Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Hann. Münden

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Die Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Hann. Münden besteht seit mehr als 300 Jahren.

2008 - 300 Jahre eine Gemeinde

Volles Gotteshaus: Den Festgottesdienst zum 300-jährigen Bestehen der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Münden ließen sich viel Gläubige nicht entgehen.
Foto: Huck

Evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Münden feierte Pfingstmontag 2008

Hann. Münden. „Der Geist Gottes hat die Menschen bewegt, eine Gemeinde zu gründen. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass wir heute das 300-jährige Bestehen unserer Kirche feiern.“ Pastor Ernst-Ulrich Göttges freute sich beim Festgottesdienst am Montag zusammen mit seiner Gemeinde über das Jubiläum der Evangelisch-reformierten Kirche in Hann. Münden.

Zum Festgottesdienst am Pfingstmontag war Kirchenpräsident Jann Schmidt gekommen, um zu gratulieren und zu predigen. Auch viele Gäste aus befreundeten Gemeinden, von der Stadt und aus Hann. Münden kamen zum Gratulieren.

Bei einem gemütlichen Miteinander im Innenhof im Anschluss an den Gottesdienst wurde das Jubiläum dann bei schönstem Sonnenschein gefeiert. (zwh)

Kirche mit Brief und Siegel

Das Original: Georg Ludewig zu Braunschweig und Lüneburg erlaubt 1708 den evangelisch-reformierten Christen, in Münden ihre Kirche zu gründen.
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In einem schlichten Holzrahmen hängt ein Schriftstück an der Rückwand der Evangelisch-reformierten Kirche in Hann. Münden. Dass dieses Dokument etwas Besonderes ist, lässt das dicke Plexiglas erahnen, das Urkunde und Siegel schützt.

Es handelt sich um jenes Schriftstück, mit dem der Landesherr Georg Ludwig zu Braunschweig-Lüneburg den Reformierten ihre Kirche erlaubte. Das „geheime Kanzleisiegel“ hängt daran. Das Dokument markiert die Geburtsstunde der Evangelisch-reformierten Gemeinde in Münden: 11. Mai 1708.

Gut gesichert und ausgeleuchtet ist es heute für jeden Kirchenbesucher sichtbar. Das war nicht immer so. Eine zeitlang war es im Archiv, eine Weile auf dem Dachoden verwahrt. Eigentlich müsste das Dokument mal restauriert werden, sagt Pastor Ernst-Ulrich Göttges, „aber wir wissen nicht so recht, wer dafür der Fachmann wäre.“

Eine Reinschrift des alten Textes hängt neben dem Original. Der Landesherr gibt sich zwar tolerant, indem er der Gemeinde erlaubt, ihre Religion ausüben zu dürfen, schränkt das aber auch ganz deutlich ein: In einem privaten Haus dürfen die Reformierten beten und das Abendmahl einnehmen. Taufen und Eheschließungen sind kein Problem, aber beerdigen darf der Prediger nicht. Das, so berichtet Göttges, blieb bis ins 19. Jahrhundert so.

Toleranz von beiden Seiten

In dem Schreiben mahnt Georg Ludwig die Mitglieder der Evangelisch-Reformierten Kirche, die Toleranz, die ihnen gegenüber gezeigt werde, mit ebensolcher zu vergelten: Lästern und Anzüglichkeiten gegenüber der vorherrschen Augsburgischen Konfessionen sind dem Prediger nicht gestattet. Außerdem müssen auch die Reformierten die „in unsere Kirchen hergebrachte Festtage mit feyern, und an denselben durch Hand-Arbeit niemanden Ärgernis zu geben!“. Von seinem Vorrecht, die Genehmigung im Zweifelsfalle auch wieder zurücknehmen zu können, machte der Landesherr keinen Gebrauch: In diesem Jahr feierte die Evangelisch-reformierte Kirche zu Hann. Münden ihr 300-jähriges Bestehen. (tns)

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