloss in Münden besiegelt.

Das Fürstentum Göttingen erhielt Herzog Ernst (1305 - 1367). Er regierte bis 1367. Ihm folgte sein Sohn Otto, der den Beinamen der Quade erhielt, was so viel bedeutet wie der Böse.

Tatsächlich war Otto der Quade wohl ein unerfreulicher Typ, der seinen fürstlichen Lebensinhalt in der Führung von Fehden und Kriegen sah. Als er 1394 in Hardegsen starb, konnte er nicht in der Kirche des nördlich von Northeim gelegenen Klosters Wiebrechtshausen bestattet werden, weil er mit dem Kirchenbann belegt war. Erst als seine Witwe durch Sühneleistungen den Verstorbenen davon gelöst hatte, wurde eine große Kapelle über das an der Nordwand der Kirche gelegene Grabmal errichtet.

Sein Sohn und Nachfolger Otto der Einäugige war im krassen Gegensatz zu seinem Vater ein sehr friedliebender Mensch. Weil ihm wohl das Dasein als Landesherr beschwerlich war, gab er 1435 die Regierung auf. Sein Fürstentum ging nach einem kurzen Zwischenspiel ohne herzoglichen Landesherrn zwei Jahre später an Herzog Wilhelm den Älteren, der zu dieser Zeit das Fürstentum Calenberg innehatte. Otto der Einäugige hatte sich nach Uslar zurückgezogen und sich die Einkünfte aus diesem Raum für seine Hofhaltung gesichert. Weil er entsprechend Münden, Dransfeld und Sichelnstein zum Unterhalt seiner Frau, der Herzogin Agnes, Tochter des Landgrafen Hermann II. von Hessen, vorbehalten hatte, blieb er auch Mündens Stadtherr bis zu seinem Tode 1463.

Weil er keine männlichen Nachkommen hatte, fiel jetzt das gesamte Fürstentum Göttingen an Wilhelm den Älteren, dem 1473 auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugefallen war, nachdem dort der letzte Herzog ohne Erben gestorben war. Damit war das Fürstentum Braunschweig, wie es 1267 entstanden war, mit Ausnahme von Grubenhagen wieder in einer Hand. Als Wilhelm der Ältere 1482 gestorben war, kam es ein Jahr später lediglich zu einer Nutzungsteilung zwischen seinen Söhnen, Wilhelm dem Jüngeren und Friedrich. Nach Friedrichs Tode aber wurde das Fürstentum Braunschweig neuerlich unter Wilhelms Söhnen Heinrich und Erich geteilt.

Erich erhielt das Fürstentum Göttingen und das schon 1432 bis 1473 eigenständige Fürstentum Calenberg. So wurde das Fürstentum Calenberg-Göttingen geschaffen, das unter Erich I., seiner Witwe, der Herzogin Elisabeth und seinem Sohn, Erich II., bis 1584 bestand.

Quelle: Dr. Johann D. von Pezold, GESCHICHTE AN DEN DREI FLÜSSEN, Burg als Verwaltungssitz

Herzog ohne Nachkommen

Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Regentin von Calenberg-Göttingen (1510-1558)
Foto: Sammlung Hartung/nh

Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg wurde am 10. August 1528 geboren und verlebte seine Kindheit und Jugend hauptsächlich auf dem Mündener Welfenschloss. Er war der Sohn von Herzog Erich I. und dessen Ehefrau Elisabeth.

Im Jahre 1546 übernahm er als Achtzehnjähriger für fast vierzig Jahre die Regierung des Fürstentums Göttingen-Calenberg-Oberwald, zu dem auch der südliche Solling gehörte.

Nach dem frühen Tod Herzog Erich I. im Jahre 1540 übernahm zunächst seine Mutter, Herzogin Elisabeth für sechs Jahre die Regentschaft des welfischen Kleinstaates. Elisabeth förderte die Reformation im Lande und modernisierte die Verwaltung. Sie holte Antonius Corvinus - damals Pfarrer in Witzenhausen - ins Land, der für das Fürstentum eine Kirchenordnung erarbeitete. 1542 wurde sie in Kraft gesetzt.

Ihren Sohn Erich dagegen zog es in die weite Welt, vor allem an den kaiserlichen Hof in Wien, wo er kurz nach seinem Regierungsantritt zum Leidwesen seiner Mutter zum katholischen Glauben übertrat. Erich versuchte die Gegenreformation in seinem Lande durchzusetzen, scheiterte damit aber am Widerstand der Städte. Der erste protestantische Pfarrer Uslars, Jost Bauernfeindt, der den Zorn des Herzogs erregt hatte, musste aus der Stadt fliehen. 1555 musste Erich die lutherische Lehre in seinem Land bestätigen. Als Obrist in kaiserlichen Diensten kämpfte er in Holland, Spanien, Frankreich und Italien.

Herzog Erich von Braunschweig-Calenberg starb im November 1584 in Pavia. Da er keine Nachkommen hinterließ, fiel sein Fürstentum an den Herzog Julius aus der Wolfenbütteler Linie der Welfen.

Literatur

  • Edgar Kalthoff; Geschichte des südniedersächsischen Fürstentums Göttingen und des Landes Göttingen im Fürstentum Calenberg 1285-1584, Herzberg 1982

Schloss in Hann. Münden

Das erste Welfen-Schloss in Münden wurde bereits im Jahr 1501 durch Herzog Erich I. im gotischen Baustil errichtet, es wurde aber durch einen Brand vernichtet.

Im Jahr 1560 ließ dann Herzog Erich II. das Schloss in seiner heutigen Form im Stil der frühen Weserrenaissance errichten.

siehe auch

Das Welfenschloss in Hann. Münden

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