Führung durch die documenta 13 (2012)

Aus Regiowiki

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Die documenta 13 fand vom 9. 6. 2012 bis 16. 9. 2012 in Kassel statt.

Sie ging mit einem Besucherrekord zu Ende. Nach Angaben der Ausstellungsleitung wurde die Kasseler Weltkunstschau an 100 Tagen von 860.000 Menschen besucht. Das entspricht einer Steigerung um 14 Prozent oder um 110.000 Besucher gegenüber der documenta vor fünf Jahren, der bislang besucherstärksten Ausstellung.



"100 Tage documenta: Bilanz nach 100 Tagen Kunst" auf www.mydocumenta.de

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Gang durch die Ausstellung:
Julia Moritz, Leiterin Vermittlungsprogramm der documenta 13

(dirkschwarze.net)

siehe dazu auch:


Ein Rückblick:

100 Tage, 100 Artikel hieß die Regiowiki-Serie zur documenta im Jahr 2012. Denn die Ausstellung wird nach einer Formulierung von Arnold Bode aus dem Jahr 1964 auch "Museum der 100 Tage" genannt.

Inhaltsverzeichnis

Artikel zur dOCUMENTA (13)

HNA-Artikel zur documenta 13 (2012):

Carolyn Christov-Bakargiev

Die Kuratorin und ihr Team

Carolyn Christov-Bakargiev - Leiterin der documenta 13

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Nach Catherine David (1997) wurde zum zweiten Mal die documenta von einer Frau geleitet: Die in Italien tätige amerikanische Kuratorin Carolyn Christov-Bakargiev (*1957) wurde auf Vorschlag der Findungskommission einstimmig vom documenta-Aufsichtsrat zur künstlerischen Leiterin der documenta 13 berufen. Christov-Bakargiev hatte zuvor 2008 die 16. Sydney-Biennale geleitet. Seit 2002 ist sie Direktorin des Turiner Castello di Rivoli, einem Museum für zeitgenössische Kunst. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Carolyn Christov-Bakargiev ist eine Ausstellungsmacherin, die mit der europäischen Moderne ebenso vertraut ist wie mit der internationalen aktuellen Kunst. Die zentralen Künstlerpersönlichkeiten, mit denen sie sich auseinander gesetzt hat, waren auch in früheren documenten vertreten. Auch verfügt sie über gute Erfahrungen bei internationalen Kunstprojekten. Wenn man so will, dann kehrt mit ihr die documenta in vertraute Bahnen zurück. Nach dem Experiment von Roger Buergel folgte nun die bewährte Position.

Carolyn Christov-Bakargiev ist Autorin und Ausstellungsmacherin. Sie studierte in Pisa Literatur und Kunstgeschichte und schloss 1981 ihr Studium mit einer Arbeit über das Verhältnis von zeitgenössischer Malerei und Dichtung mit magna cum laude ab. Ihr Interesse gilt der Vermittlung zwischen klassischer Avantgarde und zeitgenössischer Kunst. Intensiv hat sie sich mit der Arte Povera (italienische Kunstrichtung der 60er-Jahre) in einem Buch beschäftigt. Eines ihrer großen Ausstellungsprojekte galt dem Werk des Zeichners, Filmers und Autors William Kentridge.

Die Findungskommission (von links nach rechts): Sitzend: Udo Kittelmann, Oscar Ho, Elizabeth McGregor, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Kathy Halbreich, Manuel Borja-Villel. Stehend: Geschäftsführer Bernd Leifeld, Paulo Herkenhoff, Joseph Backstein, Rein Wolfs und Kasper König. Foto: Herzog

Sie war Jury-Mitglied bei der 49. Biennale von Venedig und von 1999 bis 2001 Kuratorin für das P.S.1 in New York. 1993 hatte Carolyn Christov-Bakargiev für die Biennale in Venedig eine Hommage für John Cage organisiert. Ebenfalls 1993 gehörte sie zum Kulturhauptstadt-Team in Antwerpen. 1997 leitete sie das Projekt "Citta-Natura", an dem Künstler wie Lawrence Weiner, Giovanni Anselmo, Mario Merz, Marisa Merz, Jannis Kounellis, Willie Doherty, Gary Hill und Mark Dion beteiligt waren und das in Museen in Rom, auf öffentlichen Plätzen und sogar im Zoo inszeniert wurde. 1998 bis 2000 leitete sie gemeinsam mit Laurence Bossé und Hans Ulrich Obrist in Rom das Projekt "La Ville, le Jardin, la Memoire" (Die Stadt, der Garten, die Erinnerung) in der Villa Medici.

Einzelausstellungen erarbeitete sie unter anderem für Georges Adeagbo, Santiago Sierra, Michael Rakowitz und Nedko Solakov, Takashi Murakami und Doris Salcedo sowie William Kentridge und Janet Cardiff. Sie widmete sich der jüngeren Kunst ( The Moderns / I moderni, 2003) ebenso wie einem Rückblick auf die 80er-Jahre. Als P.S.1-Kuratorin inszenierte sie in New York eine Ausstellung mit 120 amerikanischen Künstlern der jüngeren Generation. In der Ausstellung "Faces in the Crowd" (Gesichter in der Menge) untersuchte sie 2004/05 die Geschichte der Figuration von Édouard Manet bis zu Anri Sala, Song Dong and Destiny Deacon. In der Schau waren Gemälde, Skulpturen, Fotos, Videos und Installationen von 100 Künstlern seit 1873 vertreten.

Laut FAZ waren in der Kandidaten-Schlussrunde für die documenta 13-Leitung neben Carolyn Christov-Bakargiev vom Turiner Castello di Rivoli, der derzeit am New Museum» in New York tätige Kurator Massimiliano Gioni, Lisette Lagnado aus Brasilien, Wiktor Missiano aus Russland, Douglas Fogle sowie Catherine de Zegher aus den USA. Wie Kasper König, der Direktor des Museums Ludwig in Köln, als Sprecher der Findungskommission erklärte, waren unter den letzten drei ausschließlich die Kandidatinnen.

Am 29. Oktober 2010 stellte Christov-Bakargiev ihr Berater-Team offiziell in Berlin vor: Zum einen handelt es sich um Agenten, zum anderen um Berater. Das "Honorary Advisory Committee" setzte sich zusammen aus Intellektuellen und Praktikern ganz unterschiedlicher Disziplinen - von der Kunst bis zur Archäologie, Literatur und Quantenphysik.

Die Vorbereitungen

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siehe dazu die Artikel:

documenta-Konferenz

Zwischen Poesie und der Suche nach einem Konzept

Nach Lesart von Carolyn Christov-Bakargiev hatte die documenta 13 (2012) bereits am Freitag, 18. September 2009, mit einer Konferenz im Castello di Rivoli begonnen. Der scheidenden Museumschefin war es gelungen, alle ihre lebenden Vorgänger nach Rivoli einzuladen: Jean-Christophe Ammann für den verstorbenen Harald Szeemann (documenta 5), Manfred Schneckenburger (Documenta 6 und 8), Rudi Fuchs (documenta 7), Jan Hoet (documenta IX), Catherine David (documenta X, Okwui Enwezor (documenta 11) und Roger Buergel (documenta 12). Außerdem referierten für den Zeitraum der ersten vier Ausstellungen Heiner Georgsdorf und Walter Grasskamp. Außerdem waren Künstler zu Statements eingeladen.

Spannend wurde die Diskussion am ersten Abend, als es um die Frage ging, ob bei der Ausstellungsplanung eher die Poesie das Sagen habe (wie Rudi Fuchs es für sich reklamierte) oder ob Konzept, Themen und Botschaften zu formulieren seien.



siehe auch: documenta-Retroperspektive

Findungskommission

Die Findungskommission (von links nach rechts): Sitzend: Udo Kittelmann, Oscar Ho, Elizabeth McGregor, Oberbürgermeister Bertram Hilgen, Kathy Halbreich, Manuel Borja-Villel. Stehend: Geschäftsführer Bernd Leifeld, Paulo Herkenhoff, Joseph Backstein, Rein Wolfs und Kasper König. Foto: Herzog

Mit der ersten Sitzung der international besetzten Findungskommission am 6. und 7. April 2008 in Kassel hatten die konkreten Vorbereitungen für die nächste documenta begonnen. Die neunköpfige Kommission setzte sich wie folgt zusammen:

Joseph Backstein, Direktor Institute of Contemporary Art Moscow, künstlerischer Leiter State Centre for Museums and Exhibitions "Rosizo"

Manuel J. Borja-Villel, Direktor Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia Madrid. Er war bereits Mitglied der Findungskommission für die documenta 12.

Kathy Halbreich, Stellvertretende Direktorin Museum of Modern Art New York (zur Stärkung und Profilierung zeitgenössischer Kunst). Sie war bereits Mitglied der Findungskommission für die documenta X.

Paulo Herkenhoff, Freier Kurator, vorher: Direktor Museu Nacional Belas Artes Rio.

Oscar Ho, Direktor MA Programme in Cultural Management, Chinese University of Hong Kong und Gründungsdirektor Museum of Contemporary Art, Shanghai.

Udo Kittelmann, Direktor Museum für Moderne Kunst in Frankfurt und designierter Direktor der Neuen Nationalgalerie und des Hamburger Bahnhofs, Berlin.

Kasper König, Direktor des Museum Ludwig Köln. König war seit Ende der 70er-Jahre mehrfach in der engeren Wahl für die documenta-Leitung. Er ist der Sprecher der Findungskommission.

Elizabeth Ann Macgregor, Direktorin Museum of Contemporary Art Sydney.

Rein Wolfs, Leiter der Kunsthalle Fridericianum Kassel.

In der ersten Runde beriet die Kommission die Kriterien für eine Auswahl der nächsten documenta-Leitung. In einer weiteren Sitzung im Sommer in Frankfurt wurden Namen diskutiert und Kandidaten aufgefordert, ein Konzept einzureichen. Schließlich wurden in der dritten Runde in Kassel auf der Grundlage der Konzepte sechs Kandidaten zum Gespräch eingeladen. Unter den letzten drei Kandidaten waren ausschließlich Frauen. Der daraus folgende Personalvorschlag der Kommission wurde vom documenta-Aufsichtsrat einstimmig gebilligt.

documenta schreibt sich jetzt dOCUMENTA (13)

Schon bald hatte die documenta-Leitung erste Festlegungen für 2012 vorgenommen. Die Auffälligste war die Schreibweise des Namens: das historische, von Bode gesetzte “d” blieb klein, ansonsten wurde der Name in Versalien geschrieben. Bereits die von Jan Hoet geleitete Ausstellung (1992) war im Zeichen von Versalien gelaufen: DOCUMENTA IX. Nun erfolgte durch das vorangestellte kleine “d” jedoch ein Bruch - an dieser Schreibweise blieb das Auge irritiert wie an einem Widerhaken hängen. Damit nahm die Ausstellungsleitung den Impuls von 1992 auf und wandte sich zugleich wieder der ersten documenta mit ihrem schlichten d-Logo zu. Der uns vertraute Name wurde also wieder entfremdet.

Fridericianum 2012 zur documenta13

Der zweite wichtige Punkt war, dass die von Carolyn Christov-Bakargiev geleitete Ausstellung den Ball von Catherine David aufnahm. Die Französin hatte 1997 die Reihe “100 Tage - 100 Gäste” etabliert, in der Künstler, Autoren, Philosophen, Kuratoren, Filmemacher und Wissenschaftler über Fragen der Zeit sprachen. Diese Vortrags- und Diskussionsreihe wurde natürlich nicht kopiert. Stattdessen begründete Carolyn Christov-Bakargiev im Vorfeld der Ausstellung von 2012 die Buchreihe “100 Notizen - 100 Gedanken”. Die kleinen Bücher, die ab Ende des Jahres erschienen, sollten wie seinerzeit die Vortragsreihe Beiträge aus allen Sparten der Kunst, Kultur und Wissenschaft vereinen, wobei - stärker als 1997 - andere Felder wie Politik, Wirtschaft, Psychologie und Linguistik eingebunden wurden. Wie die Ausstellung selbst sollte die Buchreihe das Unfertige, Bruchstückhafte betonen. Es sollte durch die kleinen Bücher sichtbar werden, wie Ideen, das Wissen und die Kunst entstehen - wie das Denken funktioniert. Das Prozesshafte wurde sichtbar gemacht, es sollte Bewegung im Sinne der Gedanken entstehen.

Die Beiträge zu diesen Bänden konnten durchaus Collage-Charakter haben, wie das die Künstler Reen Ré und Quack du Lac beispielhaft durch eine Bearbeitung einer Lesebuchseite von Sigmund Freud vorgeführt haben.

Im Zentrum der dOCUMENTA (13) stand die künstlerische Praxis. Aber in die Ausstellung wurden auch die anderen Kultur- und Wissensbereiche einbezogen.

Zum vierten Mal arbeitete die documenta mit dem Verlag Hatje Cantz zusammen. Dort sollten wie 1992, 1997 und 2002 der Katalog sowie Sonderpublikationen erscheinen. Auch die Reihe der Notizbücher wurde mit Hatje Cantz gemeinsam entwickelt. Die Zusammenarbeit mit dem Taschen Verlag im Jahre 2007 hatte die Hoffnung geweckt, man könne die documenta-Publikationen noch breiter streuen. Das Gegenteil war der Fall. Die Bücher landeten sehr schnell auf den Ramsch-Tischen.

Die Publikationen der dOCUMENTA betreute die in New York lebende Publizistin Dr. Bettina Funcke, die von 2000 bis 2007 für die Veröffentlichungen der Dia Art Foundation zuständig war und seit 2007 leitende Redakteurin der Zeitschrift “Parkett” ist.

siehe auch

Video: Auftakt der documenta (13) in Kassel

zur documenta: zur documenta 13:

Weblinks

Documenta-Lok

Teilnehmer

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