Evangelische Stadtkirche Bad Wildungen

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Die evangelische Stadtkirche von Bad Wildungen steht auf dem höchsten Punkt des Stadthügels

Auf einer kleinen Bergkuppe gegenüber von Alt-Wildungen wuchs der Ort Nieder-Wildungen, der im Jahr 1242 Stadtrechte erhielt. In seinem Zentrum und auf dem höchsten Punkt des Stadthügels erhebt sich bis heute die spätgotischen Stadtkirche von Bad Wildungen, mit deren Bau Mitte des 13. Jahrhunderts begonnen wurde.

Etwa 200 Jahre dauerte die Errichtung der Kirche. Bruchsteinmauern stützen die Terrasse, auf der sich das Kirchengebäude befindet, ab. Der hohe Kirchturm prägt schon von weitem das Stadtbild.

Die Kirche gilt als eine der schönsten Hallenkirchen in Hessen.

Bauwerk und Geschichte

Nachdem um das Jahr 1300 mit dem Bau begonnen wurde und in den ersten 100 Jahren ein Großteil der Bauarbeiten fertig gestellt waren, wurde der Turm bis zum Ende des 15. Jahrhunderts errichtet.

Mit dem spätgotischen Flügellaltar des Conrad von Soest beherbergt die Kirche ein Kunstwerk von europäischem Rang.

Einige grundlegende Informationen sind auf einer Tafel an der Kirche zu finden. Danach wurde mit dem Bau der Kirche, die dem hl. Nikolaus geweiht wurde, im Jahre 1260 begonnen. Der spätgotischen Flügellaltar wurde 1403 aufgestellt und 1494, am Tage der hl. Margaretha der Kirchturm fertig gestellt.

Wie oft im Waldecker Raum verbinden sich auch in der Wildunger Stadtkirche zwei Bautraditionen: während der hessische Einfluss – besonders von der Marburger Elisabeth-Kirche her bekannt – besonders in einem tiefen Chorraum Ausdruck findet, begegnet der Besucher dem westfälischen Einfluss in den runden Säulen und dem quadratischen Grundriss der Hallenkirche.

Nach der Reformation wurde die Kirche ein protestantisches Gotteshaus.

Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Turmspitze durch Blitzschlag zerstört wurde, bekam der Turm eine "welsche Haube".

Die heutige Orgel von der Firma Gerhard Schmidt aus Kaufbeuren entstand 1982, wobei einige Register der vorherigen Orgel aus dem Jahr 1857 nach Umarbeitung übernommen wurden.

Eine der schönsten Hallenkirchen Hessens

Die evangelische Stadtkirche Bad Wildungen gilt als eine der schönsten Hallenkirchen im hessischen Raum.

Mit dem Bau wurde vermutlich um das Jahr 1300 begonnen. Verantwortlich waren städtische Baumeister, die die Arbeiten überwachten. Sie waren von der Bürgerschaft jährlich gewählte Vertreter.

Der Wildunger Altar in der ev. Stadtkirche; links das Grabmahl des Grafen Josias II. von Waldeck.

Die Stadtkirche war anfangs der Gottesmutter geweiht.

Als erster evangelischer Pfarrer trat Johannes Hefentreger seinen Dienst im Jahre 1531 in der Stadtkirche an.

Die Stadtkirche erhebt sich auf dem höchsten Punkt des Stadthügels. Bruchsteinmauern stützen die Terrasse, auf der sich das Kirchengebäude befindet, ab. Der hohe Kirchturm prägt schon von weitem das Stadtbild von Bad Wildungen.

„Vor diesem Bild wird alles Laute still…“ Diese Anfangszeilen eines Verses von Gottfried Buchmann liegen auf den Stufen eines der kunstgeschichtlich bedeutendsten Monumente des Spätmittelalters: des berühmten Flügelaltars des Conrad von Soest in der Bad Wildunger Stadtkirche des Conrad von Soest.

Conrad von Soest gilt als Hauptmeister der Westfälischen Malerei des Weichen Stils. Während auf den Außenseiten vier Heiligendarstellungen zu sehen sind, ist auf den Innenseiten auf 13 Bildfeldern ein christologischer Zyklus dargestellt. Als Entstehungsdatum wird 1403 angenommen.

Das Kruzifix über dem Altar stammt aus dem Jahre 1518. Auch das Grabmal des Grafen Josias II von Waldeck gilt als herausragendes Kunstwerk für den hessisch-westfälischen Raum.

Quelle: Artikel von Sibylle Teuber-Blechschmidt in der HNA vom 31.10.2007

Flügelalter des Künstlers Conrad von Soest

Die Anbetung der Könige.
Fotos: W. Fischer

Ein Kunstwerk von europäischem Rang

Ein Kunstwerk von europäischem Rang befindet sich in der evangelischen Stadtkirche Bad Wildungen: der spätgotische Flügellaltar des Dortmunder Meisters Conrad von Soest.

Das in den Hauptfarben Gold, Ultramarin, tiefem Rot und Grün leuchtende gut erhaltene Werk ist das erste datierte und signierte Altarbild nördlich der Alpen: Da tritt ein Maler selbstbewusst aus der Anonymität des Mittelatters heraus, kennzeichnet mit seinem Namen und hält das Datum der Fertigstellung fest 1. September 1403.

Das Altarbild zeigt im Zentrum der großen Mitteltafel eine vielfigurige Kreuzigung Christi und auf kleineren Bildern dort und auf dem rechten Seitenflügel je vier Szenen von der Passion sowie von der Auferstehung bis zum Jüngsten Gericht.

Auf der linken Seitentafel befinden sich die drei abgebildeten Szenen und die Darbringung im Tempel.

Nach der frühen Prägung des Malers durch die westfälische Tafelmalerei findet Conrad seinen persönlichen Stil während eines längeren Aufenthalts in der renommiertenWerkstatt des königlichen Tafel- und Miniaturenmalers Jean d’Orieans in Paris, der für den größten Mäzen seiner Zeit, den Herzog von Berry, am berühmten Stundenbuch "Tres Belies Heures de Notre Dame" arbeitet, einem der vier schönsten Stundenbücher der späten Gotik.

Auf Conrads Altarbild findet sich neben selbstständiger Übernahme einzelner Motive aus dem Stundenbuch, die realistische und sorgfältige Darstellung auch kleiner Details wie Marienblümchen und Erdbeerpflanzen, wie Becher, Gläser, Schüsseln, Bestecke, spielende Windhunde (die Lieblingshunde des Herzog von Berry), burgunder Brokatstoffe und Modeaccessoires. Hier zeigt sich Conrads Schulung in der Buchmalerei.

Aber Conrads Bilder atmen auch die höfische Atmosphäre in Frankreich.

Huizinga schreibt in seinem Buch "Herbst des Mittelatters" von den "schön stilisierten Lebensformen, die die raue Wirklichkeit in einer Sphäre edler Harmonie erheben sollen".

Conrad wird zum Hauptvermittler des sogenannten "weichen Stils der internationalen Gotik" mit ihren schönen Madonnen. In unseren drei Bildern vom Altarbild finden sie sich ja auch wieder.

Verkündigung, Geburt und Anbetung

Taufstein

Die ersten drei Bilder aus dem Flügelaltar - Handlungsschilderung und theologische Aussagen

Eine auszugsweise Betrachtung der ersten drei Bilder aus dem Flügelalter:
Verkündigung an Maria: Conrad von Soest zeigt in seiner Malerei nicht allein die reine Handlungsschilderung der Geschichten aus den Evangelien, sondern er hat darüber hinaus den Ehrgeiz, theologische Aussagen zu machen. So will er die Maria in der Verkündigungsszene in ihrer dreifachen Bedeutung als Jungfrau, als Mutter Christi und als Himmelskönigin und nicht als schlichte Magd darstellen. Die weißen Lilien sind zugleich Sinnbilder ihrer Reinheit und Jungfräulichkeit.

Die Mandelfrucht umgeben von Blumen auf dem Botenstab des Engels, auf Marias Unterkleid und auf dem Stoff über ihrem Pult sind Zeichen ihrer Fruchtbarkeit und Mutterschaft. Ihre perlenbesetzte Krone mit ihrem Namen sowie ihr kostbares Unterkleid aus Goldbrokat und ihre mit roten Steinen besetzte lange Halskette und der rote Rundedelstein auf ihrem Gürtel weisen sie zugleich als die zukünftige Himmelskönigin aus. Das Bild atmet die höfische Atmosphäre in den edlen korrespondierenden Gesten von Engel und Maria. Sie sitzt vor einer mit edlen Stoffen ausstaffierten Kemenate vor einem geschnitzten Holzpult, über das eine reich ornamentierte rote Decke mit Silberstickerei liegt, und blättert in einem kostbaren heiligen Buch. Durch viele Belege aus weiß man, dass das kostbare Buch mit Miniaturen als Sinnbild für Maria galt.

Die Geburt Christi: Nach dem Bild der Menschwerdung des Heilands ist im Weihnachtsbild Conrads zum ersten Mal in der deutschen Malerei die liebevoll-zärtliche Hinwendung des neugeborenen Christuskinds zu seiner Mutter dargestellt. Zugleich wurde in Maria auch die Verkörperung der Kirche symbolisiert, der sich Christus zuwendet. Durch die Stellung des Stallgiebels über Maria und die Darstellung der anbetenden Schar roter Engel im Hintergrund wirkt dieses Teilstück fast wie ein eigenständig gerahmtes Andachtsbildchen im Bild. Unterhalb der Maria kniet Josef, ordnet er mit einem Stab die brennenden Holzscheite und pustet in die Flammen. In einem Grapen wird der Milchbrei für Maria erhitzt. Josef hat keinen Heiligenschein und wirkt in seiner Kleidung als schlichter Handwerker und in Aussehen und Haltung als alter Mann. So bildet er einen Kontrast zur Szene des eine junge schöne Mutter liebkosenden kindlichen Gottessohns. Zugleich aber bietet er ein rührendes Bild des unermüdlich fürsorgenden Ziehvaters. Im Hintergrund steht ein Schäfer inmitten seiner Schafe und blickt in den blendenden himmlischen Glanz. Dort erscheint ihm der herabfliegende Engel und verkündet die Botschaft der Weihnacht.

Die Anbetung der Könige: Nicht im Stall, sondern unter einer großartigen gotischen Baldachinarchitektur - nur bei Markus findet die Szene im Raum statt - empfängt Maria die Könige mit dem entblößten Christuskind auf ihrem Schoß. Sie repräsentieren auch die drei Altersstufen und sind nach der neuesten Burgunder-Mode um 1400 prachtvoll gekleidet. Die Szene zeigt den höfischen Glanz, den Conrad während seines Parisaufenthalts erlebt hat.

Quelle: Artikel von Dr. Wolfgang Fischer in der HNA vom 24.12.2008

Grabmale der Grafen von Waldeck-Wildungen

Grabmal des Fürsten Carl August Friedrich von Waldeck (1704 - 1763)

In der Wildunger Stadtkirche haben Mitglieder der Waldecker Grafenfamlie ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Im nördlichen Seitenschiff (über dem Eingang zur Küsterei) ruht Graf Samuel von Waldeck (1528 - 1570). Das Grabmal wurde von Steinmetz Georg von der Tann im Renaissance-Stil aufwändig bearbeitet, wobei zahlreiche Wappen aus dem Herrschaftsbereich dargestellt wurden.

Künstlerisch wertvoll ist auch das Grabmal für Graf Josias II. von Waldeck (1636 - 1669), das der Bildhauer Heinrich Papen im Auftrag der Witwe des Grafen im Jahre 1674 im Stil des Hochbarock schuf.

Deutlich einfacher gehalten ist das Grabmal des Fürsten Karl August Friedrich von Waldeck (1704 - 1763), ein spätbarockes Werk des Bildhauers Markus Christoph Krau mit Figuren, die für Gerechtigkeit und Stärke (unten) sowie Frömmigkeit und Klugheit (oben) stehen. Über allem schwebt Fama, die Verkünderin des Ruhms.

Literatur

Hinweise: [1]

  • "Bad Wildungen - Evangelische Stadtkirche", Kirchenführer mit farbigen Abbildungen
  • Dr. Wolfgang Fischer, "Der Wildunger Altar" mit ausführlichen Textbeschreibungen und 120 hochwertigen farbigen Detailbildern
  • Helmut Wöllenstein, "Von Angesicht zu Angesicht - Der Wildunger Altar", herausgegeben von der Ev. Kirchengemeinde Bad Wildungen

Orgel

Die Orgel der Stadtkirche (über dem Haupteingang) stammt von der Orgelbau-Firma Gerhard Schmidt aus Kaufbeuren und wurde urde 1982 erbaut, wobei einige Register der vorherigen Orgel aus dem Jahr 1857 umgearbeitet und übernommen wurden.

siehe auch

Taufstein

Die evangelische Stadtkirche in Bad Wildungen

Ein sehenswerter Taufstein - vermutlich aus 1350 - steht im südlichen Seitenschiff der Kirche.

Die Inschrift auf dem Sockel lautet: BABTISMUS EST FUNDAMENTUM ET IAUNA ALIORUM SAKRAMENTORUM (Die Taufe ist die Grundlage und die Tür zu den anderen Sakramenten).

Weblinks und Quellen

Quellen

  1. Buchempfehlungen auf http://kirche.wildungen.info

Weblinks