Fürstentum Calenberg-Göttingen

Aus Regiowiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Burg Calenberg: Dieser Ausschnitt aus dem Kupferstich von 1654 zeigt das Kloster umgeben von den Befestigungsanlagen, wie sie seit dem späteren 16. Jahrhundert üblich wurden.
REPRO: VON PEZOLD

Das Fürstentum Calenberg-Göttingen war das Ergebnis der wiederholten Teilungen des Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Die erste Teilung geschah 1267, als die Söhne Herzog Ottos (des Kindes), Albecht der Lange und Johann, das Herzogtum in einen nördlichen Lüneburger und einen südlichen Braunschweiger Teil aufspalteten. Die Teile wurden als Fürstentümer bezeichnet.

Geschichte

Das Fürstentum

Zum Fürstentum Braunschweig gehörten auch Northeim, Göttingen und Münden mit dem Streubesitz in diesem Raum. Bereits von den Söhnen Albrechts des Langen, Otto der Wunderliche und Albrecht der Feiste, wurde 1291 aus dem Fürstentum Braunschweig das Fürstentum Grubenhagen ausgegliedert, das Otto erhielt. Es umfasste die Bereiche Osterode, Herzberg und Einbeck und bestand bis 1596. Es war während dieser Zeit das bei weitem kleinste welfische Fürstentum. Seinen Namen erhielt es von der sieben Kilometer südlich von Einbeck gelegenen Burg Grubenhagen, die im 17. Jahrhundert aufgegeben wurde und verfiel.

Die Erbfolgeregelung des welfischen Herzogshauses, die keine Erbfolge nach dem Erstgeburtsrecht vorsah, führte immer wieder zu neuen Aufgliederungen des Gesamtherzogtums und weiteren Teilungen, vor allem im Fürstentum Braunschweig.

Nachdem Albrecht der Feiste 1318 gestorben war, regierten seine Söhne Otto der Milde, Magnus und Ernst das Fürstentum Braunschweig überwiegend von Wolfenbüttel aus zunächst gemeinsam. Nach Ottos Tode 1344 schritten die beiden anderen Brüder im folgenden Jahr zu einer neuerlichen Teilung, wodurch die Fürstentümer Braunschweig-Wolfenbüttel und Göttingen entstanden. Diese Teilung von 1345 wurde auf dem Schloss in Münden besiegelt.

Das Fürstentum Göttingen erhielt Herzog Ernst (1305 - 1367). Er regierte bis 1367. Ihm folgte sein Sohn Otto, der den Beinamen der Quade erhielt, was so viel bedeutet wie der Böse.

Tatsächlich war Otto der Quade wohl ein unerfreulicher Typ, der seinen fürstlichen Lebensinhalt in der Führung von Fehden und Kriegen sah. Als er 1394 in Hardegsen starb, konnte er nicht in der Kirche des nördlich von Northeim gelegenen Klosters Wiebrechtshausen bestattet werden, weil er mit dem Kirchenbann belegt war. Erst als seine Witwe durch Sühneleistungen den Verstorbenen davon gelöst hatte, wurde eine große Kapelle über das an der Nordwand der Kirche gelegene Grabmal errichtet.

Sein Sohn und Nachfolger Otto der Einäugige war im krassen Gegensatz zu seinem Vater ein sehr friedliebender Mensch. Weil ihm wohl das Dasein als Landesherr beschwerlich war, gab er 1435 die Regierung auf. Sein Fürstentum ging nach einem kurzen Zwischenspiel ohne herzoglichen Landesherrn zwei Jahre später an Herzog Wilhelm den Älteren, der zu dieser Zeit das Fürstentum Calenberg innehatte. Otto der Einäugige hatte sich nach Uslar zurückgezogen und sich die Einkünfte aus diesem Raum für seine Hofhaltung gesichert. Weil er entsprechend Münden, Dransfeld und Sichelnstein zum Unterhalt seiner Frau, der Herzogin Agnes, Tochter des Landgrafen Hermann II. von Hessen, vorbehalten hatte, blieb er auch Mündens Stadtherr bis zu seinem Tode 1463.

Weil er keine männlichen Nachkommen hatte, fiel jetzt das gesamte Fürstentum Göttingen an Wilhelm den Älteren, dem 1473 auch das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel zugefallen war, nachdem dort der letzte Herzog ohne Erben gestorben war. Damit war das Fürstentum Braunschweig, wie es 1267 entstanden war, mit Ausnahme von Grubenhagen wieder in einer Hand. Als Wilhelm der Ältere 1482 gestorben war, kam es ein Jahr später lediglich zu einer Nutzungsteilung zwischen seinen Söhnen, Wilhelm dem Jüngeren und Friedrich. Nach Friedrichs Tode aber wurde das Fürstentum Braunschweig neuerlich unter Wilhelms Söhnen Heinrich und Erich geteilt.

Erich erhielt das Fürstentum Göttingen und das schon 1432 bis 1473 eigenständige Fürstentum Calenberg. So wurde das Fürstentum Calenberg-Göttingen geschaffen, das unter Erich I., seiner Witwe, der Herzogin Elisabeth und seinem Sohn, Erich II., bis 1584 bestand.

Quelle: Artikel von Dr. Johann D. von Pezold, HNA-Serie: GESCHICHTE AN DEN DREI FLÜSSEN, Burg als Verwaltungssitz

Herzog ohne Nachkommen

Das Welfenschloss in Hann. Münden
Foto: Schmidt

Herzog Erich II. von Braunschweig-Calenberg wurde am 10. August 1528 geboren und verlebte seine Kindheit und Jugend hauptsächlich auf dem Mündener Welfenschloss. Er war der Sohn von Herzog Erich I. und dessen Ehefrau Elisabeth.

Im Jahre 1546 übernahm er als Achtzehnjähriger für fast vierzig Jahre die Regierung des Fürstentums Göttingen-Calenberg-Oberwald, zu dem auch der südliche Solling gehörte. Erich der Jüngere machte sich einen Namen als Söldnerführer, Hexenjäger, Lebemann und Bauherr.

Nach dem frühen Tod Herzog Erich I. im Jahre 1540 übernahm Herzogin Elisabeth für sechs Jahre die Regentschaft des welfischen Kleinstaates. Elisabeth förderte die Reformation im Lande und modernisierte die Verwaltung. Sie weilte oft auf ihrem Jagdschloss Nienover.

Ihren Sohn Erich dagegen zog es in die weite Welt, vor allem an den kaiserlichen Hof in Wien, wo er kurz nach seinem Regierungsantritt zum Leidwesen seiner Mutter zum katholischen Glauben übertrat. Erich versuchte die Gegenreformation in seinem Lande durchzusetzen, scheiterte damit aber am Widerstand der Städte. Der erste protestantische Pfarrer Uslars, Jost Bauernfeindt, der den Zorn des Herzogs erregt hatte, musste aus der Stadt fliehen. 1555 musste Erich die lutherische Lehre in seinem Land bestätigen. Als nur mäßig erfolgreicher Obrist in kaiserlichen Diensten kämpfte er in Holland, Spanien, Frankreich und Italien und vernachlässigte sein Fürstentum.

Seine aufwändige Hofhaltung und seine gewaltigen Bauprojekte ruinierten die Finanzen des Landes und führten zu ständigen Konflikten des Herzogs mit den Landständen und seiner Ehefrau Sidonie.

Da die Untertanen nur begrenzt durch unterschiedlichste Steuern zur Ader gelassen werden konnten, versuchte Erich schließlich das Vermögen seiner Ehefrau zu plündern. Einem von ihm angezettelten Hexenprozess konnte sich Sidonie nur durch Flucht entziehen.

Herzog Erich von Braunschweig-Calenberg starb im November 1584 in Pavia, wahrscheinlich an den Folgen einer Syphiliserkrankung. Da er keine Nachkommen hinterließ, fiel sein Fürstentum an Herzog Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel.

Dr. Wolfgang Schäfer

Burg Calenberg

Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg, Regentin von Calenberg-Göttingen (1510-1558)
Foto: Sammlung Hartung/nh

Die Burg Calenberg, westlich von Hildesheim zwischen Pattensen und Elze gelegen, war Ende des 13. Jahrhunderts vom Lüneburger Herzog Otto dem Strengen gegen den Bischof von Hildesheim errichtet worden. Sitz einer herzoglichen Verwaltung war sie aber erst seit dem Anfang des 15. Jahrhunderts. Sie wurde deshalb auch die Namensgeberin des 1432 neu geschaffenen Fürstentums Calenberg.

Ihre größte Bedeutung erlangte sie indessen erst im 16. Jahrhundert, als sie baulich erweitert und von den Herzögen zu häufigen Aufenthalten genutzt wurde.

Der wieder katholisch gewordene Herzog Erich II. hielt dort von 1549 bis 1552 Antonius Corvinus gefangen, mit dessen Hilfe die Herzogin Elisabeth 1542 die Reformation im Fürstentum Calenberg-Göttingen eingeführt hatte.

Während des 30-jährigen Krieges 1618 - 1648 wechselte sie mehrfach den Besitzer und erlitt große Schäden.

Trotz Wiederaufbaus 1656 - 1662 wurde sie von den Herzögen aufgegeben und schließlich 1690 niedergerissen.

Literatur

  • Edgar Kalthoff; Geschichte des südniedersächsischen Fürstentums Göttingen und des Landes Göttingen im Fürstentum Calenberg 1285-1584, Herzberg 1982

siehe auch