Fürst Friedrich starb als Gefangener

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Fürst Friedrich starb als Gefangener

Friedrich der Unzufriedene und sein Bruder Wilhelm stritten um Calenberg und Göttingen

Ehrfurchteinflößendes Monument: das Grabmal Wilhelms des Jüngeren in der St. Blasiuskirche in Hann. Münden, das noch zu seinen Lebzeiten als Herzog geschaffen wurde.
Foto: v. Pezold

Münden gehörte seit 1247, als sich die Stadt unter die Herrschaft des Welfenherzogs Ottos (des Kindes) begab, zum Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, das hauptsächlich aus den Eigengütern seines Großvaters Heinrichs des Löwen, von Kaiser Friedrich II. 1235 geschaffen worden war.

Die Nachkommen Ottos des Kindes haben das Herzogtum immer wieder in verschiedene Fürstentümer geteilt und auch Fürstentümer wieder zusammengelegt, wodurch die Geschichte des welfischen Herzogshauses und seiner verschiedenen Herrschaftsbereiche sehr unübersichtlich geworden ist. Bei der ersten Teilung, die Ottos Söhne Albrecht und Johann 1269 vornahmen, entstanden die Fürstentümer Lüneburg und Braunschweig.

Während das Fürstentum Lüneburg in den folgenden Jahrhunderten nur wenigen Veränderungen unterworfen war, wurde das Fürstentum Braunschweig mehrfach weiter untergliedert. Bis 1463 hatten sich die Verhältnisse so entwickelt, dass vom Fürstentum Braunschweig die drei weiteren Fürstentümer Grubenhagen, das schon 1291 entstand, Calenberg und Göttingen abgespalten worden waren.

Das Fürstentum Calenberg war erst 1432 hauptsächlich aus territorialen Zugewinnen der Welfen geschaffen und nach der gleichnahmigen Burg bei Hildesheim benannt worden. Seit seinem Bestehen hatte es Herzog Wilhelm der Ältere inne, der 1463 das Fürstentum Göttingen erbte, zu dem Münden gehörte. Nach dem Tode seines Bruders Heinrich fiel ihm 1473 auch das Fürstentum Braunschweig zu. Schon ein Jahr später überließ er die Fürstentümer Calenberg und Göttingen seinen beiden Söhnen Wilhelm dem Jüngeren und Friedrich zur gemeinsamen Verwaltung.

Wilhelm der Ältere starb 1482. Schon 1483 forderte Friedrich, den man den Unruhigen nannte, seinen älteren Bruder Wilhelm zur Teilung des gesamten Herrschaftbereichs auf. Wilhelm der Jüngere ließ sich aber nur auf eine Nutzungsteilung - Mutschierung - ein. Jedem der beiden Brüder wurden bestimmte Besitzungen und Einkünfte zur Nutzung zugewiesen. Lediglich die Burgen in Wolfenbüttel und Münden als die Hauptresidenzen des gesamten Landes wurden nicht einem allein überlassen, sondern in sich geteilt.

Seinen Beinamen hatte Friedrich daher, dass er gewöhnlich zur Stelle war, wenn sich irgendwo die Gelegenheit bot, sich an einer Fehde zu beteiligen oder selbst eine zu beginnen. Als Söldnerführer ließ er sich 1454 an der Spitze von etwa 170 bis 200 Reitern für 700 Gulden in die Dienste der Stadt Münster nehmen, die eine Fehde gegen den Erzbischof von Köln führte, der ihr seinen Bruder als Bischof aufzwingen wollte. Nach einem unglücklich verlaufenen Gefecht geriet Friedrich in Gefangenschaft. Erst vier Jahre später kam er wieder frei, nachdem von den Fürstentümern Calenberg und Göttingen 8000 Gulden Lösegeld aufgebracht worden waren. Wahrscheinlich aus Geldmangel überfiel er 1462 in der Nähe von Northeim vier Lübecker Kaufmannswagen, die nach Frankfurt unterwegs waren, und ließ die Beute auf die Burg nach Moringen bringen. Lübeck und die Städte Hannover, Goslar, Braunschweig, Einbeck, Northeim und Göttingen reagierten sofort auf diesen dreisten Raub. Gemeinsam mit dem Bischof von Hildesheim rüsteten sie zur Heerfahrt. Nur das Eingreifen des Vaters, Wilhelms des Älteren, konnte das Schlimmste verhindern. Es kam zu einem Waffenstillstand und bis zum endgültigen.Frieden blieb Moringen in der Hand des Braunschweiger Rates. Nichtsdestotrotz nahm Friedrich 1465 in der Nähe von Holzminden Göttinger Bürger gefangen und schleppte sie auf die Burg Everstein. Wieder gingen die Städte gegen ihn und seinen Vater vor. Sie brannten die Amtshöfe in Weende und Harste, die Neustadt Hannovers und verschiedene Dörfer im Calenbergischen nieder. Friedrich Gewalttaten gefährdeten die Stellung des welfischen Herzogshauses in den Fürstentümern Göttingen und Calenberg. So ist es nicht verwunderlich, dass das Verhältnis des besonneneren Wilhelm, der freilich als junger Mann auch in manche Händel verwickelt gewesen war, zu seinem jüngeren Bruder Friedrich gespannt war. So war die Nutzungsteilung von 1483 auch nur von kurzer Dauer. In der Fehde des Hildesheimer Bischofs mit der Stadt Hildesheim wegen Steuerleistungen ergriff Wilhelm der Jüngere die Partei des Bischofs. Als Antwort verbündete sich Friedrich mit den Hildesheimer Bürgern. Im Verlauf dieser Fehde erhielt Wilhelm die Gelegenheit, das Verhältnis zu seinem Bruder auf eine Weise zu regeln, wie es zu diesem passte: Wilhelm überraschte Friedrich auf der Burg Calenberg und setzte ihn gefangen. Zunächst wurde Friedrich nach Hardegsen gebracht, aber schon bald nach Münden verlegt. Hier hielt ihn Wilhelm weiter mit der Begründung gefangen, Friedrich sei geistesgestört und zur Regierung nicht fähig. Bis zu seinem Tode kam Friedrich nicht mehr frei. Er starb 1595 in Münden.

Wilhelm der Jüngere überließ 1491 im Alter von 66 Jahren die Fürstentümer Calenberg und Braunschweig seinen Söhnen Heinrich (später der Ältere genannt) und Erich zur gemeinsamen Regierung und behielt nur das Fürstentum Göttingen gleichsam als Alterssitz. Vier Jahre später sah er sich schließlich doch zu einer förmlichen Teilung genötigt. Heinrich erhielt das Fürstentum Braunschweig, Erich die Fürstentümer Calenberg und Göttingen. Bis zu seinem Tode 1503 lebte er zurückgezogen auf seinen Burgen Hardegsen, Uslar und Münden. Begraben wurde er in der St.Blasiuskirche in Münden. Das Bild zeigt sein Grabmal.

(von Dr. Johann D. von Pezold)

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