Erzbistum Mainz

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In früheren Jahrhunderten gehörten zur weltlichen Macht der Mainzer Erzbischöfe auch große Bereiche im heutigen Nordhessen.

Einflussbereiche in Nordhessen

Heutiger Landkreis Kassel

Das Wappen von Hofgeismar mit dem Mainzer Rad

Ein Beispiel für den Bereich des heutigen Landkreises Kassel ist die ehemaligen Wallfahrtskirche St. Peter (auf dem Schützeberg (zwischen Wolfhagen und Altenhasungen gelegen). Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1074, als Erzbischof Siegfried I. von Mainz die Kirche dem neu gegründeten Stift und späteren Benediktinerkloster Hasungen schenkte.

Ein weiteres Besispiel: Im äußersten Norden des heutigen Hessen gehörte zum Machtbereich des Erzbistums an der Diemel und der oberen Weser etwa die nahe der Stadt Hofgeismar gelegene Schutzburg auf dem Schöneberg oder die Stadt Hofgeismar selbst. In einer Urkunde des Mainzer Erzbischofs Siegfrid I. wird Hofgeismar im Jahre 1082 als "Hovegeismari" erwähnt. Seit dem Ende des 9. Jahrhunderts hatte der „Hof Geismar“ zur christlich fränkischen Monarchie gehört, anschließend nach einer Schenkung zum Erzbistum Mainz. An diese Zeit erinnert bis heute das "Mainzer Rad" im Wappen der Stadt.

Hier bestand auch ein Archidiakonatssitz an der Altstädter Liebfrauenkirche. Angegliedert war ein Chorherrenstift, das bereits im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Die Archidiakonate waren Verwaltungsbezirke im Erzbistum Mainz, denen Pröpste vorstanden. Diese verwalteten nicht nur das Kirchengut sondern übten auch die geistliche Gerichtsbarkeit aus. Etwa 30 Pfarreien gehörten bis zur Reformation allein zu diesem Kirchensprengel.

Heutiger Schwalm-Eder-Kreis

Auch im Gebiet des heutigen Schwalm-Eder-Kreises besaß das Erzbistum Mainz ausgedehnte Besitzungen, insbesondere die stark befestigte Stadt Fritzlar oder die Burgen Jesberg (errichtet von den Herren von Linsingen) und Heiligenberg bei Gensungen.

Um das Jahr 1100 ist der Heiligenberg im Besitz der Herren von Felsberg. In den Auseinandersetzungen der Landgrafen von Thüringen mit dem Mainzer Erzbischof wurde der Berg von 1180 bis 1186 mit Befestigungen versehen. Die Burg sollte dem Schutz der Stadt Fritzlar dienen sowie den Weg in das zum Erzbistum Mainz gehörende Eichsfeld sichern. 1186 wurde die Burg als "Castrum Heilingenberg" erwähnt. Auf der Burg residierten die Grafen Henrich und Isfried vom Heiligenberg aus dem Geschlecht der Grafen von Ziegenhain.

Heutiger Werra-Meißner-Kreis

Im Bereich von Wanfried im Werra-Meißner-Kreis erinnern die Mainzer Köpfe - Erhebungen über dem Werratal - an den früheren Einflussbereiches des Erzbistums Mainz. Im Grenzbereich zum südlichen Eichsfeld hin sind noch eine Reihe von Steinen mit eingemeißeltem Mainzer Rad erhalten geblieben.

Geschichte

Das Stadtwappen von Fritzlar

Als der heilige Bonifatius um 846/ 847 das Bistum Mainz übernahm, konnte er bereits auf eine stattliche Zahl von Vorgängern zurückblicken. Sein Schüler und Nachfolger Lullus wurde dann um das Jahr 780 in den Rang eines Erzbischofs erhoben.

Die Schwerpunkte des Mainzer Erzbistums lagen in den folgenden Jahrhunderten am Mittelrhein und am Main, in Hessen und in Thüringen. Auch das 741 von Bonifatius gegründete Bistum Büraburg war in der Mainzer Diözese aufgegangen. Zum Territorium gehörten auch die bonifitianischen Gründungen Fritzlar und Amöneburg oder Besitzungen im Eichsfeld. Hinzu kamen große Schenkungen an die Mainzer Kirche.

Das Erzbistum Mainz hatte in kirchlicher und politischer Hinsicht große Bedeutung für das bis 1806 bestehende Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Das kirchliche Territorium reichte von Chur in der Schweiz bis Hamburg.

Politisch (weltlich) waren die Erzbischöfe von Mainz Kurfürsten des Reiches und hatten ein eigenes Landesterritorium zu dem auch Teile von Hessen und mit dem Eichsfeld auch Teile von Südniedersachsen und Thüringen gehörten (Kurfürstentum Mainz).

Nach dem Verfall der kaiserlichen Macht nach dem Ende der Herrschaft der Staufer im 13. Jahrhundert versuchte das Erzbistum Mainz die Territorialherrschaft auch über große Teile von Nordhessen zu erlangen. Dies wurde vor allem mit dem Anspruch einer Lehnshoheit begründet.

Inschrift an der Stadtkirche St. Crescentius Naumburg mit "Mainzer Rad"

Die Auseinandersetzungen mit der von 1122 bis 1264 in Nordhessen herrschenden Landgrafschaft Thüringen und insbesondere mit der nach 1264 unter Sophie von Brabant und ihrem Sohn Landgraf Heinrich I. entstehenden Landgrafschaft Hessen hielten über fast vier Jahrhunderte an. Sie prägten einen wichtigen Teil hessischer Geschichte.

Im 13. Jahrhundert kam die Entwicklung des Mainzer Territoriums unter den beiden Erzbischöfen aus dem Hause Eppstein - Siegfried II. (1200/08-1230) und Siegfried III. (1230-1249) - zu einem ersten Abschluss. Als Letzterer versuchte, nach dem Aussterben der Landgrafen von Thüringen die Mainzer Lehen in Hessen einzuziehen, begründete er damit einen jahrhundertelangen Konflikt.

Zu Beginn des 14. Jahrhunderts gehörten in Nordhessen Amöneburg, Hofgeismar, Fritzlar und Naumburg zum Erzbistum.

Am 8. Dezember 1427 endete der Mainzisch-Hessische Krieg von 1427, die letzte und entscheidende Auseinandersetzung in dem zwei Jahrhunderte dauernden Streit zwischen dem Erzbistum Mainz und den Landgrafen von Hessen. Die entscheidenden Siege von Landgraf Ludwig I. über den Mainzer Heerführer Gottfried von Leiningen im Juli bei Fritzlar und über Erzbischof Konrad von Dhaun im August bei Fulda bedeuteten das Ende der mainzischen Ambitionen in Ober- und Niederhessen, was am 8. Dezember 1427 auch mit dem „Friede von Frankfurt“ besiegelt wurde.

Der Reichsdeputationshauptschluss beendete 1803 die Existenz des Erzbistums und Kurfürstentums Mainz. Mainz wurde mit Rheinhessen Hessen-Darmstadt angegliedert.

Die Kurfürstenwürde erhielten die Landgrafen von Hessen-Kassel. Landgraf Wilhelm IX. wurde Kurfürst Wilhelm I..

Kurmainz

Siegel und Wappen des Erzbischofs Siegfried II. (von Eppstein) - fotografiert von einer Darstellung in der Klosterkirche in Haina

Kurmainz war das von den Kurfürsten und Erzbischöfen von Mainz verwaltete Territorium im Heiligen Römischen Reich und gehörte mit Kurköln und Kurtrier zu den drei geistlichen Kurfürstentümern.

Im Kurfürstentum war der Mainzer Erzbischof reichsunmittelbarer Fürst und weltlicher Herrscher, im Erzbistum geistlicher Oberhirte, wobei die Grenzen des Kurfürstentums und des Erzbistums geographisch nicht übereinstimmen.

Literatur

siehe auch

Weblinks